Thiem mit Krampf-Sieg über Ofner im Kitz-Viertelfinale

Dominic Thiem steht auch diese Woche in Kitzbühel im Viertelfinale © APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER/EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Nach Sensationsmann Filip Misolic hat auch Dominic Thiem am Mittwoch das Viertelfinale des Generali Open erreicht. Der Tennis-US-Open-Sieger 2020 besiegte Sebastian Ofner im Österreicher-Duell nach durchwachsener Leistung nach 1:57 Stunden mit 6:2,3:6,6:3 und trifft nun auf den Deutschen Yannick Hanfmann (Donnerstag, nicht vor 15.00 Uhr/live ServusTV). Thiem steht damit nach Baastad und Gstaad in seinem dritten Viertelfinale in Folge auf der ATP-Tour.

In direkten Duellen auf der Tour mit Österreichern stellte Thiem damit auf 8:2-Siege, gegen Ofner auf 2:0. 2019, als er zum bisher letzten Mal bei diesem Event gespielt hatte, hatte der Ex-Weltranglisten-Dritte im Achtelfinale Ofner ebenfalls besiegt, allerdings wesentlich klarer. In der Folge hatte Thiem damals seinen ersten ATP-Titel in Österreich geholt.

„Am Ende war es ein enger Fight und ich bin glücklich, dass ich irgendwie einen Weg gefunden habe, das Match noch zu gewinnen“, konstatierte Thiem. Es sei nicht etwa ein verlorener Fokus gewesen, der zu einer dann nicht immer sehenswerten Partie geführt hat. „Es war nur eine kurze Schwächephase im zweiten Satz, wo er dann sofort das Break gemacht hat. Dann wurde es plötzlich ein komplett offenes Match. Es war von 6:2,2:2 innerhalb von zehn Minuten 6:2,3:6. Generell glaube ich, dass ich heute teilweise ein bisserl zu passiv war, und ihm zu viel die Kontrolle überlassen habe“, fand Thiem einen Grund für die enge Partie.

Für Ofner hätte es nach der Aufholjagd gegen Richard Gasquet in Runde eins fast wieder zur Überraschung gereicht. „Ein bisschen vielleicht“, war er nach dem glatten ersten Satz über die Kehrtwende überrascht. „Aber ich bin schlecht gestartet, war ein bisserl nervös, hatte Probleme mit dem Aufschlag.“ Im dritten Satz habe Thiem dann sehr gut retourniert. „Ich habe ein paar Chancen gehabt, leider nicht genützt. Zum Schluss hatte ich auch nochmals ein 15:40, da hat er leider gut gespielt.“ Alles in allem sei es dennoch ein gutes Turnier für ihn gewesen, resümierte Ofner. „Schade, aber gegen Dominic kann man trotzdem verlieren.“

Thiem nahm Ofner gleich zu Beginn den Aufschlag zu Null ab und erwischte einen starken Start. Mit einem zweiten Break zum 5:2 war Satz eins schnell in der Tasche des Favoriten. Der zweite Durchgang verlief ausgeglichener bis zum 3:2, als Ofner sein erstes Break gegen Thiem gelang. Mit einem guten Aufschlag-Game bestätigte er dieses und stellte auf 5:2. Thiem verlor in diesem Satz an Intensität und musste diesen folglich auch abgeben.

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Der Entscheidungssatz begann für Thiem schlecht, denn er führte im Auftaktgame 40:0, doch mit zwei Vorhandfehlern und zwei Doppelfehlern en suite gab er den Aufschlag fast kampflos an Ofner ab. „Das war mein schlechtestes Game“, meinte Thiem später. Ihm gelang das Rebreak, doch sein „Hänger“ setzte sich fort, neuerlich gab er den Aufschlag zum 1:2 ab.

Das Match schien nun von den Nerven beider Spieler dominiert, nach vier Breaks en suite fing sich Thiem aber. Das sofortige zweite Rebreak war für Thiem vorentscheidend. Bei einer 5:3-Führung fand Ofner nochmals zwei Chancen zum Rebreak vor, doch dann nutzte Thiem den zweiten Matchball zum Aufstieg.

Für Thiem geht es nun gegen Yannick Hanfmann. Der Deutsche hatte nach der krankheitsbedingten Absage von Tallon Griekspoor (NED-6), der einen negativen Corona-Test abgab, gegen Lucky Loser Iwan Gachow in drei Sätzen reüssiert. „Ich habe noch nie gegen ihn gespielt. Ich glaube, dass er vor allem in der Höhenlage besser spielt, als sein derzeitiges Ranking.“ Dennoch müsse er sich auf sich selbst konzentrieren. „Ich muss schauen, dass ich ein bisserl lockerer bin im ganzen Match. Ich freue mich drauf.“

Zuvor hatte sich überraschend der erst 20-jährige Misolic ins Viertelfinale gespielt. Der ATP-Tour-Debütant aus Graz besiegte den 36-jährigen Spanier Pablo Andujar, der an diesem Tag nicht sein bestes Tennis zeigte, mit 6:4,6:0 und zeigte ein weiteres mal sein tolles Potenzial. Mit Misolic hat sich eine echte Zukunftshoffnung des ÖTV in Kitz vorgestellt.

