RLB-General Schaller steht zu Filialen in den Regionen

Raiffeisenlandesbank-General Schaller über Corona, nachhaltige Anlageformen und das dichte Filialnetz vor Ort

RLB

Über gute Impfquoten innerhalb seiner Belegschaft und Lehren aus der Corona-Krise spricht Heinrich Schaller, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ, ebenso wie über nachhaltige und sichere Investments, die nach wie vor vorhandene Bedeutung des Sparbuchs sowie über das dichte Raiffeisen-Filialnetz.

VOLKSBLATT: Hat Corona das Bankgeschäft verändert?

SCHALLER: Ja. Wir sind deutlich digitaler geworden. Home-Office war etwa vor der Corona-Krise nicht so verbreitet. Wir haben im ersten Lockdown sehr, sehr rasch umgestellt, es waren innerhalb von drei Tagen nur noch ungefähr 15 Prozent der Belegschaft in den Büros. Es war wirklich erfreulich, wie gut das funktioniert hat. Da wird uns noch einiges begleiten. Künftig werden Mitarbeiter ein, maximal zwei Tage pro Woche im Home-Office sein.

Wie geht man bei der RLB mit dem Thema Impfen um?

Wir haben eine Umfrage im Haus durchgeführt, die uns sehr gefreut hat. Wir haben eine Quote von 83 Prozent an voll Geimpften, Genesenen und Personen, die einen gültigen Antikörpertest vorlegen können. Die Geimpften allein machen einen Wert von 76,3 Prozent aus. Einen solchen Wert hätte man gern in ganz Österreich. Wir haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon gebeten, sich zu überlegen, ob sie nicht impfen gehen wollen.

Es wird eine allgemeine 3G-Regel in Betrieben diskutiert. Wie stehen Sie dazu?

Durchaus positiv, weil die Sicherheit für alle vorgeht. Wir werden die 3G-Regel im Haus auch stichprobenartig überprüfen.

Eine weiteres wichtiges gesellschaftliches Thema ist jenes der Nachhaltigkeit. Welchen Stellenwert hat das bei Veranlagungen?

Das Thema hat schon lange einen wichtigen Stellenwert. Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden über unsere Kepler KAG seit Langem nachhaltige Veranlagungen an. Die werden sehr positiv angenommen und wir haben dort auch gewaltige Steigerungsraten. Das Volumen der nachhaltigen Veranlagungen beträgt 2,73 Mrd. von insgesamt 18 Mrd. Euro. Das hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre verdoppelt.

Und in der Bank selbst?

Auch als Bank verhalten wir uns natürlich nachhaltig. Wir haben etwa nur grünen Strom im Haus, Ladestationen für Hybridfahrzeuge, auch viele unserer Dienstautos sind Hybridfahrzeuge und wir haben auch Bienenstöcke auf unseren Dächern.

Die rechtlichen Vorschriften werden vorsehen, dass Nachhaltigkeitskriterien auch ins Kundenrating einfließen. Begrüßen Sie das?

Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass wir bei unseren Firmenkunden darauf achten werden müssen, dass Nachhaltigkeitskriterien eingehalten werden. Das wird kommen und wir werden da von der Regulierung und von der Aufsicht sehr, sehr stark in die Pflicht genommen. Allerdings fürchte ich, dass da übertrieben und den Banken eine fast polizeiliche Aufgabe übertragen wird. Und dass Banken wie die Polizei agieren sollen, ist nicht einzusehen.

Könnten sich dann künftig Kredite für Firmenkunden verteuern?

Theoretisch könnte das so sein, wenn es von der Politik so vorgeschrieben wird.

Das Sparbuch ist nach wie vor der Österreicher liebstes Bankprodukt. Hat es in Zeiten niedrigster Zinsen noch eine Berechtigung?

Ja, absolut. Das Sparbuch ist eine eiserne Reserve, ist rasch verfügbares Geld. Aber das allein soll es nicht sein.

Welche Anlageformen sind zukunftsweisend?

Wir beraten unsere Kundinnen und Kunden dahingehend, dass es sehr viel Sinn macht, in Wertpapiere zu investieren und auf diese Weise anzusparen, insbesondere über die Fonds-Schiene. Das wird auch bei Privatkunden stark nachgefragt. Denn wenn man längerfristig denkt, macht das auch Sinn.

Die RLB OÖ hat eine ausgezeichnete Halbjahresbilanz gelegt. Wie geht es im zweiten Halbjahr?

Es läuft im Moment so weiter wie im ersten Halbjahr. Das ist eine sehr, sehr erfreuliche Entwicklung. Das Risiko hält sich nach wie vor extrem in Grenzen. Daher glauben wir, dass wir heuer ein wirklich gutes Ergebnis zustande bringen. Auf Dauer müssen wir uns aber schon die Frage stellen, wie es volkswirtschaftlich weitergeht.

Birgt die Inflationsentwicklung Gefahren?

Ich bin mir nicht sicher, ob die derzeitige Inflation wirklich nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Sollte sich das nicht beruhigen, dann wird die Europäische Zentralbank in die Lage versetzt werden müssen, darüber nachzudenken, die Zinsen zumindest leicht anzuheben.

Der Zusammenschluss der RLB OÖ mit der Hypo Salzburg hat gut funktioniert. Sind bei heimischen Raiffeisenbanken Fusionierungen geplant?

Es gibt da und dort immer wieder Gespräche. Das ist, denke ich, ein ständiger Prozess. Es steht derzeit aber nichts unmittelbar an.

Raiffeisen hat das dichteste Filialnetz. Wird das so bleiben?

Ja, aber auch beim Filialnetz wird man sehen, dass das in dieser Dichte nicht aufrechterhalten werden kann. Da braucht aber niemand zu erschrecken: Das wird nur schrittweise geschehen. Denn wir bleiben ja trotzdem in der Region. Es wird vielleicht passieren, dass Kunden da oder dort zwei, drei oder fünf Kilometer fahren müssen, um zu einer Filiale zu kommen. Aber die Mobilität der Kunden ist ja auch viel größer als vor 50 Jahren. Und die täglichen Bankgeschäfte werden immer mehr über die digitale Schiene gemacht. Dennoch: Aus den Regionen werden wir sicher nie weggehen.

Weil es etwas bringt?

Wir sehen schon, dass die persönliche Ansprache und die Beratung für den Einzelnen, wenn er Fragen hat, extrem wichtig sind.

Wie ist die weitere Strategie im Beteiligungsgeschäft?

Da wird sich nichts ändern. Wir halten das Beteiligungsgeschäft nach wie vor für sehr wichtig und für sehr positiv für uns, weil wir auch sehr gut verdienen dabei. Und es hat Vorteile für Unternehmen, etwa bei der Finanzierung von Betriebsübergaben oder von Übernahmen sowie von Expansionen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Pandemie eines Tages vorbei sein wird?

Im Sommer hatten wir ja bereits wieder offene Gastronomie und offene Kulturstätten. Das habe ich persönlich auch sehr genossen. Gott sei Dank geht das immer noch so. Ich freue mich darauf, wenn das Reisen wieder völlig frei möglich sein wird und wenn man im Kontakt mit anderen nicht mehr so aufpassen wird müssen. Und ich freue mich darauf, ohne Einschränkungen Ski fahren zu können.

Mit RLB-OÖ-Generaldirektor HEINRICH SCHALLER sprach Christian Haubner

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