Röntgenbefund nicht gelesen: Ärztin verurteilt

Medizinerin fasste nach Tod von 56-jährigen Patienten nicht rechtskräftig teilbedingte Geldstrafe von 5400 Euro aus

LINZ — Eine Ärztin ist nach dem Tod eines Patienten im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz am Dienstag am Bezirksgericht Linz verurteilt worden. Sie fasste nicht rechtskräftig eine Geldstrafe von 5400 Euro aus, die Hälfte davon wurde bedingt ausgesprochen.

Im März 2016 war ein damals 56-Jähriger aus dem Bezirk Linz-Land mit heftigen Unterleibsschmerzen in das Spital eingeliefert worden. Einen Tag später starb er – ausgelöst durch einen Zwölffingerdarm-Durchbruch. Wäre dieser schnell chirurgisch versorgt worden, hätte er gute Überlebenschancen gehabt. Doch in der Aufnahme machte ein noch in Ausbildung befindlicher Turnusarzt Dienst. Dieser wies den Patienten der Internen Abteilung zu. Ein Chirurg wurde dazu nicht beigezogen. Ein angefertigtes Röntgenbild, das nach Ansicht eines Sachverständigen schnell Klarheit über die Erkrankung des Patienten gebracht hätte, wurde nicht angeschaut, aber weitere Untersuchungen für die kommenden Tage angeordnet.

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Keine Internetverbindung

Der Mann wurde zudem vom Zuständigkeitsbereich eines Arztes in den seiner nunmehr angeklagten Kollegin verlegt. Neben anderen hat auch sie das Bild nicht gesehen, weil die drahtlose Datenübertragung auf den Laptop bei der Visite kurzzeitig unterbrochen war, sie versuchte es später nicht noch einmal. Der Befund des Radiologen – dieser wurde rechtskräftig freigesprochen – lag noch nicht vor.

Die als pflichtbewusst, sorgfältig und fachlich kompetent beschriebene Ärztin verließ nach dem Vorfall das Krankenhaus und ist seither selbstständig tätig. Vor Gericht zeigte sie Schuldeinsicht. Der Richter fasste zusammen, sie habe objektiv betrachtet einen Fehler gemacht. Der Patient hätte überlebt, wenn sie ihn nicht gemacht hätte. Doch es gefalle ihm nicht, dass sie „wie die Jungfrau zum Kind kommt“. Denn sie sei nicht alleinverantwortlich. Es sei auch die Krankenhausorganisation „an den Pranger zu stellen“. Unter anderem, dass ein Turnusarzt allein in der Aufnahme arbeite, sei „schwer zu verstehen“. Der Staatsanwalt hatte zuvor angemerkt, dass für ihn der Fall auch noch nicht abgeschlossen ist.

Der Lebensgefährtin und den minderjährigen Kindern des Verstorbenen wurden ein Teilschadenersatz von 1000 Euro zugesprochen.