Putin und Macron für Inspektion in ukrainischem AKW

AKW Saporischschja könnte bald Besuch von IAEA-Kontrolleuren erhalten © APA/AFP (Archiv)/ED JONES

Ein Fokus der internationalen Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg ist weiterhin das von russischen Truppen besetzte AKW Saporischschja. Russlands Präsident Wladimir Putin und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron haben sich am Freitag in einem Telefonat für eine Inspektion durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) ausgesprochen. IAEA-Chef Rafael Grossi erklärte seine Bereitschaft, „baldmöglichst“ Inspekteure zu entsenden.

Putin und Macron forderten nach ihrem Telefonat am Freitag einer Mitteilung des Kreml zufolge, IAEA-Kontrolleure sollten das Kraftwerk „sobald wie möglich“ besichtigen. Russland sichere die „erforderliche Mithilfe“ zu. Aus dem französischen Präsidentenbüro hieß es, Macron habe sich für die „schnellstmögliche Entsendung“ einer IAEA-Expertenmission „unter Bedingungen, denen zuvor die Ukraine und die UNO zugestimmt haben“ ausgesprochen. Macron und Putin würden sich hierüber in den kommenden Tagen erneut austauschen. Das Telefonat war der erste direkte Austausch zwischen den beiden Staatschefs seit Ende Mai.

IAEA-Chef Grossi sagte, er begrüße die jüngsten Aussagen, die Unterstützung Kiews wie Moskaus für das Ziel der IAEA erkennen ließen, eine Mission nach Saporischschja zu entsenden. Die Behörde sei in „Beratungen mit allen Parteien“, um baldmöglichst Inspekteure in das AKW zu schicken.

Mit Blick auf einen Besuch internationaler Atom-Experten hatte es zuletzt Uneinigkeiten zu den Anreisemodalitäten gegeben. Von französischer Seite hieß es nach dem Telefonat der Präsidenten am Freitag, die Anreise solle über die Ukraine unter Kontrolle der dortigen Regierung erfolgen. Für die Sicherheit der Experten sei eine Feuerpause erforderlich, auch wenn diese nicht einfach zu verhandeln sei.

Die russische und die ukrainische Führung machen sich seit Tagen gegenseitig für den Beschuss des größten Atomkraftwerks in Europa verantwortlich. Russland lehnt zudem internationale Forderungen ab, die eigenen Truppen von dem AKW-Gelände abzuziehen, das diese im Zuge des seit rund einem halben Jahr andauernden Kriegs gegen die Ukraine erobert haben.

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International wird ein besonderes Augenmerk auf Saporischschja gelegt, denn ein Treffer in den Reaktoren könnte eine Nuklearkatastrophe ähnlich wie der in Tschernobyl 1986 auslösen. Damals wurde nicht nur die unmittelbare Umgebung dauerhaft verstrahlt, sondern radioaktiver Niederschlag ging auch in mehreren europäischen Ländern nieder. IAEA-Chef Grossi warnte Anfang August mit Blick auf Kämpfe in der Umgebung des AKW vor einem „Spiel mit dem Feuer, mit möglichen katastrophalen Folgen“.

In Kiew befürchtet man unterdessen die Abschaltung des Kraftwerks. Es gebe Hinweise darauf, dass russische Truppen das Abschalten der noch betriebenen Reaktoren im AKW Saporischschja vorbereiteten, teilte der staatliche Energieversorger Energoatom am Freitag mit. Ein Ausfall der Stromlieferungen aus der riesigen würde vor allem den Süden der Ukraine treffen. Das Land bereitet sich angesichts von Krieg und Verknappung der Energieversorgung auf den schwierigsten Winter seit Erklärung der Unabhängigkeit vor.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte Russland noch am Freitag auf, das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja nicht vom ukrainischen Stromnetz zu trennen. „Natürlich ist der Strom von Saporischschja ukrainischer Strom (…). Dieses Prinzip muss voll und ganz respektiert werden“, sagte Guterres am Freitag bei einer Pressekonferenz in der ukrainischen Hafenstadt Odessa.

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