„Romeo & Giulia“

Anders als in der (fast) gleichnamigen Shakespeare-Tragödie gibt es in dieser Liebesgeschichte ein Happy End – denn alte Liebe rostet nicht. Alfa „Romeo“ baute die erste „Giulia“ im Jahr 1962, machte nach 16 Jahren Schluss und belebte die Romanze 2016 wieder. Die rassige Italienerin, Jahrgang 2019, entpuppt sich als atemberaubende Schönheit mit einer beeindruckenden „DNA“, die für den Pulsschlag des Romeo sorgt.

Von Harald Engelsberger
Eben diese „DNA“ ist das Herz der neuen Giulia und sorgt für den Vortrieb, wobei vor allem die d-Stellung – oder „Dynamic“ – in Ekstase versetzt. Mit dieser Einstellung samt straffer Federung bekommt die 1500 kg leichte Italienerin ein Fahrgestell, das den Fahrer ganz schön beschäftigt – mit 6,6 Sekunden auf 100 km/h sowie einer theoretischen, weil in Österreich verbotenen Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h.

Im Dynamic-Modus reagieren Gas, Bremse und Lenkung zudem direkt auf den Fahrer – und die Giulia wird auch fühlbar lauter. Dabei handelt es sich hier um die gezähmte Version mit „nur“ 200 PS und Hintrradantrieb, das nächst stärkere Modell bringt schon 280 PS mittels Allradantrieb auf die Straße. Übrigens: Die beiden anderen Fahr-Modi „Natural“ und „Advanced Efficiency“ beschäftigen sich mit den Themen Komfort und Verbrauch.

Das neue Modell besticht nicht nur mit einer geschmeidigen Linienführung, auch die Gesichtszüge an der agressiven Frontpartie suchen ihresgleichen, immerhin werden die meisten anderen Autofahrer eine Giulia ja nur im Rückspiegel sehen. Alfa-typisch und wie bereits gewohnt ist das vordere Kennzeichen nicht mittig montiert, sondern links versetzt unter dem Scheinwerfer.

So einer Schönheit muss man aber auch den einen oder anderen Fehler nachsehen: Etwa, dass der Testverbrauch nicht und nicht unter die Zehn-Liter-Marke sinken wollte. Zwar lässt sich die Giulia sicher auch sparsamer bewegen, allerdings sinkt mit dem Verbrauch dann auch der Spaßfaktor erheblich. Der Hinterradantrieb birgt vor allem auf feuchtem oder rutschigem Straßenbelag seine Gefahren, die sich mit der Entscheidung für einen Allradantrieb aber leicht ausschalten lassen.

Für die Fondpassagiere bleibt leider etwas wenig Knie- und Kopffreiheit, das ist aber der geduckten Karosserieform geschuldet. Im Kofferraum findet man hingegen viel Platz, leider ist die Ladeöffnung etwas zu schmal geraten. Solche Makel verzeiht man dieser Giulia aber gerne, bekommt man auf den gemeinsamen Wegen doch allerhand an Fahrspaß und Lebensgefühl zurück.

Fazit: Wir fuhren leider nicht das Topmodell – die Giulia Quadrifoglio mit Ferrari-Motor und 510 PS –, aber auch die zivile Version hat’s in sich. Trotz kleiner Unpässlichkeiten hat Alfa Romeos Giulia das gewisse Etwas, das sie letztlich so liebenswert macht.

Typenschein

Alfa Romeo Giulia Super 2.0

Preis: ab € 44.300,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 57.950,-, eine Alfa Giulia gibt es ab € 36.300,-
NoVA/Steuer: 13 % / € 1459,44 jährlich
Garantie: 4 Jahre bis max. 120.000 km, 3 Jahre Lackgarantie, 8 Jahre gegen Durchrostung

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Abgasturbolader, 1995 cm³, 147 kW/200 PS bei 4500 U/min, max. Drehmoment 330 Nm bei 1750 U/min
Getriebe: 8-Stufen-Automatik
Antrieb: Hinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,6 s
MVEG-Verbrauch: 6,3/6,6 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 10,6 Liter
CO2-Ausstoß: 154 g/km
Euro 6d-TEMP

Eckdaten:
L/B/H: 4643/1860/1438 mm
Radstand: 2820 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1504/2005 kg
Kofferraum: 480 Liter
Tank: 58 Liter (Benzin)
Reifen: vorne 225/40 R17 und hinten 255/35 R19 auf 19“-Alufelgen

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/ESP/IBS/FCW/AEB/LDW/BSM
Airbags: 8

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