Regionalliga hängt in der Luft

Geduld der Teams wird auf harte Probe gestellt — Unverständnis in der Aufstiegsfrage

Bedingungen für Jubelszenen wie einst in Wels sind nicht nur sportlicher Natur.
Bedingungen für Jubelszenen wie einst in Wels sind nicht nur sportlicher Natur. © Hörmandinger

Die Regionalliga Mitte verabschiedete sich Ende Oktober unfreiwillig in die frühzeitige Winterpause. 13 komplette Runden gingen sich aufgrund des Lockdowns nicht für alle Teams aus und die Nachtragsspiele wären für Ende Februar angesetzt gewesen.

Durch die anhaltenden Corona-Beschränkungen ist an einen Spielbetrieb noch lange nicht zu denken. Aktuell können sich die Mannschaften nur individuell fit halten und auf eine möglichst schnelle Freigabe des Sports hoffen. Das VOLKSBLATT fragte bei den oberösterreichischen Klubs bezüglich ihrer Gemütslage nach.

Bestes OÖ-Team der Liga ist die Union Gurten

Für die Union Gurten, aktuell als Dritter das beste OÖ-Team der Regionalliga Mitte, stellt die Ungewissheit laut Trainer Peter Madritsch eine „Katastrophe“ dar. „Wir bereiten uns individuell im Home-Office vor, da ein Mannschaftstraining nicht möglich ist“, erklärte der Coach. „Es hat sich dennoch eine gewisse Eigendynamik entwickelt und meine Spieler ziehen voll mit“, betonte Madritsch. Sollte es auf den Rasen zurückgehen, gilt es „die beste Platzierung der Vereinsgeschichte sportlich zu verteidigen“, gibt Gurtens Übungsleiter die Marschrichtung vor.

Madritsch geht selber von einer Annullierung der Saison aus. Sein sportlicher Leiter Franz Reisegger ist da etwas optimistischer. „Alle 30 Spiele sind zeitlich natürlich nicht mehr unterzubringen, aber zumindest die Hinrunde könnte sich noch ausgehen“, meinte Reisegger. Besonders stolz ist der sportliche Leiter auf die gute Zusammenarbeit aller Beteiligter in dieser schwierigen Situation. „Nahezu alle Sponsoren sind weiterhin an Bord und auch unsere Fans haben uns mit ihrem Saisonkarten-Kauf enorm unterstützt“, betonte Reisegger.

WSC Hertha hinterfragt die Regularien

Einen Punkt hinter Gurten und zwei Zähler hinter Leader Gleisdorf befindet sich WSC Hertha in Lauerstellung. Die Welser haben um eine Lizenz für die 2. Liga angesucht und wollen aufsteigen. Die aktuelle Situation beschreibt Hertha-Trainer Markus Waldl als „einzige Farce“. Finan-ziell und sportlich befindet man sich mit Teams aus Liga 2 auf Augenhöhe, jedoch ist ein Trainingsbetrieb wie bei den Mannschaften aus den Profi-Ligen nicht erlaubt.

„Die Regionalliga wie eine Amateurliga zu behandeln, ist absolut unverständlich“, sagte Waldl. Die aktuellen Regularien sind aus Gründen der „Fairness und Wettbewerbsverzerrung gründlich zu hinterfragen“, meinte Sportchef Gerald Perzy. „Wir müssen unter die ersten beide Plätze kommen um aufsteigen zu dürfen. Werden wir zum Beispiel nur Dritter und die beiden führenden Teams wollen nicht aufsteigen, wird uns trotz einer Lizenz der Aufstieg verweigert“, so Perzy weiter. Um dieses Szenario zu verhindern, bereiten die Welser gerade einen Antrag für die Paritätische Kommission vor.

Privileg gilt nicht für die Jungen Wikinger Ried

Die Jungen Wikinger Ried befinden sich außerhalb der Abstiegszone auf Rang zwölf. Ein gemeinsames Mannschaftstraining ist trotz der Sondergenehmigung für den Spitzensport nicht gestattet. Dieses Privileg gilt nämlich nur für die Bundesligamannschaft und die Akademien.

„Unser Vorteil ist, dass viele Spieler noch in der Akademie und die Jungprofis in der Kampfmannschaft mittrainieren können“, erklärte Teammanager Tim Entenfellner. „Die Spieler, die nur dem 1b-Kader angehören, trainieren individuell im Home Office“, so Entenfellner weiter.

Von Daniel Gruber

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