Privat- und Firmeninsolvenzen in Coronazeit massiv gesunken

Die Zahl der Privat- und Firmeninsolvenzen ist in der Coronakrise massiv zurückgegangen. Laut Gläubigerschutzverband Creditreform wurden vom 16. März bis 11. Mai im Vergleich zum Vorjahr um 76,6 Prozent weniger Privatpleiten und 64,1 Prozent weniger Firmenpleiten gemeldet. Gründe dafür waren geschlossenen Gerichte und Schuldnerberatungen, die Auswirkungen der Krise dürften sich erst später zeigen.

Insgesamt ging die Zahl der Insolvenzen um 72,6 Prozent zurück. Waren es vom 16. März bis zum 11. Mai 2019 noch 1.927 Privatinsolvenzen, so wurden im gleichen Zeitraum 2020 nur noch 451 Privatinsolvenzen gemeldet. Die Zahl der Firmeninsolvenzen ging von 916 auf 329 zurück. Insgesamt gab es also heuer nur 780 Pleiten in knapp zwei Monaten, ein Rückgang um 2.063 Insolvenzen. Gezählt wurden eröffnete und mangels Vermögen abgewiesene Insolvenzverfahren.

Nach Branchen gesehen war der relativ stärkste Rückgang bei den Pleiten im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung mit minus 73,7 Prozent zu verzeichnen. In absoluten Zahlen gemessen war der Rückgang bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit minus 111 Pleiten am größten.

Für diese Entwicklung seien mehrere Gründe verantwortlich, erläutert der Geschäftsführer des Österreichischen Verbands Creditreform, Gerhard Weinhofer, gegenüber der APA: Bis Anfang Mai seien die Gerichte geschlossen gewesen, seitdem werde in unterschiedlicher Art und Ausmaß wieder verhandelt. Weiters hatten die Schuldnerberatungen die persönliche Beratung eingestellt, viele Privatschuldner wollten ihre Angelegenheiten aber nicht online oder telefonisch erörtern, sondern persönlich. “Das schreckt viele Leute ab, wenn ein persönliches Gespräch nicht möglich ist”, meinte Weinhofer.

Die Auswirkungen der stark gestiegenen Arbeitslosigkeit würden sich erst später bei den Privatinsolvenzen auswirken. Derzeit hofften noch viele Arbeitslose, sie könnten in ihren alten Job zurückkehren oder einen neuen Job finden. Und viele Unternehmen setzten auf die Unterstützungsmaßnahmen der Regierung, wie den Härtefallfonds oder auf Kreditgarantien.

Und auch die insolvenzrechtlichen Regelungen haben sich geändert: Eine Verpflichtung des Schuldners, bei Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu stellen, besteht nicht bei einer im Zeitraum von 1. März bis 30. Juni 2020 eingetretenen Überschuldung. Ebenso ist während dieses Zeitraumes ein Insolvenzverfahren auf Antrag eines Gläubigers nicht zu eröffnen, wenn der Schuldner überschuldet, aber nicht zahlungsunfähig ist.

Der Geschäftsführer bzw. Inhaber eines Schuldner-Unternehmens ist verpflichtet, einen Insolvenzantrag ohne schuldhaftes Zögern spätestens binnen 60 Tagen ab Eintritt der Zahlungsunfähigkeit zu stellen. Schon bisher galt eine verlängerte Antragsfrist von 120 Tagen für Fälle, in denen sich eine Zahlungsunfähigkeit aufgrund von Naturkatastrophen ergab. Nun wurde die 120-Tage-Frist auch auf Fälle einer durch eine Pandemie verursachten Zahlungsunfähigkeit erstreckt.

In den Monaten März, April und Mai 2020 sind bereits fällige Sozialversicherungsbeiträge nicht einzutreiben. Es werden hier von den Sozialversicherungsträgern auch keine Insolvenzanträge gestellt. Generell werden ÖGK, SVA und Finanzamt keine Insolvenzanträge einbringen. Üblicherweise werden – in normalen Zeiten – rund 50 Prozent aller Unternehmens-Insolvenzfälle von ÖGK, SVA und Finanzamt beantragt.

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