„Regionalliga besser vermarkten“

OÖFV-Präsident Gerhard Götschhofer im Interview-Teil 2 über Regionalliga & Aufstiegsthematik

Aufstiegsverzichte des OÖ-Liga-Meisters wie durch Weißkirchen/Allhaming (l. Klapf, r. Trainer Olzinger) sollen spätestens ab 2023/24 der Vergangenheit angehören, wie OÖFV-Chef Götschhofer (kl. Bild) betont.
Aufstiegsverzichte des OÖ-Liga-Meisters wie durch Weißkirchen/Allhaming (l. Klapf, r. Trainer Olzinger) sollen spätestens ab 2023/24 der Vergangenheit angehören, wie OÖFV-Chef Götschhofer (kl. Bild) betont. © picturedesk.com/Dostal

Herr Götschhofer, die mögliche Reform der Fußball-Regionalliga ist ein Dauerthema. Eine gemeinsame Liga mit Salzburg als vierte Regionalliga würden viele begrüßen. Wie ist der Stand der Dinge?

Der Plan ist, die Wünsche der Vereine nach weniger übermäßigen Wegstrecken zu berücksichtigen. Aufgrund der geografischen Lage hat ein Großteil sehr weite Wegstrecken, deswegen scheuen die Vereine den Gang in die Regionalliga. Salzburg würde sich anbieten, ich habe aber volles Verständnis für die Steiermark, die damit keine Freude hätte. Man muss auch aufpassen, weil die Regionalliga sonst Gefahr läuft, dass das sportliche Niveau sinkt. Diesem Spagat sind wir ausgesetzt.

Wie geht es nun weiter?

Eine Neuordnung der Regionalliga ist nur mit einem Mehrheitsbeschluss im ÖFB-Präsidium möglich. Das heißt, wir brauchen eine Mehrheit, wollen zugleich aber auch nicht die anderen Verbände aus der eigenen Region vor den Kopf stoßen. Wir wollen mit sachlichen Gesprächen eine Lösung finden. Sollte die Unzufriedenheit bei den eigenen Vereinen zu groß sein, müsste man ausscheren, an ein solches Szenario will ich aber nicht denken.

Gibt es ein Zeitfenster, in dem die Reform fix sein soll?

Viel wichtiger ist, ein Modell zu finden, mit dem die Mehrheit einverstanden ist. Wir haben bis zum Ende der Meisterschaft Zeit, ob wir nun in einem Monat oder in acht Monaten eine Lösung finden, ist daher egal.

Bei aller Kritik gibt es aber auch Gegenbeispiele. Gurten und Vöcklamarkt schaffen es seit Jahren, in der Regionalliga eine gute Rolle zu spielen. Was machen die beiden Klubs besser?

Zunächst einmal Hut ab vor deren Leistungen. Man sieht, dass die Regionalliga, wenn man sie ernsthaft betreiben will, sehr wohl eine interessante Liga ist, in der auf hohem Niveau Fußball gespielt wird. Zudem gehen viele junge Spieler gerne in die Regionalliga, weil sie hoffen, dort in der Auslage zu stehen.

„Vereine lassen sich teils unberechtigt abschrecken“

Ältere Spieler gehen hingegen lieber in die OÖ-Liga, weil sie weniger Aufwand haben. Vielleicht wäre es eine Lösung, den Vereinen die Attraktivität der Regionalliga mehr zu vermitteln.

Warum finden sich nicht mehr Klubs als die genannten?

Manche Vereine lassen sich teilweise unberechtigt abschrecken. Größtes Problem sind weniger die Fahrtkosten, sondern eher die Fahrtzeiten. Der Spielbetrieb muss nicht unbedingt teurer sein als in der OÖ-Liga und der höhere Aufwand sollte gegenüber dem sportlichen Wert verblassen. Vielleicht liegt es aber auch an den Verbänden, das Produkt Regionalliga für die Vereine besser zu vermarkten. Die Zuschauerzahlen in der OÖ-Liga sind nicht so viel höher, dass sie als Argument dienen können.

In der OÖ-Liga wurde nun bei den Bestimmungen noch einmal nachgebessert, ab der Saison 2023/24 kann der Meister einen Aufstiegsverzicht nicht mehr mit fehlender Infrastruktur begründen.

Das war eine Spitzenidee, die dieses Schlupfloch schließen und dokumentieren soll, dass Klubs, die in der höchsten Liga des Bundeslandes spielen, sich zu einer Infrastruktur bekennen sollen, die heute eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

„Habe null Verständnis“

Die Aufsteigersuche in der Vorsaison, bei der sogar der Tabellen-13. der OÖ-Liga gefragt wurde, ob er in die Regionalliga will, gab ein schlechtes Bild ab.

Die Regeln haben es erlaubt. Es war im Interesse der Vereine, um möglichst wenige Absteiger zu haben. Wobei es im Wesen des sportlichen Wettbewerbs ist, dass die Letzten in die untere Klasse gereiht werden. Ich habe daher null Verständnis für Vereine, die sich beschweren, abzusteigen, wenn es nun mal bessere Vereine gegeben hat.

Kann ein solches Szenario auch heuer drohen?

Ja, wenn es wieder jemanden gibt, der vorgibt, nicht aufsteigen zu können. Aber alle, die sich darüber beschweren, sollten eher die Klubs in der eigenen Gruppe anschwärzen, als den Verband, dafür sind nun mal die Mitbewerber entscheidend.

Abschließend: Sie wurden im Vorjahr für vier weitere Jahre im Amt bestätigt. Was wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir, dass wir im Verband noch professioneller werden und uns so weiterentwickeln, dass die nächste Generation nach meiner letzten Amtsperiode einen gut bestellten Verband übernehmen kann.

Das bedeutet, eine erneute Kandidatur ist für Sie kein Thema?

Nein, definitiv nicht.

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