Raubein mit schönem Rücken

Der Kia ProCeed GT vereint das Beste aus Fünftürer und Kombi – auch wenn der Shooting Brake nicht gerade günstig ist.

Nach dem seit Jahren erhältlichen Fünftürer und dem für Österreich obligatorischen Kombi legt die koreanische Autoschmiede Kia beim Ceed nach: Seit Kurzem ist auch eine Shooting Brake-Variante erhältlich, bei der der sogenannte ProCeed das Beste aus beiden Welten – Fünftürer und Kombi – vereint. Erhältlich ist der ProCeed in zwei Ausstattungslinien, GT-Line und GT. Die wohl spaßigste Kombi ist dabei naturgemäß das 42.190 Euro teure Topmodell, nämlich der GT, dessen 1,6-Liter-Vierzylinder 204 PS bereitstellt und der bereits ab Werk umfangreich ausgestattet ist.

So sind im Cockpit, das konsequent auf den Fahrer zugeschnitten ist, beispielsweise serienmäßig 8-Zoll-Touchscreen, Sitzheizung, Lenkradheizung, USB-Ports, Klimaanlage und kabellose Smartphoneladestation verbaut. Assistenztechnisch wartet der Europäer – entwickelt und gebaut wird der ProCeed auf dem alten Kontinent – ab Werk mit einer umfangreichen Armada auf.

Typenschein

Kia ProCeed GT

Preis: ab € 42.190,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 42.690,- inklusive Metalliclackierung € 500,-; einen Kia ProCeed (1.4 T-GDI GPF ISG) gibt es ab € 33.090,-
NoVA/Steuer: 10 %/ € 1009,44 jährlich
Garantie: 7 Jahre bis max. 150.000 km, 5 Jahre bis max. 150.000 km Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: alle 30.000 km oder alle zwei Jahre

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Turbolader, Partikelfilter, 1591 cm³, 150 kW/204 PS bei 6000 U/min, max. Drehmoment 265 Nm bei 1500 U/min
Getriebe: Siebengangautomatik
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,7 s
Leistungsgewicht: 7,18 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 7,7/5,3/6,2 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 9,1 Liter
CO2-Ausstoß: 142 g/km
NOx: 0,0084 g/km; Euro 6d-TEMP

Eckdaten:
L/B/H: 4605/1800/1437 mm
Radstand: 2650 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1465/1900 kg
Kofferraum: 594-1545 Liter
Tank: 50 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 225/40 R18 92Y auf 18“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/ACC/LKA/RSR/BSD/TPMS
Airbags: 6

Dazu zählen zum Beispiel adaptiver Tempomat, Licht- und Regensensor, Rückfahrkamera, Toter-Winkel-Warner, Spurhalteassistent und Verkehrsschilderkennung. Auf der Optionsliste findet sich eigentlich nur noch die Metalliclackierung – das Preis-Leistungs-Verhältnis geht also mehr als in Ordnung.

Aufgrund der intuitiven Bedienung, der modernen Technik und des weit oben, ideal im Sichtfeld angeordneten Touchscreens kann der ProCeed perfekt punkten. Das unten abgeflachte Lenkrad sowie die roten Kontrastnähte an Sitzen und Lenkrad bringen Dynamik in den Innenraum, der auch groß genug ist, um Langstreckenfahrten für Fondpassagiere nicht zur Tortur werden zu lassen. Die Kopffreiheit könnte naturgemäß auf allen fünf Sitzen größer sein, aber der ProCeed ist halt eine flache Flunder. Wer dennoch glaubt, dass der Shooting Brake nicht alltagstauglich ist, irrt: Die Heckklappe wird beim Topmodell ProCeed GT elektrisch und sensorgesteuert geöffnet. Dahinter verbergen sich 594 Liter Stauraum, die auf bis zu 1545 Liter erweitert werden können.

An der Optik haben die Koreaner viel getüftelt, was man dem Wagen auch ansieht. Das 4605 Millimeter lange Fahrzeug ist von vorne bis hinten durchdacht – an der Front stechen gleich die flachen LED-Scheinwerfer sowie der zierliche Tigernasen-Grill ins Auge, bevor sich die zart geformte Motorhaube sanft erhebt. Das mit 1,44 Metern flachste Fahrzeug der Kompaktklasse lässt sodann seine Dachlinie durch die extrem schräg gestellte Heckscheibe besonders dynamisch nach hinten abfallen. Die C-Säule liegt fast, möchte man meinen. Zu den Seiten hin ist das Heck gerundet und wirkt durch die schmalen Lichter mit horizontaler Verbindung dennoch schlank und abgerundet wird der formschöne und dynamisch wirkende Antritt von serienmäßigen 18er-Alus.

Abstriche muss der ProCeed GT jedoch in Bezug auf sein fahrerisches Talent in Kauf nehmen. 1465 Kilogramm Leergewicht müssen auch einmal bewegt werden und da müht sich der rau klingende Vierzylinder mehr als man glauben mag. Ja schon, es geht schon was weiter – aber der Antritt ist auch im Sportmodus nicht wirklich brachial zumal das Turboloch erkennbar ist, der Motor unter Volllast ganz schön dröhnt und das Zusammenspiel mit der Siebengangautomatik nicht harmoniert. Er ist also kein Sportwagen, sondern ein ausgewogenes Fahrzeug, dessen Stärken in der Traktion, der exakten Spurführung, der angenehm straffen Federung und den gefühlvoll dosierbaren Bremsen liegen. Auch der Verbrauch ist zu hoch: Statt der 6,2 Liter Werksangabe fuhren wir den ProCeed mit gut neun Litern, was bei einer 50-Liter-Tankfüllung also gerade einmal für 450 Kilometer reicht.

Fazit: Optisch kann das Raubein mit schönem Rücken entzücken; ausstattungsmäßig ebenso. Aufholbedarf hat Kia beim stärksten ProCeed GT bei den Fahreigenschaften – zumal der Wagen kein Schnäppchen ist.

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