Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Pseudo-Dialog

Es war ein Versuch, der gewagt, aber mit Blick auf die — wenn auch kleine — Chance zu wagen war. Das Wiener König-Adullah-Zentrum war getragen von der Hoffnung des Gastgeberlandes, seine traditionelle Brückenbauerrolle auch zwischen den Religionen zur Geltung bringen zu können.

Die Chance konnte nicht genützt werden, weil ein maßgeblicher Partner — Saudi-Arabien — an einem offenen, auch konfrontativen Dialog gar nicht interessiert ist. Vielmehr betrachtet Riad diese Institution als eine Art PR-Abteilung. Zweck des König-Abdullah-Zentrums ist die Behübschung der mörderischen Realität im Wahhabiten-Reich mit einer netten Dialogfassade.

Dabei unterscheidet sich dieser Dialog nicht einmal so sehr von dem zwischen Österreichs Christen und Muslimen: Heikle Fragen werden im öffentlichen Diskurs möglichst gemieden.

Bezeichnende Antwort eines Sprechers der Diözese Linz auf die VOLKSBLATT-Frage nach der Thematisierung konkreter Fälle von muslimischem Antisemitismus: Ja, das sei geschehen, aber: „Da es sich bei diesen Dialoggesprächen um keine öffentlichen Gespräche handelt, bitte ich um Verständnis darum, dass ich Ihnen keine Gesprächsdetails nennen kann.“

„Zweck des König-Abdullah-Zentrums ist die Behübschung der mörderischen Realität mit einer netten Dialogfassade.“

Diese Art von Dialog, der Probleme mehr zudeckt als aus der Welt schafft, braucht niemand. Weder im KAICIID noch sonst wo.

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