Punkte sammeln bei Gott

„The Beautiful Ones“: Porträt des Jahrhundertmusikers Prince

Prince 1987 bei einem Auftritt in Paris
Prince 1987 bei einem Auftritt in Paris © AFP/Guay

„,Musik heilt’, sagte er. ,Schreib das als erstes. Das soll unser Leitmotiv sein. Musik hält die Dinge zusammen.’“ Also sprach Prince zu seinem Co-Autor Dan Piepenbring. Der 1958 in Minneapolis geborene Prince Rogers Nelson wuchs mit Musik auf. Die Eltern Mittelstand, der Vater in seiner Freizeit Jazzpianist, die Mutter Jazzsängerin. Das Haus der Kindheit erinnerte Prince als pink und „funky“: „Menschen, Stimmen, Energie. Wie die Kennedys, nur schwarz.“

Das Buch ein Herzensprojekt von Prince („Können wir ein Buch schreiben, das das Rassismusproblem löst?“), der noch wenig erfahrene Musikjournalist Piepenbring extra dafür auserkoren. Prince gab Piepenbring die autobiografischen Notizen — die Schrift atemberaubend elegant geschwungen, nach kurzer Einübung auch zu entziffern — Anfang 2016 in Melbourne. Prince war in Australien auf „Piano & A Microphone“-Tour, allein an den Tasten wollte er die Essenz seiner Songs herausschälen.


Geist des Schöpferischen durchweht dieses Buch

Nach drei Monaten Zusammenarbeit war Prince plötzlich tot. Verstorben am 21. April 2016, die Ursache wahrscheinlich eine Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl. Alle Verträge waren unterschrieben, was sollte Piepenbring tun? Aus seinem einleitenden Essay sprechen aufrichtige Zweifel, doch die (Auto-)Biografie „The Beautiful Ones“ ist eine glänzend aufbereitete, liebevolle Huldigung des Jahrhundertmusikers Prince. Wenn auch nur ein Bruchteil dessen, so Piepenbring, „was es hätte werden können“.

Der Buchtitel zugleich der Titel eines Songs, „The Beautiful Ones“ eine herrliche Ekstase in Falsettlage. Prince beginnt seine handschriftlichen Aufzeichnungen mit seiner Mutter Mattie, ihre Augen „verschmitzt“, sie verhießen „Spaß & Übermut“. Der Geist des Schöpferischen durchweht dieses Buch. Ein Andocken an die Kindheit mit von Prince kommentierten Fotos, die die Jahre bis zum ersten Plattenvertrag 1977 umspannen. Seine Sturheit und sein Ringen um künstlerische Freiheit, die im Gefecht mit Warner Bros. in den 1990ern gipfelte.

Gespiegelter Narziss auf der Suche nach Sinn

Fleckiges Blatt Papier, die Urfassung des Welthits „Kiss“, den Prince zunächst „Your KISS“ taufte. Fotokopien von „Purple Rain“ oder „Raspberry Beret“ aus des Meisters Hand. Interview-Schnipsel des Multiinstrumentalisten, für den die Stimme „bloß wie eins der Instrumente ist, die ich spiele“. Ein Gustostück der handschriftliche Entwurf Prince’ zur Story des Films „Purple Rain“ (1984), der um einen jungen Musiker namens „Prince“ kreist. Gespiegelter Narziss, der sich danach sehnt, „in seinem Leben etwas Sinnvolles gemacht zu haben. Bei Gott Punkte sammeln, nehme ich an.“

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