Ron Sexsmith: Hermitage

Frohe Lieder waren seine Sache bisher eher nicht. Doch jetzt, mit 56, scheint der kanadische Songwriter Ron Sexsmith neue Lebensfreude zu spüren. Sein Album „Hermitage“ spricht klar dafür.

Für einen Musiker, der wegen seiner melancholischen Melodien und Texte als Trauerkloß gilt, wirkt Sexsmith auf den Bildern zum neuen Album bemerkenswert aufgekratzt. Wie er da mit rosa Federboa um den Hals im Garten herumschäkert und einen Handrasenmäher bedient …

Und auch in den 14 Liedern von „Hermitage“ zeigt sich eine Leichtigkeit, die dem konstant überragenden Werk des Kanadiers früher oft fehlte. Schon der erste Song „Spring of the Following Year“ beginnt mit Vogelgezwitscher und entfaltet eine liebliche, fast naive Harmonie, wie sie ansonsten wohl nur Paul McCartney zustande brächte — an einem sehr guten Tag wohlgemerkt.

Bei „Chateau Mermaid“ klimpert im Hintergrund eine Art Spinett herum. Und „Lo and Behold“ dürfte zu den vergnügtesten Liedern gehören, die der vor fast 30 Jahren als bescheidener Folksänger gestartete Sexsmith je geschrieben hat. So geht es im Wortsinne munter weiter — wobei die Songs dieses extrem sorgfältigen Komponisten nie leichtgewichtig oder billig werden.

Auch der Gesang des einst so schüchternen Mannes klingt intonationssicher wie selten zuvor.

Hörprobe:

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