Rahoma: „Das ist schon großes Kino im Fernsehen“

Faris Rahoma frisiert ab Montag die „Vorstadtweiber“ und hat Hoffnung, dass das noch lange so weitergeht

In „Fuchs im Bau“, dem neuen Wurf aus der „Migrantigen“-Schmiede, spielt Faris Rahoma Rocksänger Peter Steiner. Der Film von Arman T. Riahi eröffnet nicht nur am 16. März die Diagonale, sondern ist auch im Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis 2021 dabei.
In „Fuchs im Bau“, dem neuen Wurf aus der „Migrantigen“-Schmiede, spielt Faris Rahoma Rocksänger Peter Steiner. Der Film von Arman T. Riahi eröffnet nicht nur am 16. März die Diagonale, sondern ist auch im Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis 2021 dabei. © Arash T. Riahi

Faris Endris Rahoma (45) ist Schauspieler, Drehbuchautor und Journalist. Für den ORF ist er u.a. bei „DOKeins“ unterwegs, 2017 machte er mit Arman T. Riahi und Aleksandar Petrovic den Kinofilm „Die Migrantigen“ zum Kult, im Frühjahr kommt der Nachfolger „Fuchs im Bau“ auf die Leinwand und ab Montag macht Rahoma als Friseur Raoul die „Vorstadtweiber“ zum Start der neuen Staffel wuschig.

VOLKSBLATT: Hätten Sie sich das gedacht, dass Sie als Friseur in der Vorstadt landen?

FARIS RAHOMA: Ehrliche gesagt, nein. Meinen ersten Film habe ich mit acht Jahren gemacht. Ich habe sehr früh gewusst, dass ich Schauspieler werden möchte, mit 16 am Konservatorium zum Studieren begonnen. Aber jetzt so in der Vorstadt den Raoul zu spielen, das ist schon sehr cool. Weil einfach ist es als Steirogypter, als Faris Endris Rahoma, nicht immer gewesen. Das muss ich jetzt auch ganz ehrlich sagen. Man ist manchmal in eine Schublade gesteckt worden und es ist immer schwierig, eine Schublade von innen aufzumachen. Aber ich habe halt das Glück, dass ich ein total optimistisch und positiv eingestellter Mensch bin und, dass ich — das habe ich von meinem ägyptischen Vater — schon anklopfe, aber dann falle ich gerne mit der Tür ins Haus und sage: „Hey, da bin ich!“ Jetzt in der Vorstadt Fäden zu zerschneiden und zu spinnen, das macht Spaß und ich fühle mich jetzt auch angekommen.

Die Figuren in „Vorstadtweiber“ sind immer ein bisschen drüber. Liegen Ihnen so überzeichnete Figuren?

Das war das große Problem für mich beim Raoul. Ich habe hier ein Erbe übernommen — den Friseur. Der schneidet keine einzige Haarspitze. Was er macht, er stylt so ein bisschen das Leben aller Vorstadtweiber und -männer mit. Ich finde das Überzeichnete gut, das ist eine extrem erfolgreiche Serie, die sehr unterhaltsam ist. Gleichzeitig braucht es aber auch Spannung und gerade beim Raoul habe ich versucht, eine Figur zu entwickeln, die so als Chamäleon auf Katzenpfoten durch die Staffel schleicht. Wenn er jemandem übergeordnet ist, fährt er die vorher eingezogenen Krallen aus und bohrt sich in jedes Fleisch. Ihm ist wurscht, ob Manderl oder Weiberl oder wie zäh das Fleisch ist. Er ist für mich, auch vom Äußeren her, sehr gut entwickelt. Der muss in die Modewelt passen, aber nicht zu auffällig sein. Im Inneren ist er ein total zerrissener Charakter, der es hasst, die Kontrolle zu verlieren.

Ist diese Fashion-Welt auch privat für Sie ein Thema?

Ich schau immer gern gut aus. Das wäre mir schon wichtig. Manchmal habe ich auch nix an, das gehört in der Vorstadt dazu. Man wird halt nach dem Äußeren beurteilt und man möchte auch ein bisschen gut rüberkommen. Aber es hat in meinem persönlichen Leben keinen riesigen Stellenwert.

Wie war es denn, in so ein schon lange bestehendes Team zu kommen bei den „Vorstadtweibern“?

