Raritäten authentisch wiedergegeben

„Hampson & Haselböck“ begeisterten im Linzer Brucknerhaus

Thomas Hampsons großartige Stimme konnte sich, begleitet vom Orchester Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck, voll entfalten.
Thomas Hampsons großartige Stimme konnte sich, begleitet vom Orchester Wiener Akademie unter der Leitung von Martin Haselböck, voll entfalten. © R. Winkler

Im Großen Abonnement des Linzer Brucknerhauses gastierten am Dienstag US-Bariton Thomas Hampson und das Orchester Wiener Akademie unter der Leitung seines Gründers Martin Haselböck. Den Auftakt machten „Marsch in d-Moll“ und „Drei Orchesterstücke“, Frühwerke Anton Bruckners, die an spätere Symphonien inhaltlich nicht herankommen, jedoch den Personalstil bereits deutlich erkennen lassen.

Die akkurate Interpretation durch das im Streichersegment schlank besetzte Orchester verlieh den Studienwerken eine bemerkenswerte Intensität. Die Popularität der Schubert’schen Lieder verführte zahlreiche Komponisten, die Klavierstimme für Orchester zu bearbeiten. Diese Transkriptionen fanden in der Fachwelt keine ungeteilte Zustimmung, wenn sie durch Hinzufügungen allzu sehr vom Original abwichen.

Im Brucknerhaus waren zwischen Anton von Weberns kammermusikalisch gehaltenem Lied „Du bist die Ruh“ und dem dramatisch auftrumpfenden „Erlkönig“ von Franz Liszt noch Liedbearbeitungen von Johannes Brahms und Jacques Offenbach zu hören.

Großartige Stimme in voller Entfaltung

Martin Haselböck sorgte dafür, dass im Orchesterpart Transparenz und Durchhörbarkeit gegeben waren und so konnte sich die großartige Baritonstimme Thomas Hampsons voll entfalten.

In Antonin Dvoraks vierter Symphonie sind Einflüsse Richard Wagners unüberhörbar, vor allem im langsamen Satz. Doch der überbordende Einfallsreichtum des Komponisten setzte sich gegen fremde Einflüsse durch. Den für Dvorak typischen Tonfall, der sich in allen vier Sätzen befindet, vermochte die nuancenreiche und leidenschaftlich musizierte Wiedergabe hörbar zu machen. Das Publikum dankte mit ausgiebigem Beifall.

Von Fridolin Dallinger

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