Roland Schimmelpfennig: Die Linie zwischen Tag und Nacht

Ein kaputter Ex-Drogenfahnder zieht nach einer Partynacht eine Frau im Brautkleid aus dem Berliner Landwehrkanal und macht sich daraufhin auf, der Unbekannten ihren Namen zurückzugeben.

Roland Schimmelpfennigs „Die Linie zwischen Tag und Nacht“ ist ein atemloser Roman noir voller zerbrechlicher Figuren, der einen gewaltigen Sog entfaltet. Ich-Erzähler und Hauptfigur Tommy hat als Drogenfahnder auf dem Weg zu einem Einsatz ein Kind totgefahren. Sein Leben liegt seither in Scherben.

Ein Dealer wird ihm zum besten Freund, bald verrät er diesem Razzien, fliegt auf und wird suspendiert. Die Zeit bis zur Anklageerhebung vertreibt er sich als Grenzgänger zwischen Tag und Nacht in Untergrund-Clubs mit Techno und den Gestrandeten der Großstadt. Drogen und ekstatisches Tanzen bringen kurzzeitigen Trost.

Auf der Suche nach dem Namen der Toten stößt er auf kaputte Aussteiger, Ex-Kollegen, kriminelle Clans, gewalttätige Geschäftsleute, Künstler und verlorene Seelen. Die Figuren balancieren in dem filmgleich fotografierten, rasanten und dichten Buch stets am Abgrund.

Der eigentliche Star des Romans ist aber Berlin, das sich mitunter von seiner hippen Seite zeigt, meist aber von der weniger glamourösen. „Die Linie zwischen Tag und Nacht“ ist ein Sittenbild und ein Stadtporträt, verpackt in einen hardboiled anmutenden Krimi.

Roland Schimmelpfennig: Die Linie zwischen Tag und Nacht. S. Fischer, 208 S. 22 Euro

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