Ronaldo-Wechsel zu Juve sorgt für Euphorie – aber auch Unmut

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Die schwarz-weiße Cristiano-Ronaldo-Show kann starten: Nach wochenlangen Spekulationen ist der Transfer des Fußball-Superstars von Real Madrid zu Juventus Turin seit Dienstagabend perfekt. Italien jubelte – obwohl der Mega-Deal finanzielle Bedenken aufwirft. Derweil suchen die Königlichen aus Madrid bereits ihren neuen König.

„Unglaublich, aber wahr: Er kommt!“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“ am Mittwoch geradezu euphorisch. Der „Corriere della Sera“ berichtete gar von einem „Geschäft des Jahrhunderts“. Das Ronaldo-Dress mit der Nummer sieben, das schon wenige Minuten nach der Bekanntgabe des Wechsels in Juve-Onlineshop erhältlich war, dürfte zum Verkaufsschlager werden.

Gleichzeitig geistert bei aller Freude die Frage durch die Fußballwelt, wie Juventus den Transfer finanzieren will. Nach Medienberechnungen werden der Club und sein Eigentümer, Fiat-Chef Andrea Agnelli, für das gesamte Ronaldo-„Paket“ zwischen 340 und 400 Millionen Euro hinblättern müssen. Der Transfer kostet der „Alten Dame“ laut eigenen Angaben insgesamt 112 Millionen. Dazu komme das Netto-Salär des Portugiesen von insgesamt 120 Mio. für die kommenden vier Spielzeiten samt Steuern und Abgaben.

In Italien verdichten sich daher die Gerüchte über einen möglichen Verkauf anderer Juve-Stars. So sollen unter anderem die argentinischen Offensivspieler Paulo Dybala und Gonzalo Higuain zu haben sein. Für Dybala soll Liverpool 90 Mio. Euro bieten, berichtete die Zeitung „Tuttosport“ am Mittwoch online. 30 Mio. für den Ronaldo-Transfer sollen laut Medienberichten aus den Kassen der Firma Fiat kommen, der Portugiese im Gegenzug dafür zur Werbefigur der Automarke werden.

Viele Fiat-Mitarbeiter, die seit Jahren mit eingefrorenen Gehältern auskommen müssen, sind damit alles andere als glücklich. In einer Mitteilung der Vertreter der Arbeiter des Werks in Melfi wird ein Proteststreik zwischen dem 15. Juli am Abend und 17. Juli in der Früh angekündigt. Das Geschäft mit Ronaldo sei „nicht hinnehmbar“, hieß es. „Ist es normal, dass eine einzelne Person Millionen verdient und Tausende von Familien mit ihrem Geld nicht bis Mitte des Monats auskommen?“, fragte die zuständige Gewerkschaft.

Die Aktien von Juventus gaben am Mittwochvormittag wegen Gewinnmitnahmen jedenfalls um sechs Prozent nach. Von 28. Juni, als die ersten Gerüchte über eine mögliche Ronaldo-Verpflichtung aufgetaucht waren, bis zur offiziellen Bekanntgabe am Dienstagabend hatten die an der Mailänder Börse gehandelten Titel um 37,7 Prozent an Wert zugelegt.

Die Madrider Zeitungen nahmen unterdessen Abschied von ihrem großen Star. „Es wird nie wieder so einen geben. Cristiano, die Legende mit den 451 Toren, geht weg. Das Ende einer Ära“, titelte die Sportzeitung „Marca“. Wirklich getrauert wurde in der spanischen Hauptstadt aber nicht, sondern nach der französischen Heroldsformel „Der König ist tot, es lebe der König!“ in die Zukunft geblickt.

Laut übereinstimmenden Medienberichten soll Real-Clubchef zwei Kandidaten als Ronaldo-Nachfolger im Blick haben: Der milliardenschwere Baulöwe wolle entweder den Brasilianer Neymar (26) oder den französischen Jungstar Kylian Mbappe (19) zum Champions-League-Seriensieger holen. Ob Paris Saint-Germain einen der beiden Angreifer ziehen lässt, darf aber bezweifelt werden, wollen die katarischen Clubbosse dort doch endlich die lange ersehnte Champions League gewinnen.

Als Alternativen sollen bereits Kontakte mit dem Belgier Eden Hazard (Chelsea) und Englands WM-Goalgetter Harry Kane (Tottenham) aufgenommen worden sein. „Florentino muss nun das Scheckbuch herausholen“, meinte die Zeitung „Sport“.

Zum Abschied von Ronaldo gab es zwar von beiden Seiten nette Worte. Diese kämen aber nicht wirklich von Herzen, sondern seien von Anwälten ausgehandelt worden, meinten spanische Medien. Ronaldo soll seit Jahren mit Perez im Clinch gelegen sein, weil er sich bei einem Netto-Jahresgehalt von zuletzt 23 Millionen Euro unterbezahlt gefühlt habe. Der 33-Jährige, der derzeit noch in Griechenland urlaubt, verlasse Real „durch die Hintertür“, kritisierten Kommentatoren.