„Reha mit Lehár“ verblüfft in Bad Ischl

Welt-Uraufführung eines ungewöhnlichen Kabarett-Abends — Sopranistin Staple sensationell

V. l.: Dominik Maringer, Ilia Staple, Sabine Nova, Hubert Kerschbaumer, Bernhard Krabatsch; vorne: Rainer Nova
V. l.: Dominik Maringer, Ilia Staple, Sabine Nova, Hubert Kerschbaumer, Bernhard Krabatsch; vorne: Rainer Nova © Tom Mesic

Von Ingo Rickl

Franz Lehár, der 48 Sommer in Bad Ischl verbrachte, zuletzt in seiner Villa an der Traun lebte und als Ehrenbürger nach seinem Ableben (24. Oktober 1948) auf dem Stadtfriedhof begraben wurde, kommt heuer beim Lehár-Festival nicht nur mit seinem Operetten-Hit „Das Land des Lächelns“ im Kongress- & TheaterHaus zu Aufführungsehren, sondern auch im Lehár-Theater mit der originellen Welt-Uraufführung von „Reha mit Lehár“. Intendant Thomas Enzinger hat Schauspieler Dominik Maringer und Komponist Rainer Nova motiviert, Lehárs Leben zu durchforsten, ihn mit anderen Komponisten zu konfrontieren, aber auch sein Verhalten im Nationalsozialismus kabarettistisch zu interpretieren.

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Professor Maringer, dargestellt durch Autor Dominik Maringer, ist eine Art mehrbegabter Wissenschaftler und Vorsitzender der ersten Synode der Lehár-Glaubensgemeinschaft. Über der Bühne sehen wir immer wieder das majestetisch anmutende Porträt des jungen Lehár, der auch durch eine kleine Fassung auf dem Bühnenboden omnipräsent ist. Der am Klavier amtierende Komponist Rainer Nova geht in seinen Arrangements durch die Jahrhunderte, wobei neben den prominentesten Operettenkomponisten beispielsweise Mozart und Konkurrent und Antipode Richard Strauss zu Wort kommen.

Auf der Bühne befinden sich sechs Personen: Professor Maringer sowie ein aus Sabine Nova (Violine), Hubert Kerschbaum (Klarinette), Bernhard Krabatsch (Fagott) und Pianist Nova bestehendes, präzise und vielseitig musizierendes Quartett namens CrossNova — Chamber Music Unlimited und die souveräne Sopranistin Ilia Staple. Diese ist tatsächlich eine Sensationsbesetzung. Phänomenal, ja fast übermenschlich wirkt diese zarte, bewegliche Sänger-Darstellerin.

Das eigentliche Wunder des Abends wirkt sich auf die gesamte Stadt Bad Ischl aus. Da nun Lehár in die Rehabilitation eingreift, ist also noch einmal, am 8. August das Lehár-Theater ein durch Musik wirkendes Reha-Institut.

Neben peinlichen sexistischen Momenten gibt’s wenig durchschaubare Operationen an Staples Körper, die damit enden, dass Guru Maringer ihr ein Pflaster verpasst. Der Ausklang ist schön und kitschig: Ein Video-Sonnenuntergang zeigt, untermalt von Staples Lehár-Schlager „Du bist meine Sonne“, eine gelungene Reha bei Lehár.