Rasant, witzig, ohne Tiefgang

    Landestheater: Premiere von David Greigs Sozialkomödie „Monster“

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    Vater (Christopher Schulzer) und Tochter (Anna Katharina Fleck)
    Vater (Christopher Schulzer) und Tochter (Anna Katharina Fleck) © Hermann Posch

    Von Philipp Wagenhofer

    Chaotisches und Unkonventionelles zuzulassen, ist ein Leitspruch der britischen Sozialkomödie „Monster“ von David Greig, die ab 13 Jahren empfohlen wird. Samstagabend war — inszeniert von Nele Neitzke — Österreichische Erstaufführung in den Linzer Kammerspielen. Und da ging es wahrlich rund, so rund, dass die Kanten fehlten. Sozialstück auf lustig, okay, aber ganz ohne Tiefgang ist vielleicht eine Spur zu seicht.

    Gleich zu Beginn wird von The Fabulous Duckettes der rasante Rhythmus vorgegeben, wenn sie abwechselnd das Publikum in die Geschichte einführen. Vier Figuren und die Fee der Katastrophe, die im ersten Stock von Ducks einfachem Zuhause (Bühne: Anika Wieners) sitzt und für manch nettes Liedlein sorgt. Das 16-jährige Mädchen Duck schreibt nicht nur an seinem ersten Roman, sondern pflegt seinen an Multipler Sklerose erkrankten Vater. Eine Ducati Monster hat Duck Macatarsney die Mutter genommen. Diese ist mit dem Motorrad aus der Kurve geflogen.

    Dem Leben und der Liebe Raum geben

    Die deutsche Bearbeitung stammt von Barbara Christ, die alle Facetten von David Greigs „The Monster in the Hall“ (Originaltitel) kurzweilig und treffend piefkenesisch unter einen Hut zu bringen versucht. Und Nele Neitzke ist bemüht, das Verwirrspiel mit Humor und Leichtigkeit auf die Bühne zu bringen, dem Leben und der Liebe Raum zu geben. Jugendlichen dürfte bei diesem Tohuwabohu die gewisse Coolness fehlen, die den Figuren gut anstünde. Mit Slapstick und Klamauk lässt sich das nicht vermitteln.

    Die verunfallte Ducati Monster, die im Haus steht, versucht Vater Duke Macatarsney seit Jahren zu restaurieren. Mittlerweile kann er ob seiner langsamen Erblindung nicht mehr weitermachen, das Zittern bei MS hat er per Marihuana halbwegs im Griff. Er raucht, mampft Pizza, hockt nächtelang vor dem Computer und bekämpft andere Monster. Eine norwegische Internet-Kampfgefährtin kommt genau an jenem Tag zu Besuch, an dem sich eine Dame vom Jugendamt angesagt hat. Und dann steht auch noch Ducks Schulfreund Lawrence, in den sie verknallt ist, auf der Matte. Er sei schwul, wolle mit einer Schmuserei in der Öffentlichkeit beweisen, dass er hetero ist.

    Steve Cloos gibt den Schulfreund überzeugend, Anna Katharina Fleck ist als pflegende Jugendliche Duck, die nun allen Müll samt schrägen Figuren verschwinden lässt, etwas gar aufgekratzt, besonders auch als verschossener Teenager. Ihr Vater Duke wird von Christopher Schulzer ein wenig in Richtung Ozzy Osbourne gespielt. Joachim Werner ist Musiker und eine stimmige Fee der Katastrophe, während Karina Pele als Beth, als Internet-Tussi, als Dame vom Jugendamt … exzellent wandlungsfähig ist.

    Ein flotter Versuch.