„Auf jeden Fall sind vorgestern und heute die zwei besten Tage in meinem Leben“, freute sich der schüchtern wirkende Misolic. „Ich habe das ganze Match mein Spiel gespielt: aggressiv, gute Stopps und immer wieder die Rückhand longline gespielt“, sagte Misolic, der sich zuvor bei den tausenden Fans im Stadion für die Unterstützung bedankt hatte. Nervös sei er nur am Beginn gewesen, sagte er.

Und im zweiten Satz war die Nummer 98 der Welt gegen die Noch-Nummer 205 überhaupt chancenlos. „Im zweiten Satz habe ich vom Anfang bis zum Ende sehr gut gespielt, er hat mir immer wieder ein bisschen geholfen mit Doppelfehlern, aber ich habe es gleich ausgenutzt.“ Die heimische Bühne ist freilich für den Steirer auch günstig. „Mit der Hilfe von so einem Publikum, das gibt dir so viel Kraft. Ich bin so glücklich, dass ich jetzt im Viertelfinale bin.“

In seinem zweiten Match auf ATP-Tour-Level zeigte Misolic große Reife und Abgebrühtheit. Nach Break und Rebreak gelang es dem Steirer zum 4:2 erneut, dem Spanier den Aufschlag abzunehmen. Zwar schlug Andujar zum 4:5 nochmals zurück, doch nach 63 Minuten war das fünfte Break des ersten Satzes jenes zum 6:4 für Misolic. Im zweiten Satz spielte sich Misolic beinahe in einen Rausch, zeigte sensationelle Stopps, und mit zwei Breaks zum 2:0 und 4:0 zweifelte bald niemand mehr am Sieg des Youngsters.

Misolic, der übrigens wie Roger Federer und Felix Auger-Aliassime am 8. August Geburtstag hat, wird mit diesem Erfolg ab Montag zumindest auf einer Position um 175 zu finden sein. Er hat sein Ranking seit Jahresbeginn (354.) also bereits halbiert. Im Kampf um die Vorschlussrunde trifft er im letzten Viertelfinale auf Dusan Lajovic. Der Serbe gab im Achtelfinale dem als Nummer vier gesetzten Russen Aslan Karazew mit 7:5,6:3 das Nachsehen.

Zuvor war für Jurij Rodionov gegen die Nummer 3 des Turniers bzw. Nummer 20 der Welt, Roberto Bautista Agut, beim 1:6,4:6 in 79 Minuten hingegen das Aus gekommen.

Im zweiten Satz allerdings hatte Österreichs aktuelle Nummer eins im ATP-Ranking zumindest die Möglichkeit gehabt, die Partie zu verlängern. Bei 4:5 vergab er seinen einzigen Breakball der Partie, danach servierte sein Gegner aus. „Seit dem Break im zweiten Satz habe ich angefangen, wirklich gut zu spielen. Gegen einen Spieler wie Bautista Agut reicht es aber nicht, wenn man ab einer Stunde anfängt, gut zu spielen“, meinte Rodionov. Im Ranking wird sich der Niederösterreicher auf eine Position um 136 verbessern.

Im zweiten Satz habe er sich auf Augenhöhe mit dem Spanier gefühlt. „Aber ich habe die ersten eineinhalb Sätze verschlafen.“ Das große Ziel, endlich die Top 100 zu knacken, musste also vertagt werden. „Natürlich bin ich etwas genervt, aber das liegt in meiner Verantwortung“, sagte Rodionov auf die Frage, dass er ja vom Potenzial her schon länger in den Top 100 sein müsste. Rodionov spielt vor seinem nächsten Turnier in Liberec noch im Doppel-Viertelfinale mit Neil Oberleitner, einem Neffen von Turnierboss Alexander Antonitsch.

Nach Kitz stehen für Rodionov neben Liberec und Meerbusch (beide Sand) auf dem Programm, danach noch ein Hartplatz-Challenger in Polen, ehe er bei den US Open in die Qualifikation zieht. Auch Ofner spielt nun in Liberec und später in Polen, auch für ihn geht es dann zu den US Open. Ende September/Anfang Oktober will er sich seinem immer noch nicht ausgeheiltem Knochenmarksödem widmen und fällt dann wohl für ca. zwei Monate aus. Die Stadthalle in Wien wird er auslassen.

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