Rapid hofft bei Sturm auf Europacup-Schwung

Rapid Wien will in der 6. Runde der Fußball-Bundesliga den Schwung aus der Europa League mitnehmen und mit einem Sieg bei Sturm Graz in der Meisterschaft wieder in die Spur finden. Die Grazer könnten umgekehrt ihren 400. Bundesliga-Sieg feiern. Meister Salzburg empfängt nach dem bitteren CL-Aus die Admira. Zum heimlichen Spitzenspiel reist der WAC zum LASK an. Die Spiele beginnen um 17.00 Uhr.

Für die Hütteldorfer gilt es, die Müdigkeit aus den Beinen zu schütteln – auf Grün-Weiß wartet am Sonntag in der Merkur-Arena schon das achte Pflichtspiel binnen 25 Tagen. Der am Donnerstag in Bukarest gegen FCSB hart erkämpfte Aufstieg in die Europa-League-Gruppenphase habe Spuren hinterlassen, verriet Trainer Goran Djuricin. „So ein Spiel und die Rückreise gehen an die Substanz. Wir werden viel rotieren müssen und schauen, wie der Fitnesszustand der Spieler ist.“

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Dafür könnte Rapid der Europacup-Erfolg einen zusätzlichen Schub verleihen. „Das sollte uns Aufwind geben, deshalb erwarten wir uns in Graz schon Punkte“, erklärte Kapitän Stefan Schwab und rechnete mit einem „Spiel auf Augenhöhe“. mIn einer Hochphase befindet sich derzeit vor allem Goalie Richard Strebinger. „Er hat eine Überform, aber vielleicht auch nicht. Vielleicht ist er wirklich so gut“, sagte Djuricin über seinen Schlussmann.

Sturm wiederum könnte ausgerechnet im Schlager gegen Rapid die Wende nach einem verpatzten Saisonstart schaffen. Gelingt den Steirern gegen die zuvor im Europacup tätigen Wiener der Befreiungsschlag, winkt der Mannschaft und Trainer Heiko Vogel eine ruhige Länderspielpause.

Trotz Heimvorteil schanzte Vogel seiner Mannschaft am Freitag die Außenseiter-Rolle zu. „Ich glaube, dass Rapid von der Qualität her näher an Salzburg dran ist als am Rest der Liga. Sie haben sich gerade in der Offensive unfassbar gut verstärkt“, sagte der Deutsche. Er stellt seine Mannschaft auf weniger Ballbesitz als üblich ein. „Wir können aber über Konter zum Erfolg kommen.“

Mit Blick auf die Sonntagspartie sprach Vogel von einem „speziellen Spiel“, auf das sich alle riesig freuen würden. „Ich erwarte ein volles Haus und wie immer bei diesem Duell eine sehr gute Stimmung.“ Bis Freitagmittag waren 13.500 Karten verkauft.

Meister Salzburg schmerzt weiterhin das unglückliche Aus im Play-off für die Champions-League am Mittwoch gegen Roter Stern Belgrad. In der Bundesliga will Marco Roses Team am Sonntag gegen Admira Wacker in der sechsten Runde aber den nächsten Schritt in der Schmerzbewältigung setzen. Die Vorzeichen sind klar. Salzburg hat bisher alle Spiele gewonnen, die Admira erst ein Tor geschossen.

„Wir wollen gar nicht wegdiskutieren, dass das richtig weh tat. Am Sonntag haben wir die Möglichkeit daran zu arbeiten, dass der Schmerz ganz weg ist. Wir wollen eine gute Leistung bringen, um wieder ins richtige Fahrwasser zu kommen“, kündigte Rose an. Gut möglich, dass der Deutsche am Sonntag einigen Stammkräften wieder eine Pause gibt, schließlich geht es für die Nationalteamspieler nach dem Spiel gegen die Admira praktisch ohne Pause weiter.

