RLB OÖ blickt einem unsicheren Jahr 2020 entgegen

Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (OÖ) blickt angesichts der Coronakrise einem unsicheren Geschäftsjahr 2020 entgegen. „Die Auswirkungen werden auch in der Bilanz 2020 sichtbar werden, aber es kann noch niemand abschätzen, welche Folgen das wirklich haben wird“, sagte Generaldirektor Heinrich Schaller bei eine Online-Pressekonferenz am Dienstag.

Das wichtigste sei jedoch, die Kunden in der aktuellen Krise bestmöglich zu unterstützen. „Am wichtigsten ist die Aufrechterhaltung des Liquiditätsflusses,“ so Schaller weiter. So seien bei der Raiffeisenbankengruppe OÖ bisher knapp 8.800 Kredite gestundet worden, wobei nur rund 37 Prozent der Stundungen aufgrund des gesetzlichen Moratoriums erfolgt seien. Der Rest sei von der Bank in individueller Absprache mit den Kunden gestundet worden. Das Stundungsvolumen betrage in Summe 59,4 Mio. Euro.


Zudem seien Überbrückungsfinanzierungen des Wirtschaftsservice (aws) in Höhe von 261,1 Mio. Euro beantragt worden. Für die Hilfsleistungen der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) für Exporteure und große Firmen (Kredite sowie Kreditgarantien) wurden bisher Anträge in Höhe von insgesamt rund 514 Mio. Euro gestellt (davon 444,8 Mio. für Kredite für Exporteure). Wie viel von dem beantragten Geld bisher bei den Unternehmen tatsächlich angekommen ist, konnte Schaller auf Anfrage aber noch nicht beziffern. Die neuen Regeln des Finanzministeriums, die Erleichterungen für die Banken bei der Kreditvergabe bringen sollen, bewertete der Bankchef generell positiv. Die Änderungen bei der Bonitätsprüfung seien eine wichtige Erleichterung gewesen, so Schaller.

Die verstärkte Unterstützung der Unternehmen mit Liquidität in Form von Krediten birgt jedoch auch die Gefahr höherer Kreditausfälle für die Banken. Der RLB-OÖ-Chef schloss diesbezüglich heute nicht aus, dass sich die Zahl der faulen Kredite (non-performing loans/NPL) bei den heimischen Banken – auch in der RLB OÖ selbst – in den kommenden Monaten deutlich erhöhen könnten. „Wir gehen davon aus, dass die Risikovorsorgen im Jahr 2020 wieder deutlich ansteigen werden. Das wird sich nicht vermeiden lassen,“ so Schaller am Dienstag. In den vergangenen Jahren seien die Risikokosten der RLB OÖ aber sehr gering gewesen.

Bereits vorsorglich hätten die 75 Raiffeisenbanken in Oberösterreich in Anbetracht der unsicheren Lage in der Bilanz 2019 freiwillige Rückstellungen in Höhe von 100 Mio. Euro vorgenommen, so Schaller. Aufgrund der guten Zahlen im Vorjahr hätten die Banken jetzt schon Vorsorgen für die Risiken der Coronakrise treffen können. Die Rückstellung reduziere aber auch das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit (EGT) um denselben Betrag. 2019 lag das EGT der Raiffeisenbanken in Oberösterreich laut vorläufigen Zahlen bei 160,8 Mio. Euro, nach 187,0 Mio. Euro im Jahr davor. Der Jahresüberschuss fiel von 153,4 auf 133,4 Mio. Euro.

Die RLB Oberösterreich verzeichnete 2019 ebenfalls einen Rückgang beim Jahresüberschuss von 299,5 Mio. Euro im Jahr 2018 auf 256,5 Mio. Euro. Vor Steuern ging der Überschuss um 13,5 Prozent auf 319,2 Mio. Euro zurück, das Betriebsergebnis fiel um 17,6 Prozent. Die Rückgänge seien vor allem auf Abwertungen wichtiger Beteiligungen zurückzuführen. So fiel der Ergebnisbeitrag der Beteiligung an der Raiffeisen Bank International (RBI)-Gruppe mit minus 15,9 Mio. Euro negativ aus. Auch die Hypo Oberösterreich und Saline lieferten insgesamt negative Ergebnisbeiträge, hieß es von der Bank. Die voestalpine-Beteiligung brachte dagegen nach einem negativen Ergebnis im Vorjahr wieder einen positiven Beitrag von 11,2 Mio. Euro. Trotz der aktuellen Entwicklungen bei der voestalpine rund um Kurzarbeit und die jüngst ausgesprochene Gewinnwarnung betonte Schaller, dass man an der Beteiligung festhalten werde. „Wir sind und bleiben Kernaktionär der voestalpine.“

Das Gesamtergebnis der RLB OÖ konnte indessen aufgrund von Kursanstiegen bei Anleihen, die unter „sonstige Ergebnisse“ fallen, um 70,3 Prozent auf 314,3 Mio. Euro gesteigert werden. Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag bei 14,64 Prozent, die Eigenmittelquote lag bei 16,3 Prozent.

Unglücklich zeigte sich Schaller mit den Empfehlungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der europäischen Bankaufsicht zur Dividendenpolitik der Banken. Es werde derzeit keine Ausschüttung der RLB Oberösterreich geben. „Ich bin damit extrem unzufrieden und unglücklich“, so Schaller. Die Eigentümer seien zum Großteil die einzelnen Raiffeisenbanken selbst. Diese fielen nun um eine Ausschüttung um, obwohl sie diese gerade jetzt in der Krise gut brauchen könnten.

Die Empfehlungen der Behörden seien für eine dezentral organisierte Bankengruppe wie die Raiffeisen-Gruppe „eine massive Benachteiligung“. Dementsprechend müsse man sich auch überlegen, ob man dagegen rechtlich etwas unternehmen könne. „Eine derartige Ungleichbehandlung kann man sich auf Dauer nicht von den Behörden gefallen lassen,“ sagte Schaller.

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