Rekordzahl an Corona-Toten innerhalb eines Tages in Russland

In Russland sind innerhalb eines Tages so viele Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben wie noch nie seit Beginn der Pandemie. 232 Todesfälle seien seit Donnerstag gemeldet worden, teilten die Behörden am Freitag in Moskau mit. Zuvor war diese Zahl immer deutlich unter der Marke von 200 gelegen. Damit gibt es im Land insgesamt 4.374 Tote im Zusammenhang mit Sars-CoV-2.

Das ist vergleichsweise wenig. In den USA sind es mehr als 101.000 Todesopfer. In Russland gab es vielfach Medienberichte über angeblich geschönte Statistiken. Die Behörden weisen das vehement zurück. Experten der Hauptstadt Moskau untersuchten vor diesem Hintergrund noch einmal die Todesfälle im April und korrigierten die Zahlen leicht nach oben. So seien etwa 756 Verstorbene positiv auf das Virus getestet worden, zum Tod hätten aber “andere Ursachen” geführt. Zunächst war von rund 600 Corona-Toten im April gesprochen worden.

Landesweit haben sich bereits mehr als 387.600 Menschen infiziert – 159.300 gelten als genesen. In Moskau soll es von Montag an nach zwei Monaten strenger Ausgangssperren größere Lockerungen geben. Jeder Einwohner darf demnach in den Morgenstunden Sport an der frischen Luft treiben und dreimal pro Woche spazieren gehen.

In einer Erklärung warnte das russische Außenministerium die Bürger des Landes angesichts der Coronavirus-Pandemie vor “übereilten Plänen” bei Auslandsreisen. Zuvor hatte Russlands Premierminister Michail Mischustin am Montag den Russen einen Urlaub im eigenen Land nahegelegt. “Es ist einstweilen zu früh, über konkrete Fristen bei Grenzöffnungen für Russen in beliebten europäischen Tourismusdestinationen zu sprechen”, betonte das Ministerium. In der Europäischen Union sei bei einer günstigen Entwicklung zwar mit einer wechselseitigen Grenzöffnung unter Mitgliedsstaaten im Juni und Juli zu rechnen. Eine Entscheidung zur Öffnung der EU-Außengrenzen werde wahrscheinlich erst danach getroffen werden, hieß es in der Erklärung.

Unterdessen ist die Lombardei, die von der Coronavirus-Pandemie am stärksten betroffene Region, mit dem Vorwurf konfrontiert, mit Zahlen zu den Covid-19-Todesopfern und Infektionsfällen wenig transparent umgegangen zu sein. Der Verdacht wurde von der lombardischen Behörden vehement bestritten.

Für Aufsehen sorgte das wissenschaftliche Institut GIMBE, das der Region Lombardei vorwarf, Zahlen der Covid-19-Infizierten auf nicht korrekte Weise veröffentlicht zu haben. “In der Lombardei haben sich in den letzten drei Monaten zu viele komische Dinge abgespielt”, betonte GIMBE-Präsident Nino Cartabellotta.

Aus dem Spital entlassene Patienten seien als geheilt gemeldet worden. Hinzu sei es zu erheblichen Verspätungen bei der Mitteilung der Zahlen der Todesopfer und Neuinfizierten gekommen. “Diese Verspätungen waren vielleicht in der akutesten Phase des Notstands gerechtfertigt, nicht jetzt. Es ist, als ob es das Bedürfnis bestünde, die Zahl der diagnostizierten Fälle unter Kontrolle zu halten”, so Cartabellotta im Interview mit “Radio 24”.

Das Institut bemängelte eine immer noch hohe Zahl von Infizierten in drei norditalienischen Regionen – Lombardei, Ligurien und Piemont – und warnte daher vor einer Wiedereinführung der Reisefreiheit ab kommender Woche, wie sie die Regierung in Rom plant. Die Regionalbehörden der Lombardei verklagten das Institut auf Verleumdung. Die Region sei stets mit größter Transparenz mit den Zahlen der Infizierten umgegangen.

Die Lombardei ist schon seit Wochen mit dem Vorwurf konfrontiert, auf ineffiziente Weise mit dem Coronavirus-Notstand umgegangen zu sein, der in der Region fast 16.000 Todesopfer verursacht hat. Die Regionalbehörden werden unter anderem beschuldigt, die Covid-19-Gefahr in den Seniorenheimen unterschätzt zu haben. Wegen dieses Verdachts laufen Justizermittlungen.

Wie ist Ihre Meinung?