Admira-Trainer Ernst Baumeister ist darauf eingestellt, dass die Aufgabe seiner Mannschaft durch das Champions-League-Aus der Salzburger noch ein bisschen schwieriger geworden ist. „Es ist egal, wie das Spiel unter der Woche ausgegangen ist. Es kann sein, dass sie jetzt noch ein bisschen wuchtiger sind“, sagte Baumeister.

Eine besonders defensive Taktik will der Admira-Coach seinem Team dennoch nicht verpassen. „Das könnten wir auch gar nicht. Dafür haben wir die Spieler nicht“, meinte er. Gegenüber dem torlosen Remis gegen Mattersburg am vergangenen Wochenende erwartet sich Baumeister in der Offensive ein mutigeres Auftreten.

Mit einer Charmeoffensive haben die Trainer des LASK und WAC das bevorstehende Duell eingeläutet. Vor dem heimlichen Spitzenspiel der Runde schmierten die Trainer Oliver Glasner und Christian Ilzer einander jeweils Honig ums Maul. Durchaus mit Recht, blicken beide Teams doch auf einen gelungenen Saisonstart zurück.

Mit schönen Bilanzen im Gepäck treffen sich der LASK und WAC im Paschinger Waldstadion. Der Tabellendritte aus Oberösterreich ist seit dem 1:3 in Salzburg zum Ligaauftakt vier Runden ungeschlagen, der viertplatzierte WAC kassierte in den jüngsten neun Spielen nur eine einzige Niederlage. „Sie haben den großen Umbruch ganz clever gelöst“, sagte LASK-Coach Glasner mit Blick auf den kommenden Gegner.

Die letzte BL-Heimniederlage kassierte der LASK am 20. Mai 2018 – ausgerechnet gegen den WAC (1:3). „Wir wollen natürlich gewinnen, aber nicht, weil wir noch eine Rechnung offen hätten“, sagte Glasner und verwies darauf, dass der zweifache Torschütze von damals, Dominik Frieser mittlerweile ohnehin in seiner Mannschaft spiele. Beim jüngsten 1:0-Erfolg in Hartberg vermisste der Trainer die letzte Konsequenz im Angriff, die erst fünf Tore in der Meisterschaft stören ihn aber weniger. „Wir definieren uns über eine kompakte Defensive, haben letztes Jahr die wenigsten Gegentreffer bekommen. Darauf liegt neben unserer Standardstärke unser Hauptaugenmerk.“

Der WAC war bis jetzt für jeden Gegner lästig und will dies auch gegen den LASK sein. Ilzer kann personell aus dem Vollen schöpfen, schwierig wird es trotzdem. „Wir sind uns bewusst, dass es am Sonntag in Pasching einen herausragenden Tag braucht, um etwas mitzunehmen.“ Unter dem neuen Taktikfuchs soll es für die lange auswärtsschwachen Kärntner in der Fremde besser laufen. „Wir wollen auch auswärts ein anderes Gesicht zeigen als in der Vergangenheit.“ Gelingt dies, könnten die Wolfsberger ihren 100. Auswärtspunkt in der Bundesliga feiern. Derzeit halten sie bei 99.

Dem LASK zollte Ilzer höchsten Respekt: „Sie haben sich kontinuierlich entwickelt, immer mit demselben Trainer. Man merkt schon, dass die Aufstiegssaison voll bestätigt wird. Auch International haben sie überzeugt“, sagte Ilzer und betonte: „Der LASK hat mittlerweile den Anschluss zu den vier Topclubs Salzburg, Rapid, Austria und Sturm geschafft.“

Das Lob ließ Glasner kurz durchpusten. „Das freut mich, wenn das wer sagt. Grundsätzlich sehen wir uns mitten auf dem Weg dorthin. Wir wollen heuer im zweiten Schritt in die Meisterrunde, haben letzes Jahr eigentlich überperformt. Wir gehen unseren Weg der kleinen Schritte weiter.“