Reinhard Mey: Das Haus an der Ampel (Universal)

Ein Straßenzug in blaues Licht getaucht, im Auto sitzt Reinhard Mey und wartet, schaut an der Kamera vorbei. „Das Haus an der Ampel“ steht auf dem Cover von Meys neuer CD. Im ersten Song offenbart er, wohin der Blick geht: auf sein Elternhaus.

„Da steht es noch wie vor hundert Jahren, als wir darin lebten, ein bisschen verwittert, ein bisschen verlassen“, das Klingelschild verrostet, es riecht nach Kaffee, im Garten blühen die Geranien und am Kühlschrank kleben Postkarten.

Mey, inzwischen 77, ist auf einem Trip in die Vergangenheit. Auch auf seinem 28. Studioalbum hat er sich seinen melancholischen Grundton bewahrt, den Wunsch nach den einfachen Dingen des Lebens — und eine Dosis Ironie. Doch er ist auch persönlicher geworden, gewährt seinen Zuhörern in einigen der 16 Songs einen Blick auf seine intimeren Seiten. „In Wien“ etwa erzählt er vom Beginn seiner Karriere.

Neben den aufwendigen Studioaufnahmen liegt der Neuproduktion eine zweite CD bei, die er „Skizzenbuch“ nennt. Es sind die Entwürfe zu den 16 Songs, aufgenommen in der Dichterstube, „unplugged“ zur Gitarre. Gemeinsam mit seiner Tochter Victoria-Luise stimmt Mey in einem Bonus-Duett den Folk-Song um ein rotes Haarband „Scarlet Ribbons“ an, das einst Harry Belafonte berühmt machte. Ja, die Stimme ist älter geworden, die Melodien fließen immer noch Melodien geschmeidig.

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