Rabenschwarz ist´s bei „Macbeth“

Letzte Saisonpremiere der Wiener Staatsoper

Ihr Gesang bringt Licht in die Dunkel der Inszenierung: Anna Netrebko ist nun endlich als Lady Macbeth in Wien zu erleben.
Ihr Gesang bringt Licht in die Dunkel der Inszenierung: Anna Netrebko ist nun endlich als Lady Macbeth in Wien zu erleben. © Staatsoper/Michael Pöhn

So rabenschwarz hat man es auf der Bühne selten erlebt, wie Barrie Kosky Verdis „Macbeth“ an der Wiener Staatsoper (eine fünf Jahre alte Produktion aus Zürich bringend) inszeniert hat.

Und Raben gibt es auch, vom Anfang bis zum Ende, die Unglücksvögel… Nun ist ja Verdis „Macbeth“ bekanntlich ein extrem düsteres, durchgehend „negativ“ gepoltes Werk, dem kein Licht in der Finsternis leuchtet — nur die Musik hat gelegentlich Verdi-Schwung, der gar nicht zum Thema zu passen scheint.

Barrie Koskys Inszenierung kann man wohlmeinend als minimalistisch bezeichnen, nicht so wohlmeinend als szenisch sparsam und letztlich schlicht gestrickt, wenn der Regisseur auch mit einem nackten „Hexenchor“ (diese Herrschaften singen nicht, der echte Chor erklingt meist aus dem Hintergrund) gleich von Anfang an auf Schockeffekte setzt.

Er erzählt aber so gut wie gar nicht, was in der „Macbeth“-Geschichte (und die gibt es ja auch) tatsächlich vorgeht, er beschränkt sich auf die Interaktion des Ehepaares, stellt zwei Menschen inmitten von teuflischen Mächten, weicht in surreale Sphären aus — von der Außenwelt sozusagen in die Innenwelt. Mit dem Defizit, dass Menschen, die das Werk nicht kennen, vieles nicht verstehen werden — ohne Bankettszene (das schwarze leere Bühnenbild bietet nur zwei Sessel) ist eben schwer zu begreifen, dass Macbeth von den Erscheinungen der von ihm Gemordeten gejagt wird…

Netrebko in einer ihrer berühmtesten Rollen

Der „Run“ auf die ersten vier Aufführungen der Serie erklärte sich daraus, dass man endlich in Wien Anna Netrebko als Lady Macbeth sehen konnte. Es ist zu Recht eine ihrer berühmtesten Rollen, extrem in den stimmlichen Anforderungen, die sie von der drohenden Tiefe bis in die dramatischen Höhen glanzvoll meistert, immer noch im Vollbesitz ihres prachtvollen Timbres und ihrer beeindruckenden Technik.

Darstellerisch muss Netrebko ein wenig statuarisch bleiben, während ihr von den nackten Hexen gehetzter Mann die große Bewegtheit auf die Bühne bringt: Rund um Luca Salsi irrlichtert mehr Wahnsinn als bei seiner Gemahlin (die ja in einer berühmten Wahnsinnsszene stirbt) — und er singt vor allem mit nie erlahmender baritonaler Kraft.

Philippe Jordan zeigt, dass er „alles“ kann

Dritter im Bunde jener, die den Abend zum musikalischen Ereignis machten, war schließlich Philippe Jordan, der Musikdirektor des Hauses, der in der ersten Saison der Direktion Roscic mit Puccini, Mozart, Strauss, Wagner und nun Verdi gezeigt hat, dass er wirklich „alles“ kann. Was Kosky zum etwas verkorksten Seelendrama gemacht hat, wurde bei Jordan prächtige italienische Oper.

Viel ungestörter Beifall, denn Regisseur Barrie Kosky erschien nicht.

Von Renate Wagner

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