Regierung eilt den Landwirten zu Hilfe

60 Millionen Euro schweres Hilfspaket geschnürt – Details werden noch verhandelt – Erste Auszahlungen ab Spätherbst

Die Dürre setzte vor allem den Grünlandbauern zu. Der Gesamtschaden wird mit mehr als 300 Millionen Euro beziffert. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger, Ministerin Elisabeth Köstinger und Bauernbund-Präsident Georg Strasser (kl. Bild v. l.) sprechen bei der Hilfstranche von einem Zukunftspaket für die Bauern.
Die Dürre setzte vor allem den Grünlandbauern zu. © Österreichische Hagelversicherung, Koch

Von Oliver Koch

60 Millionen Euro schwer ist das Hilfspaket, das die Bundesregierung für die von der Dürre betroffenen heimischen Landwirte geschnürt hat. Es ist die dritte Bezuschussung für die Bauern im laufenden Jahr, die aufgrund der schwierigen Umweltbedingungen nötig wurde. Bereits im Frühling wurden bei zwei Hilfstranchen neun Mio. Euro vor allem für Ackerbetriebe zur Verfügung gestellt. Das aktuelle wird je zur Hälfte vom Bund und den Ländern finanziert. Es umfasst Direkthilfen, Wiederaufforstungsprogramme sowie höhere Zuschüsse auf Versicherungsprämien. Daher bezeichnete Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger beim agrarpolitischen Herbstauftakt in Wels diese Maßnahmen als „Zukunftspaket“. „Wir wollen damit weg vom Katastrophen- und hin zum Vorsorgeprinzip. Deshalb ist die Erhöhung der Prämienbezuschussung von 50 auf 55 Prozent ein wesentlicher Punkt“, so Köstinger. Diesen Punkt beziffert sie mit elf Millionen Euro.

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Wiederaufforstung

Stark betroffen seien auch Forstbesitzer. „Wir starten daher ein Programm zur Wiederaufforstung, denn der Borkenkäfer hat auch in höheren Lagen die Fichtenbestände regelrecht dahingerafft.“ Daher werden aus dem Topf für die Ländliche Entwicklung 20 Millionen Euro für Sofortmaßnahmen bereitgestellt. Und 20 Millionen Euro sind als Direkthilfe vorgesehen, vor allem für Tierhalter, denen infolge von Vieh-Notverkäufen der Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlage droht.

Große Hoffnungen setzt Köstinger auf klimaresistenteres Saatgut, wie sie zum VOLKSBLATT sagt. Ein entsprechendes Forschungsprojekt sei mit einer Million Euro dotiert „und wenn wir hier Erfolge erzielen, haben wir auch in europäischer Hinsicht die Nase vorne, denn die Entwicklung von neuen Sorten dauert um die zehn Jahre“. Bewässerungssysteme – auch im Grünlandbereich – müsse man sich genau anschauen. Im Ackerbereich werde man diese Entwicklung vermutlich vorantreiben.

Die gesetzliche Grundlage für das Paket – eine Änderung des Katastrophenfondsgesetzes – soll bis November das Parlament passiert haben. Die Zahlungen sollen ab dem Spätherbst fließent.

Österreichs Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger bezeichnete das Maßnahmenbündel als „etwas, was dringend notwendig ist, weil der Schaden ja unweit höher ist“. Und Bauernbund-Präsident Georg Strasser betonte in dem Zusammenhang auf einem Pressegespräch in Wels die Bedeutung der regionalen Lebensmittelerzeugung. „Daher brauchen die Landwirte auch die Unterstützung, denn die Menschen wollen wissen, woher ihre Lebensmittel kommen“, so Strasser.

Auch Oberösterreich zeigt sich solidarisch. Landeshauptmann Thomas Stelzer versprach, dass das Land ob der Enns „seinen Beitrag zur Erhöhung der staatlichen Prämienunterstützung für die Elementarrisikoversicherung und die Tierausfallsversicherung leisten“ werde. Für Agrarlandesrat Max Hiegelsberger unterstützen die Maßnahmen die Bauern „treffsicher in den betroffenen Gebieten“. Nationalratsabgeordneter Manfred Hofinger zeigte sich froh, „dass die Regierung rasch gehandelt und ein ausgewogenes Maßnahmenbündel zusammengestellt hat“.