Rettungsaktion für prähistorischen Bergbau in Hallstatt

Im prähistorischen Bergbau in Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut läuft jetzt eine großangelegte Rettungsaktion für den Erhalt von 16 Fundstellen an. Die Arbeiten dauern bis 2025 und kosten rund 1,9 Millionen Euro. Das kündigte das Naturhistorische Museum, dessen Archäologen das Projekt wissenschaftlich begleiten, in einer Presseaussendung an.

Seit der Steinzeit und bis heute wird in Hallstatt das „weiße Gold“ abgebaut. So hat sich eine weltweit einzigartige Kultur- und Industrielandschaft und um 700 vor Christus die vermutlich reichste Gemeinschaft Mitteleuropas entwickelt, die halb Europa mit Salz versorgt hat. Eine ganze Kulturepoche, die Hallstattzeit, wurde nach dem Ort im Salzkammergut benannt.

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Die prähistorischen Fundstellen sind wichtiger Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Denn während ansonsten aus dieser Zeit nur Keramik, Stein oder Glas erhalten ist, hat der Salzbergbau mit seinen besonderen Bedingungen auch dort verlorene oder zurückgelassene Gegenstände aus organischen Materialien wie Holz, Fell, Leder und Textil konserviert. So sind Rucksäcke, Handschuhe, Fellkappen, Kleidungsteile und Hunderte Seile gefunden worden. Auch die älteste Holzstiege Europas ist im Salzberg entdeckt worden. Die tausenden Funde und archäologischen Befunde erlauben einmalige Einblicke in prähistorische Lebens- und Arbeitswelten, wie sie sonst in Europa nicht möglich sind. Hallstatt ist damit ein Schlüsselfundort für das Verständnis und die Erforschung der Vergangenheit.

Doch das alles ist gefährdet: Denn der Salzberg besteht aus Salz, Ton und Gips. Das Gebirge ist in Bewegung – etwa einen Zentimeter pro Jahr – und in der Lage, von Menschenhand gemachte Hohlräume in wenigen Jahrzehnten wieder zu schließen. Die aktuell bekannten Fundstellen wurden nur zufällig – durch die Bergwerkstätigkeit in den vergangenen Jahrhunderten – entdeckt. Werden die Stollen dorthin nicht mehr genützt und erfolgen keine regelmäßigen Erhaltungsarbeiten, wachsen sie zu oder verfallen und sind nicht mehr zugänglich. Sie befinden sich in einer Tiefe von 50 bis 100 Metern. Für den aktuellen Salzbergbau werden sie nicht mehr benötigt, dieser erfolgt in Tiefen von bis zu 300 Metern.

Deshalb läuft nach einem erfolgreichen Pilotprojekt im vergangenen Winter jetzt die Rettungsaktion an. Aus 88 Fundstellen wurden 16 besonders wissenschaftlich repräsentative für die Sanierungsarbeiten ausgesucht. Darunter befinden sich eine von den prähistorischen Bergleuten herausgehauene 200 Meter lange und 20 Meter hohe Kammer und ein Schacht mit einem Durchmesser von zehn Metern. Jedes Jahr sollen ein bis drei Fundstellen neu gepölzt – mit Stützen verstärkt – werden. Dann sind sie für die kommenden Jahrzehnte gerettet, die nahtlose Fortsetzung der seit Jahrzehnten andauernden Forschung ist damit gesichert, schildert der zuständige Prähistoriker des Naturhistorischen Museums in Wien, Hans Reschreiter. Das Museum begleitet das Projekt in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Das Bundeskanzleramt und das Land Oberösterreich finanzieren, die Salinen Austria führen die Arbeiten aus.

Am kommenden Wochenende gewähren das Museum und die Salzwelten Hallstatt Einblicke in die Welt der prähistorischen Bergleute mit der inzwischen schon zur Tradition gewordenen Veranstaltung „Archäologie am Berg“. Sie stellen dabei auch die 16 zu sanierenden Fundstellen vor und erläutern, warum sie für das Erhaltungsprojekt ausgewählt wurden.

(S E R V I C E – „Archäologie am Berg“ am 18. und 19. August auf dem Salzberg in Hallstatt. Die Teilnahme ist kostenlos, zu bezahlen ist die Auffahrt mit der Salzbergbahn. Infos und Online-Tickets: )