Punk-Clown ohne „Dahoam“

Ringsgwandl gastierte im Linzer Posthof mit „Wuide unterwegs“

Georg Ringsgwandl
Georg Ringsgwandl © Henner Fotista

Von Christian Pichler

Den weltberühmten Ringsgwandl-Knicks macht er wiederholt extratief. G’sund und dehnbar wie eine junge Gazelle! Eine gehörige Portion Selbstironie schwingt mit, klaro. Hauptsache „deppert“ sein, wie im gleichnamigen Lied. „Sog moi, bin i deppert,/in einer depperten Welt,/bin i damisch in mein Hirn“.Öder Befindlichkeitskram im deutschsprachigen Pop, aber ein alter Herr mit dem Herzen eines jungen Narren springt in die Bresche. „Fitnessdeppen“, Landschaftsversiegelung und Konsumtempel, das sind doch einmal Themen! Donnerstagabend gastierte der bayrische Punk-Clown Georg Ringsgwandl mit „Wuide unterwegs“ im Linzer Posthof, der Große Saal war fast voll. Aktuelle CD „Andacht & Radau“, Aufgelesenes und Neues.

Simple Wahrheiten

Nicht du spielst mit dem Handy, das Handy spielt mit dir. Das Lied „Digitalisiertes Proletariat“, wie wohltuend, wenn einer noch simple Wahrheiten ausspricht. Ein Projektor tarnt den geistigen Verfall Ringsgwandls, wie er einem staunenden Publikum erklärt. Das Gerät beamt die Liedtexte aufs Aug’, von dort direkt weiter ins Sprachzentrum. Nur bei „Armes, kleines Unterhoserl“ rutschen ihm die Sätze davon, aber wurscht. Ist fast noch lustiger, wenn er improvisiert.

Der 70-Jährige aus Bad Reichenhall ein Fackelträger der guten alten Liedermacherei, mit wachem Blick für eine aufgekratzte Gesellschaft.

Seltsam nur, wie diese Texte mit der Zeit noch wahrer werden. „Wo’s streiten wegen jedem Dreck, wo neamd wos Nettes sogt,/wo hinter der Designertür das blanke Elend hockt.“ („Dahoam is net dahoam“). Im ersten Teil noch im schlabbrigen Anzug, erscheint Ringsgwandl nach der Pause mit HipHop-Hauberl, Military-Hose und schwarzer Sonnenbrille. Die Band lässt’s rockig krachen, „Reiß de Hüttn weg!“, der vormalige Oberarzt hopst mit der Eleganz einer Vogelscheuche. Was kümmert’s ihn, die Leute lieben ihn.

Blues, Country, Rock ‘n’ Roll — kommt alles bekanntlich aus Bayern. Eine „fine motherfuckin’ Stubenmusi“ hatte Ringsgwandl versprochen und Wort gehalten. Der Meister mit Gitarre oder an der Zither, in die dunkle Nacht entlässt er mit Erheiterndem zum Tod. „Nix mitnehma“, das hat schon der alte Hippie Jesus verkündet, so singt auch der jugendliche Spaßmacher Ringsgwandl. Schöner, runder Abend.