Ried-Boss hofft auf Sinneswandel

Zweitliga-Konkurrenz lehnt die Fortsetzung mit Geisterspielen ab

Völlig konträrer Ansicht bezüglich Fortsetzung mit Geisterspielen: Rieds-Finanzboss Roland Daxl (r.) und Blau-Weiß-Linz-Geschäftsführer Stefan Reiter (l.).

„Nicht Fußball spielen, das heißt den Vereinszweck nicht zu erfüllen“, findet mit Roland Daxl der Finanzboss von Fußball-Zweitligist SV Guntamatic Ried klare Worte.

Er hofft, dass nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in der zweithöchsten österreichschen Liga die Entscheidung doch noch auf dem grünen Rasen fällt und hat dafür einige gute Argumente, wohl wissend, dass „die Umstände schwierig sind“. Deshalb gelte es jetzt „zu evaluieren, ob und wie man das bewerkstelligen kann“, so Daxl im Gespräch mit dem VOLKSBLATT.

Nun beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe damit, einen konkreten Plan auszuarbeiten. „Dann hoffe ich doch, dass es in der 2. Liga bei einigen Klubs ein Umdenken kommt“, so Daxl. In den ersten Reaktionen hatte ja der Mehrheit der Klubs eher ablehnend auf eine Fortsetzung reagiert. Dem hält Daxl mehrere Überlegungen entgegen:

„Ich glaube nicht, dass wir im September die Stehplätze füllen dürfen, deswegen müssen wir uns mit den Maßnahmen für Geisterspiele sowieso auseinandersetzen. Das machen wir besser gleich als in drei Monaten.“

„Werden Kurzarbeit kaum argumentieren können“

Gleiches gilt als Folge dessen auch für die Finanzierung: „Die ist ganz klar ein Knackpunkt, auch mit der Frage werden wir uns im Hinblick auf die nächste Saison aber sowieso beschäftigen müssen“, betonte Daxl.

Ferner meinte er: „Wir haben das Go von der Bundesliga bekommen, deshalb werden wir schwer Kurzarbeit in vollem Ausmaß argumentieren können, wenn es wirklich möglich ist.“

Dabei ist Ried der Klub mit dem zweitgrößten Zuschauerschnitt. Soll heißen: „Die Vereine, die Geisterspiele am meisten treffen, heißen GAK und Ried.“

Dazu kommt als Tabellenführer natürlich auch das Eigeninteresse: „Wir sind der Mannschaft, den Mitarbeitern, Fans, Sponsoren und Partnern verpflichtet, alles zu unternehmen, um aufzusteigen“, betonte Daxl.

„Dann zerbröselt es fast alle Klubs der 2. Liga“

Ganz anders wird das bei Vorwärts Steyr und FC Blau Weiß Linz gesehen. „Bei einem Abbruch hätten wir zumindest vorerst Planungssicherheit. Geisterspiele sind der ‘Worst case’“, erklärte Steyr-Manager Jürgen Tröscher, weil der Betrieb ohne Zuschauer für einen Verein wie Steyr eben nicht finanzierbar wäre. Außerdem stellt sich (wohl nicht nur für ihn) die Frage: „Was ist, wenn es einen positiven Corona-Fall gibt?“

Noch drastischer formulierte es Stefan Reiter: „Bringen wir die Saison mit Geisterspielen zu Ende, zerbröselt es fast alle Klubs“, verweist auch der Geschäftsführer der Linzer auf die Auswirkungen von Spielen ohne Zuschauer. „Bei Geisterspielen gibt es keine zusätzlichen Einnahmen, aber mehr Ausgaben“ sagt Reiter und meint die Spieler, die dann aus der Kurzarbeit zurückkommen sowie den „großen Brocken der notwendigen Tests“. Bei den Juniors OÖ will man sich vor der vielleicht entscheidenden Klubkonferenz am Freitag offiziell nicht festlegen.

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