Rappelkopf als Wutbürger

Mitterer-Uraufführung bei den Raimundspielen Gutenstein

Johannes Krisch und Anna Rieser, die man auch aus dem Linzer Landestheater kennt.
Johannes Krisch und Anna Rieser, die man auch aus dem Linzer Landestheater kennt. © Joachim Kern

Von Renate Wagner

An sich schätzt man Felix Mitterer als zwar zupackenden, aber auch der Sensibilität fähigen Autor. In dem Auftragswerk für die diesjährigen Raimundspiele Gutenstein, das so freundlich „Brüderlein fein“ heißt, hat er sich um den sensiblen Raimund (der doch immerhin sehr stark war) kaum gekümmert. Sein biografischer Bilderbogen, der Frauengeschichten, Hysterien und Ausbrüche in den Vordergrund stellt, reizt ein Leben einfach auf dessen Exzesse aus — Raimunds grandiose Leistungen als Dramatiker werden kaum angetippt, die waidwunde Seele wird überschrien.

Auf Krach angelegt

Die Schräglage ist enorm, der unglückliche Biedermeier-Verzweifelte wird zum Wutbürger von heute (allerdings ohne politischen Hintergrund), zumal Hauptdarsteller Johannes Krisch es vorzieht, statt dem Gesicht des Ferdinand Raimund die Fratze zu zeigen, die heutzutage die übliche Betrachtungsweise der Vergangenheit darstellt. Schade drum.

Weit mehr auf äußerlichen Krach denn auf innere Überzeugungskraft angelegt, ist die Inszenierung von Nicole Claudia Weber kaum psychologisch, sondern vordringlich effekthascherisch. Das spielt sich in einem reizlosen, minimalistischen Rahmen ab (der nur aus ein paar Wänden und Versatzstücken besteht), womit bewiesen ist, dass die Raimund’sche Fantasie vom Autor bis zu den Interpreten alle verlassen hat.

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