„Ragu aus dem Beischl vom Gnu“

Blonder Engel und Hedwig Haselrieder Combo präsentierten im Posthof das Album „Codex Angeli“

Der Blonde Engel und die Hedwig Haselrieder Combo
Der Blonde Engel und die Hedwig Haselrieder Combo © Marco Prenninger

Wortspiele dominieren sein Programm und ja, er hat gefallen. Ein „charismatisches Gesamtkunstwerk“ nennt eine begeisterte Besucherin nach gut zwei Stunden den Blonden Engel. Der Auftritt sollte eigentlich die Life-Aufnahme für ein neues Album werden. Die elf Lieder waren aber schon vorher fertig. Der Blonde Engel releaste daher kürzlich sein neuestes Oeuvre als Vinylausgabe und CD im großen Posthofsaal. „Codex Angeli“ nennt er das Post Scriptum zur berühmtesten Liedersammlung der Welt, dem mittelalterlichen Codex Manesse. Hat ihn der Allmächtige deshalb verstoßen?

Er kommt im feuerfarbenen Anzug daher, teuflisch auch, wenn er gleich den „Hypochonder“ auspackt, bloß weil er sich mit ein wenig schlechtem Willen auf Corona reimt. Das Wienerlied ist in Linz angekommen. Zum Weltuntergangsblues stirbt Andreas Wiesinger am Akkordeon einen herzzerreißenden Tod. Meisterhaft an allen Instrumenten die Hedwig Haselrieder Combo. Musikalisch ist nichts innovativ, modern oder auch nur zeitgenössisch, auch wenn man eine „Trilogie der Nerds“ druntermischt. Die sind inzwischen ja auch in die Jahre gekommen. Dafür bedient man speziell die weit über 50-Jährigen mit Elementen aus der Italo-, Latino-, Country oder Blueskiste.

Als bekennender Oberösterreicher auch ein wenig Gstanzlsänger, quetscht der Blonde Engel Vierzeiler in absurde Reime, auf Zuruf zaubert er Sprachwitz zum großen Musikstilrepertoire aus dem Ärmel. Und wenn er so tut, als ob oder wirklich nicht weiter weiß, spielt die formidable Combo (Akkordeon/Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug) immer wieder „Quando, quando“. Dazu der Blonde: „I gib mei Gwand o“. Wortspiele beherrscht er und beherrschen das Programm. Nicht nur „über a Reh foan“ reimt sich auf Schlehdorn. Er reimt auch um des Reimes willen etwa beim „Ragu aus dem Beischl vom Gnu“ nichts wirklich Dramatisches, aber sehr lustig und immer wieder überraschend.

Schmähtandler mit beachtlicher Stimme

Ein Schmähtandler mit beachtlichem Bass, der authentisch wirkt im Tun und Sagen zwischen Hybris und Endzeitstimmung. Einer, der gefallen will und damit reüssiert. Jedes Theater könnte froh sein über so einen Schauspieler, jede Improtruppe über so viel Spontanität, jede Band über so einen Gitarristen. Froh und glücklich auch das Linzer Publikum über den Abend mit dem Blonden Engel, der bei den Zugaben endlich als Original herniederkommt — goldene Leggings und strahlend weiße Flügel, von Wiederkehr kündend, sofern die Leut’ viele Platten kaufen.

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