Ich kannte einige von dem Team, den Laurence Rupp, ich kannte den Murathan Muslu gut, die Nina Proll. Aber natürlich hat man Bammel und Respekt. Das ist wirklich eine Ehre, da mitspielen zu dürfen, gerade, wenn man so einen Migrationsvordergrund hat. Du gehst da hin und weißt, da sind richtige Kapazunder … Ich bin wirklich warmherzig und cool willkommen geheißen worden und ich habe als Raoul das Glück, mit vielen verschiedenen Figuren aus der Serie Szenen zu haben.

Waren Sie vor Ihrem Einstieg schon Fan der Serie?

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Ich habe davor natürlich geschaut und finde, dass es die „Vorstadtweiber“ in den letzten Jahren wirklich geschafft haben, auch über die österreichischen Grenzen hinaus, dieses Feeling, diesen österreichischen Schmäh spannend, unterhaltsam und total sexy rüberzubringen. Und das ist eine große Kunst. Da muss ich auch Drehbuchautor Uli Brée Rosen streuen, weil da brauchst du natürlich auch immer eine Story dahinter. Und das mittlerweile über sechs Staffeln durchzuziehen, ist in Zeiten wie diesen nicht selbstverständlich. Ich freue mich sehr, wenn das noch weitergeht. Also über die sechste Staffel hinaus. Schau ma mal. Es hat ein bisschen ein Ablaufdatum mit der sechsten, aber …

Sind Sie da guter Hoffnung, dass es doch noch weitergeht?

Ich bin immer guter Hoffnung. Wenn was funktioniert, dann bitte … wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden. Und das sind wirklich wundervolle Figuren.

Endgültig hört sich das Aus nach der sechsten Staffel bei Ihnen nicht an.

Ich kennen den ORF auch schon ganz gut. Ich finde, gerade jetzt, nach dem letzten Jahr, hat sich gezeigt, dass Serien wie die „Vorstadtweiber“ auch ein sehr schönes Gefühl geben. So nach dem Motto: „Auf das freue ich mich, das kenn ich!“ Es ruft auch immer neue Emotionen hervor, da ist dieses Fremdschämen, das Finger-in-die-Wunde-legen, das Mitlachen. Das ist schon großes Kino im Fernsehen!

Mit Juergen Maurer habe ich vor Kurzem über ein Spin-Off der „Vorstadthaberer“ diskutiert …

Ich finde die Idee großartig! Ich habe ja mit meinen zwei besten Freunden „Die Migrantigen“ geschrieben und gespielt und auch wir sind gerade große Fans von einem Spin-Off. Von den „Migrantigen“haben wir ursprünglich auch eine Serie geschrieben. Da ist, nicht wegen uns, die Produktionsfirma in Konkurs gegangen. Wir haben dann einen Aspekt daraus genommen und den Kinofilm geschrieben. Das haben viele Leute sehr gefeiert. Warum daraus jetzt nicht eine Serie machen? Jetzt kommt einmal heuer der zweite Film von Arman T. Riahi. Der heißt „Fuchs im Bau“ und ist ein Sozial-Drama. Das ist wichtig, damit wir nicht auch in dieser Schublade Migranten-Komödie landen. Wir wollen dann aber doch diesen Drive und dieses Feeling von „Die Migrantigen“ weitererzählen.

Wie erklären Sie sich denn den Hype, den „Die Migrantigen“ damals ausgelöst hat?

Weil wir als Freundeskreise diesen Migrationsvordergrund nie als Nachteil empfunden haben. Es war einfach Zeit dafür und uns war klar, wenn wir dieses Thema angreifen, das wir seit wir auf der Welt sind recherchiert haben, dann muss das eine Komödie sein, weil wir ja die Vorteile sehen. Gleichzeitig möchte man dem Zuschauer aber auch ein Lachen schenken, das vielleicht hin und wieder im Hals stecken bleibt. Wir werden nie mit einem Film oder einer Serie die Welt so sehr verändern, dass danach alles anders ist. Aber vielleicht regt es an, sich gewisse Dinge zu überlegen. Und das hat super funktioniert bei „Die Migrantigen“. Die Leute haben Spaß gehabt, egal woher sie gekommen sind, sind nebeneinander gesessen, haben gelacht, obwohl sie komplett unterschiedliche Ansichten hatten.

Mit FARIS RAHOMA sprach Mariella Moshammer

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