Mitglied der Pink Panther-Bande in Wien verurteilt

Weil er als Mitglied der berüchtigten Pink Panther-Bande an fünf Raubüberfällen auf Wiener Juweliergeschäfte beteiligt war, hat sich ein 27 Jahre alter Moldawier am Freitag am Landesgericht verantworten müssen. Dabei war auf eine Verurteilung in Italien Bedacht zu nehmen, wo er 2017 wegen Raubes fünf Jahre Haft kassiert hatte. In Wien fasste er nun für die zeitlich länger zurückliegenden Straftaten eine fünfjährige Zusatzstrafe aus. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Die inkriminierten Coups hatten sich zwischen Anfang Oktober 2014 und Ende August 2015 abgespielt. Der 27-Jährige gehörte einer Gruppierung an, die ausgesprochen gewalttätig in Erscheinung trat. Zwei bis fünf Kriminelle betraten die Geschäfte, einer bedrohte den Inhaber bzw. die Angestellten, teilweise unter Verwendung einer Pistole, während die anderen die Glasvitrinen mit Zimmermannhammer oder Brecheisen zertrümmerten, Schmuckstücke und Juwelen zusammenrafften, in einer großen Sporttasche verstauten und die Bildfläche schnellstmöglich wieder verließen. Eine Angestellte wurde sogar kurz in den Schwitzkasten genommen, da sie den Tätern im Weg stand.

Das Ganze ging stets blitzartig von sich. Der Überfall auf einen Juwelier in Favoriten vom 2. Oktober 2014 dauerte gerade einmal 62 Sekunden. Die bedrohte Angestellte hätte nur mehr drei Monate zu arbeiten gehabt, mit Jahresende wäre sie in Pension gegangen. Sie musste allerdings ihren Job in Folge des Überfalls sofort aufgeben, weil sie das Geschehen schwer traumatisiert hatte. Dem Vernehmen nach leidet sie bis heute an den Folgen.

Die Beute, die die Pink Panther-Bande machte, konnte sich sehen lassen. Allein bei einem Überfall Anfang Juni 2015 fielen den Räubern Preziosen im Wert von 1,08 Million Euro in die Hände. Insgesamt machte der Schaden, den der Angeklagte nun vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Elisabeth Reich) zu verantworten hatte, 1,5 Millionen Euro aus.

Der 27-Jährige war umfassend geständig. Im Anschluss an seine Verurteilung in Italien war er von den dortigen Behörden Österreich zum Zweck der Strafverfolgung übergeben worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sein genetischer Fingerabdruck zu zwei Überfällen in Wien „passte“. In weiterer Folge kooperierte der 27-Jährige mit den heimischen Strafverfolgungsbehörden. Er gab drei weitere Überfälle auf Wiener Juwelier-Geschäfte zu und nannte auch seine Komplizen. Einer davon ist mittlerweile verstorben, ein zweiter wurde in einem separaten Verfahren zu einer neunjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, von den anderen kennt man zumindest die Identitäten. Nach ihnen wird jeweils per Europäischem Haftbefehl gesucht.

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Der Moldawier hatte sich in seiner Heimat ursprünglich als Gelegenheitsarbeiter über Wasser gehalten. Dann sattelte er aufs Einbrechen um, wurde dafür abgeurteilt und ließ sich schließlich auf illegale Drogengeschäfte ein. Als ihm eines Tages eine größere Menge Suchtgift gestohlen wurde, wurde er seiner Darstellung zufolge strafweise angeschossen, weil ihn sein Boss für den Verlust von 100.000 Euro verantwortlich machte. In weiterer Folge habe man ihn nach Mitteleuropa geschickt, wo er fortan bei Raubzügen mitmachte. Seinen Anteil an der Beute habe man ihm von seinen Schulden abgezogen, von den 1,5 Millionen Euro habe er nichts gesehen, erklärte der 27-Jährige dem Schöffensenat.

„Es war klar eingeteilt, wer was machen soll“, gab der Angeklagte zu Protokoll. Er habe zwar eine Waffe getragen, damit aber nicht geschossen und folglich „nix Böses gemacht“. Bei der Strafbemessung wurden das Geständnis sowie der – wie die Vorsitzende betonte – wesentliche Beitrag zur Wahrheitsfindung mildernd berücksichtigt. Mit – die Verurteilung in Italien eingerechnet – insgesamt zehn Jahren Haft waren der Angeklagte und die Staatsanwältin einverstanden.

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