Risiko-Profil: Jünger, ungeimpft und viele Sozialkontakte

Längere Verweildauer der Corona-Intensiv-Patienten – Auch langsamer Anstieg führt zu Überlastung des Spitalspersonals

Lungen-Primar Bernd Lamprecht
Lungen-Primar Bernd Lamprecht © ÄKOÖ

41 Corona-Patienten – 37 davon nicht geimpft – werden derzeit in oö. Spitälern intensivmedizinisch betreut, viele von ihnen sind unter 60 Jahre alt. Dass sie zwei, drei Wochen auf der Intensivstation verweilen, ist keine Seltenheit.

Erst am Sonntag hat – wie berichtet – ein 18-Jähriger nach fünf Wochen an einer Beatmungsmaschine im Linzer Kepler Uniklinikum (KUK) den Kampf um sein Leben verloren. Der junge Mann war fettleibig und nicht gegen SARS-CoV-2 geimpft. Aktuell werden im KUK acht Patienten zwischen 42 und 74 Jahren auf der Intensivstation und zwanzig auf einer Normalstation betreut.

„Die Patienten, die derzeit in den Intensivabteilungen liegen, sind jünger als in den vorhergehenden Wellen“, sagt Lungen-Primar Bernd Lamprecht im VOLKSBLATT-Gespräch: „Weil es bei den Älteren schon deutlich höhere Durchimpfungsraten gibt und die jüngeren zudem mehr Sozialkontakte und damit mehr Ansteckungsrisiko haben.“

Vereinzelt komme es vor, dass jemand trotz Immunisierung im Spital behandelt werden muss, aber dann liege meist eine Vorerkrankung wie Fettleibigkeit oder eine Tumorerkrankung vor. Personen, die aufgrund einer anderen Erkrankung eine Behandlung mit Immunsuppressiva bekommen, sollten trotz Impfung die bekannten Schutzmaßnahmen – Abstand halten, Handhygiene und Mundschutz tragen – einhalten und ihre Sozialkontakte reduzieren, rät der Covid-19-Experte.

Höhere Viruslast führt zu rascher Verschlechterung

„Denn eines zeigt sich deutlich, die derzeit grassierende Delta-Variante erzeugt eine höhere Viruslast, was zu einer rascheren Verschlechterung des Gesundheitszustandes beim Infizierten führt, gleichzeitig hat die Variante mehr Potenzial, andere anzustecken“, erläutert Lamprecht.

Dass derzeit die Zahl der Neuinfektionen aktuell wieder etwas rückläufig ist, erklären sich die Experten damit, dass die Fälle im Zusammenhang mit einer Urlaubsreise „verdaut“ sein dürften und das intensive Testen in den Schulen zu einem raschen Unterbrechen der Infektionsketten führt.

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Lungen-Primar Lamprecht tritt daher dafür ein, die Schultests zumindest einmal – besser – mehrmals pro Woche weiter zu führen.

Aber auch wenn die Kurve der Corona-Neuinfektionen derzeit nicht mehr so rasant steigt wie in den Wochen davor, kann auch eine leichte Steigerungsrate auf den Intensivstationen wegen der längeren Verweildauer der CoV-Patienten zur Extrembelastung für das Spitalspersonal werden.

Von Michaela Ecklbauer

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