Reisen trotz Krebserkrankung

Während viele Menschen im Zuge ihrer Krebstherapie vor allem Ruhe suchen, möchten andere trotz – oder gerade wegen – ihrer Erkrankung auf das Reisen nicht verzichten. Offizielle Empfehlungen gibt es mangels Studien kaum. Es hängt stark von der Therapie, der Tumorart und der Frage ab, ob sich die Krebserkrankung in einem kontrollierten oder in einem nicht kontrollierten Stadium befindet.

Eine Fernreise eines Palliativpatienten, die als letzter großer Wunsch geäußert wird, muss anders bewertet werden als eine Reise, die „nur“ einen Erholungszweck hat. Zudem gibt es keine offiziellen Empfehlungen sondern nur Erfahrungswerte. „Wichtig ist vor allem, dass am Urlaubsort eine akzeptable Hygienesituation sowie eine zeitnahe medizinische Notfallversorgung gewährleistet werden. Der Patient sollte im Idealfall in einer Stunde ein größeres, auf dem Gebiet der Onkologie bewandertes Krankenhaus erreichen können“, sagt Onkologe Clemens Dormann vom Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Bei westeuropäischen Ländern darf das vorausgesetzt werden.

Es gibt aber mehrere sehr individuelle Nebenwirkungen und Risikofaktoren der Krebstherapie, die eine gewisse Vorsicht bei Reisen notwendig machen. Patienten sollten deshalb bei Fernreisen den Arztbrief mitnehmen und wenn möglich auch auf Englisch übersetzen lassen. Hier ist es sinnvoll, beispielsweise über das Außenministerium, Kontakte zu medizinischen Einrichtungen, die dem europäischen Standard entsprechen, im Vorfeld in Erfahrung zu bringen. Ob ein Krebspatient verreisen kann, hängt stark von der Therapie, der Tumorart und dem Stadium ab. Eine Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen sollte rechtzeitig erfolgen.

Mögliche Nebenwirkungen

Das Risiko einer Abnahme der Zahl der weißen Blutkörperchen sollte immer berücksichtigt werden. Sie tritt meist acht bis zwölf Tage nach Ende der Chemotherapie auf, in manchen Fällen erst vier bis sechs Wochen, bei einigen Substanzen sogar noch Monate nach Therapieende.

Nebenwirkungen der Immuntherapie (u. a. Darm- oder Lungenerkrankungen) erfordern eine korrekte Diagnose und dürfen nicht mit klassischen Reiseerkrankungen wie Reisedurchfall oder leichten Atemwegsinfekten verwechselt werden.

Krebspatienten brauchen eine medizinische Flugfreigabe durch den Flugarzt. Manche Patienten benötigen Medikamente mit Substanzen, die in bestimmten Reisedestinationen verboten sind, wie etwa Opiate. Um sich vor Problemen vor allem bei Flugreisen abzusichern, sollte eine ärztliche Bestätigung über die besagten Präparate ausgestellt und mitgeführt werden.

Lebendimpfstoffe (etwa gegen Gelbfieber) sind bei einer immunsuppressiven Therapie strengstens verboten. Bei Totwirkstoffen, die während einer Chemotherapie verabreicht werden, bestehen Unsicherheiten hinsichtlich des Impfschutzes.

Krebspatienten haben ein erhöhtes Thromboserisiko. Die Abwägung des individuellen Thrombose- und Blutungsrisikos ist komplex, es sollte daher mit dem behandelnden Onkologen Rücksprache gehalten werden.

Krebspatienten sollten auf Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung (Hut, T-Shirt, etc.) achten und den höchsten Sonnenschutzfaktor wählen.

Wie ist Ihre Meinung?