Rolando Villazóns Traumschiff

Salzburger Mozartwoche mit „Messias“ & „Figaro“ spektakulär gestartet

Robert Wilson inszeniert grandiose Bilder. Dieses zeigt die Sopranistin Elena Tsallagova.
Robert Wilson inszeniert grandiose Bilder. Dieses zeigt die Sopranistin Elena Tsallagova. © Lucie Jansch

Zum 65. Mal treffen einander dieser Tage wieder Mozart-Freunde aus aller Welt bei der Salzburger Mozartwoche, zum zweiten Mal unter der Intendanz von Rolando Villazón, der nach eigenen Worten ein „Traumschiff“ mit dem klingenden Namen „Mozart lebt“ steuert. Dies beweist der Intendant mit einem ausufernden Programm, das sich blendend verkauft und Salzburgs Außenbezirke als Lockruf an die Jugend einbezieht.

Der spektakuläre szenische Auftakt erfolgte mit zwei höchst gegensätzlichen Werken: Zunächst hatte Mozarts für seine Zeit 1789 adaptierter „Messias“ von Georg Friedrich Händel im Haus von Mozart Premiere, ehe tags darauf in der Felsenreitschule Mozarts „Le nozze di Figaro“ konzertant dargeboten wurde — beide Werke übrigens in kaum zu übertreffenden Besetzungen.

Für den „Messias“ gestaltete der fantasiereiche texanische Starregisseur Robert Wilson (78) traumhafte Bilder in einem leeren Raum, der mit lebenden Bildern — vorne agierende Menschen, hinten spannende Illustrationen in Projektionsform — fasziniert. Da kommt der Klimawandel zum Zug, ein Tänzer umspannt raumgreifend die Bühne, das heranwachsende Kind und ein alter Mann werden mit heidnischen Symbolen konfrontiert. Natursymbole wie sich positionell verändernde Baumäste beeindrucken mehr. Die Gewalt der Bilderflut wird nur übertroffen durch die musikalische Gewalt, die Marc Minkowski mit seinem unvergesslichen Originalklang Orchester Les Musiciens du Louvre und dem von Walter Zeh studierten Philharmonia Chor Wien ausstrahlt. Diesem Orchester ebenbürtig sind die Sänger: Elena Tsallagova (Sopran), Wiebke Lehmkuhl (Alt), Richard Croft (Tenor) und José Coca Loza (Bass) verdienten an dieser Stelle viele Zeilen des Lobes.

Beim offenbar strichlosen „Figaro“ steht Sir András Schiff nicht nur als Dirigent seiner unvergleichlichen Cappella Andrea Barca mit dem souveränen Konzertmeister Erich Höbarth im Mittelpunkt des Geschehens, sondern wird auch vielfach als Schauspieler und Kommentator eingesetzt. Der Arnold Schönberg Chor erfüllt seine Arbeit mit Wohlklang. Der hemdsärmelige Graf fand in Florian Boesch einen idealen Darsteller. Die Gräfin von Christiane Karg, die Susanna von Regula Mühlemann, der Cherubino von Angela Brower, die Marcellina von Marie McLaughlin und die köstlich naive Barbara von Julia Lezhneva sind als Elite der Mozart-Interpretinnen absolute Spitze. Dies gilt bei den Herren auch von Maurizio Muraro (Don Bartolo/Antonio) und mit Abstrichen von Titelheld Figaro alias Julien van Mellaerts und Angelo Pollak (Don Basilio/Don Curzio).

Der „Messias“ steht bei der Mozartwoche noch am Freitag, 31. Jänner, auf dem Programm, dann als Wiederaufnahme bei den Salzburger Festspielen.

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