Ringen um Anerkennung

Stifterhaus widmet sich dem Linzer Schriftsteller Karl Wiesinger

V. l.: Ausstellungsgestalter Thomas Pauli und die Kuratoren Georg Hofer und Helmut Neundlinger
V. l.: Ausstellungsgestalter Thomas Pauli und die Kuratoren Georg Hofer und Helmut Neundlinger © Land OÖ/Kraml

Einem wenig bekannten heimischen Autor widmet sich das Linzer Stifterhaus in seiner aktuellen Ausstellung (bis 28. Mai 2020): Das schriftstellerische Leben von Karl Wiesinger (1923-1991) war geprägt vom Ringen um Anerkennung.

Mit dem literarischen Werk und seinem Tagebuch hinterließ der Autor aber nicht nur seine vom Kommunismus geprägte Sicht des Weltgeschehens, sondern auch ein interessantes Bild von der Linzer Kulturszene in den 1950er- und 1960er-Jahren. Unterschiedliche Aspekte, die die Kuratoren Georg Hofer und Helmut Neundlinger in ihrer Schau „Vorwärts, Genossen, es geht überall zurück“ im Stifterhaus auf interessante Art und Weise zu einem Ganzen zusammenführen.

„Wir haben auch Verantwortung für jene in der oö. Literatur, die nicht im Kanon vorkommen und am Rande des Vergessenwerdens stehen“, erklärte Stifterhaus-Chefin Petra-Maria Dallinger bei der Präsentation, warum die Wahl auf Wiesinger gefallen ist. Dessen Literatur sei zudem eng mit der Zeitgeschichte verwoben. Der Teilnachlass des Linzer Autors befindet sich seit 2012 im Besitz des Stifterhauses.

Geboren 1923 in Linz, wuchs Karl Wiesinger als Dentistensohn in bürgerlichen Verhältnissen auf. Seine politische Prägung fing in der Schule an. Wiesinger besuchte in Bad Goisern gemeinsam mit dem damals schon kommunistisch gesonnenen späteren Schriftsteller Franz Kain das Stephaneum. Eine Freundschaft, die das ganze Leben lang währen sollte.

Aktiv als Kommunist und in der Linzer Kunstszene

Im Zweiten Weltkrieg brachten Wiesinger Sabotageakte zweimal Verhaftungen ein. In der Haft zog er sich eine schwere Lungenkrankheit zu. Die dauerhaften gesundheitlichen Schäden, die er davontrug, zwangen ihn dann auch, 1960 das Geschäft, das er von seinem Vater übernommen hatte, endgültig zu schließen. Sein Arbeitsplatz wurde die Schreibmaschine — mit mehr oder weniger großem Erfolg. Und Wiesinger war sehr aktiv in der Linzer Kulturszene. Er gründete das Linzer Kellertheater mit, das damals junge zeitgenössische Dramatiker aufführte, und hatte auch regen Kontakt mit bildenden Künstlern.

In drei Ebenen kann man in der interessanten Ausstellung in die Lebensgeschichte des Schriftstellers und seine Zeit eintauchen: Da sind zum einen Zitate an den Wänden, die vorwiegend aus Wiesingers Tagebuch stammen. Eine zweite Ebene bilden jeweils gleich darunter erklärende Kommentare, eine dritte Materialien aus dem Nachlass des Autors: Plakate, Texte, Fotos oder Zeitungsartikel, die er gesammelt hat.

Von Wiesinger erschienen Theaterstücke, Hörspiele und Romane, darunter „Achtunddreißig“ über das Anschlussjahr, „Standrecht“ rund um das Bürgerkriegsjahr 1934, „Der rosarote Strassenterror“, der den Oktorberstreik 1950 thematisiert und zuletzt der Kriminalroman „Der Wolf“, der in der Nazizeit spielt. Seine kommunistische Gesinnung, die mit zunehmendem Alter radikaler wurde, führte wohl mit dazu, dass heimische Verlage ihn nicht druckten und Kritiker ihn ignorierten. In einer Schreib- und Schaffenskrise arbeitete Wiesinger in den 1960ern eine Zeit lang dann unter einem Pseudonym und das mit beachtlichem Erfolg: Er erfand dafür den schreibenden Jungbauern Max Maetzke und schrieb einen „Bauernroman“ (1972). Nach mehrmaligem Ein- und Austreten in und aus der Kommunistischen Partei kehrte Wiesinger 1989 den Genossen endgültig den Rücken.

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