Regionale Beiträge als „Seele“ der Ars

Ars Electronica bringt Heimisches vom Tanz mit einem Roboterarm bis zur Schlaganfall-Reha

Beim Spiel „Glitch Painter“ entstehen mittels Gehirnströmen verblüffende Bildeffekte.
Beim Spiel „Glitch Painter“ entstehen mittels Gehirnströmen verblüffende Bildeffekte. © virtual office FAB Linz

„Ob nun als Wunderquell für Innovation gefeiert oder als Auslöser katastrophaler Unfälle geächtet, der Fehler, der Irrtum, die Abweichung von der Norm stehen dieses Jahr im Mittelpunkt des Ars Electronica Festivals, das von 6. bis 10. September 2018 in Linz stattfindet.“ So steht es im offiziellen Papier des Festivals für Kunst, Technologie und Gesellschaft geschrieben. Und die Beiträge zu „Error — the Art of Imperfection“ kommen auch aus heimatlichen Gefilden. Eine Menge an Programmpunkten aus Linz und Umgebung sind zu erleben. „Das zeigt, wie stark dieses Festival regional verankert ist. Sie alle sind die Seele des Festivals“, betonte Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer gestern im Zuge der Präsentation regionaler Beiträge im Sky Loft des Ars Electronica Centers (AEC).

Weltpremiere mit Maki Namekawa

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Als Highlight in Sachen Events, Konzerte, Performances gilt die „Große Konzertnacht“ mit dem Bruckner Orchester Linz (BOL) am 9. 9. (18.30 bis 23.30 Uhr) in der Gleishalle der Postcity. Das Ereignis ist im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes 2018 zu genießen. Im Mittelpunkt des ersten Teils steht „The Berlioz Project“: Chefdirigent Markus Poschner und das BOL zelebrieren die „Symphonie fantastique“. Zur Musik tanzt ein inmitten des Orchesters stehender riesiger KUKA-Industrieroboter, der von Johannes Braumann vom Roboterlabor der Linzer Kunstuniversität programmiert wurde. Mit dem drei Tonnen schweren Koloss tanzen Silke Grabinger und ihr Linzer Kollektiv Silk Fluegge. „Wir nähern uns immer weiter an“, sagt sie über die Zusammenarbeit mit dem überdimensionalen Roboterarm. Im zweiten Teil ist der ohrenbetäubende Auftritt von fünf Vibrationsstampfern der Firma Wacker Neuson — The Vibrationeers — geplant.

Bei den lokalen Künstlern sei etwa Anatol Bogendorfer erwähnt, der in seiner Installation „Tonfälle“ Hasspostings in eine akustische Form transferiert und deren Auswirkung thematisiert.

Das Abschlusskonzert verschreibt sich am 10. 9. (19.30 Uhr/Gleishalle Postcity) dem Motto „Piano Music Meets Digital Images“. Zunächst wartet eine Weltpremiere: Maki Namekawa spielt die Klavierfassung von „Mishima“ von Philip Glass. Im zweiten Teil gibt sie mit ihrem Ehemann Dennis Russell Davies vierhändige Pianostücke von Steve Reich, Maurice Ravel und Glass zum Besten (Visualisierungen von Cori O’Lan).

Künstliche Verbindungen für Schlaganfallpatienten

In einen anderen Bereich taucht G.tec medical engineering ein, einer der führenden Player im Bereich Brain-Computer-Interfaces. Die künstlichen Verbindungen zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Computer helfen heute u. a. bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten. Bei „Bugfix the Brain“ kann jeder so eine Therapie in der Postcity ausprobieren.

In der Kategorie Animations & Screenings kann am 6. und 8. 9. (jeweils 17.30 bis 18 Uhr) jeder Teil der „Cooperative Aesthetics — Next Edition“ werden. Im Deep Space 8K des AEC wird der Boden mittels Lasertracking zu einem Interface, auf dem Personen durch ihre Bewegungen die audiovisuelle Erscheinung ihrer Umgebung beeinflussen können. Bestenfalls arbeiten sie dabei zusammen.

An Kinder, Jugendliche und Junggebliebene richtet sich „u19 — create your world“ in der Postcity. Der Kinder- und Jugendbereich der Ars Electronica stellt das Motto „Fehler als Chance“ in den Mittelpunkt und bietet Experimentier-, Spiel- und Bastelstationen. Neu ist die Kooperation mit der diesjährigen Kinderklangwolke (9. 9., 16 Uhr, Donaupark), 20. Ausgabe.

Die Perspektiven politischer Bildung

Fehler stehen im Zentrum des interaktiven Spiels „Glitch Painter“, das mittels Gedanken gesteuert wird und in dem „Fehler“ zu etwas Ästhetischem werden. Weiters locken zahlreiche Ausstellungen, etwa CyberArts — preisgekrönte Medienkunst im OÖ Kulturquartier. Zudem ist erstmals als Festival-Partner das Atelierhaus Salzamt vertreten. Unter den vielen Konferenzen, die man bietet, setzt sich beispielsweise jene der Pädagogischen Hochschule OÖ mit den Perspektiven politischer Bildung auseinander (6. 9., Postcity).

ast

Infos: ars.electronica.art