Reise durchs Comicland

Bunte Vielfalt am Nextcomic-Festival: Von Nick Cave bis Batman

Reinhard Kleists stilvolle Graphic Novel-Ausstellung „Nick Cave – Mercy on me“ ist eines der Highlights des diesjährigen Nextcomic-Festivals im Linzer U-Hof.
Reinhard Kleists stilvolle Graphic Novel-Ausstellung „Nick Cave – Mercy on me“ ist eines der Highlights des diesjährigen Nextcomic-Festivals im Linzer U-Hof. © Katharina Acht

Von Andreas Huber

Seit knapp einer Woche läuft Österreichs einziges Comicfestival Nextcomic nun bereits schon in Linz, Traun, Steyr und Steyrermühl. Die zehnjährige Jubiläumsausgabe, die noch bis einschließlich kommenden Samstag zu sehen ist, wird – so wie im vergangenen Jahr – von der Fotokünstlerin Katharina Acht kuratiert. Sie nahm sich gestern die Zeit und führte das VOLKSBLATT durch die Ausstellungsräume im Linzer Ursulinenhof. Das Festival zeigt Graphic Novels, Kinder- und Kunstcomics als auch Artverwandtes wie Graffiti, Illustrationen, Cartoons und Animationsfilme auf drei Ebenen. Das diesjährige Thema „next stop linz“ beschäftigt sich mit dem Reisen; ob unfreiwillig oder freiwillig, ob zu sich selbst oder zu fremden Orten ist oft mehrdeutig in den einzelnen Kunstwerken verborgen und verwoben bzw. erschließt sich erst nach einem längeren Verweilen. Im zweiten Stock begegnet man etwa unübersehbar „Lila“, der Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich aufmacht, um das Weltall zu erkunden. Zeichner Albert Mitringer widmet seinem Comic, das ganz auf Text verzichtet, stilvoll protzig eine ganze Wand.

Sheree Domingo und die verdorrte Zimmerpflanze

Die größte eigene Spielwiese bekam aber die in Berlin lebende Comiczeichnerin Sheree Domingo: Sie zeigt als Artist in Residence Werke von ihrem Linz-Aufenthalt. Vor allem das Thema Pflanzen hat es ihr angetan; immer wieder greift Domingo ihre Unfähigkeit zur Erhaltung dieser in ihren Werken auf: „Sehnsuchtsräume der Natur in der Stadt“, wie es Kuratorin Acht während des Rundgangs schmunzelnd beschreibt. Eine verdorrte Zimmerpflanze steht dabei auch im Raum und zwar vor einer riesigen Wandmalerei, die stark an ein klassisches Gmundner Keramik-Motiv erinnert. Ebenso aufregend ist eine martialisch aussehende Skulptur gleich daneben: „Nido“ (Odin rückwärts) soll einen Menschen darstellen, der mit allerhand Schutzvorrichtungen zugepanzert ist. Andreas und Martin Egger haben mit dieser Figur und ihrem offensichtlichen Bedürfnis nach Schutz wohl auch etwas zu sagen. Gänzlich anders, aber nicht minder originell ist die Auseinandersetzung der Kunstfigur „Bruce Pain“ mit seiner Antithese zum Superhelden Batman. Verrückt, aber irgendwie passend für ein Comicfestival. Immerhin war und ist Batman für viele Comicliebhaber „die“ Einstiegsdroge schlechthin.

Ein großes Highlight des Festivals ist sicherlich Reinhard Kleist, der mit einer Comicbiografie über den Allroundkünstler und Musiker Nick Cave ins Staunen versetzt. Im ersten Stock findet man die äußerst elegant designte Galerie „Nick Cave – Mercy on me“ mit Originalen aus dem Artbook und dem Graphic Novel. Im lockeren Gespräch beim Rundgang entpuppt sich Kuratorin Acht als Kleist-Fan: „Diese harte Strichführung bei seinen ausgestellten Schwarz-Weiß-Werken begeistert mich.“

Fotoserie beleuchtet Mikrokosmos des Reisens

Wie differenziert die Ausstellungsteile im U-Hof gestaltet sind, zeigt die Installation von Claus Schindler und Horst Küblböck-Lausegger: Die Fotografen berichten in einer kunstvoll bearbeiteten Fotoserie von einem Obdachlosen bei seiner Reise durch Linz. Daneben steht eine Parkbank mit Schlafsack, zusammengedrückten Bierdosen, Wein im Tetra Pak und ein Plastiksackerl als „Koffer“. Das Thema Reise ist mannigfaltig, in der Tat. Die personifizierten Gräben in der Gesellschaft, sie treten manchmal erst bei einem Gang durch eine Kunstausstellung richtig hervor. Wenn sie neben dir am (ebenso auf den Fotos abgebildeten) Würstelstand am Taubenmarkt stehen, nimmt man sie hingegen gar nicht mehr so richtig wahr.