Roscic: “Staatsoper ist dazu da, um großartig zu sein”

“Die Wiener Staatsoper ist dazu da, um großartig zu sein.” Bogdan Roscic, der am 1. Juli sein neues Amt als Direktor des Hauses antreten wird, hat am Sonntagabend in ORF III bei der Präsentation seiner ersten Saison die Aufgabe des Hauses unter seiner Ägide umrissen. Es gehe um weltweite Spitzenleistungen und Erlebnisse, die nur hier verwirklicht werden könnten.

Bei der mit musikalischen Einlagen und Zuspielern aufgelockerten Fernsehpräsentation, die coronabedingt anstelle der ursprünglich avisierten Publikumspräsentation getreten war, wollte sich der 56-jährige Roscic dabei eine Spitze nicht verkneifen: “Vielleicht ist das der größte Irrtum überhaupt, dass es bei einer Institution wie der Wiener Staatsoper darum gehen könnte, als Auslastungsstreber nie unangenehm aufzufallen.”

Zentraler Partner auf diesem Wege, auch einmal unangenehm aufzufallen, wird Philippe Jordan als neuer Musikdirektor des Hauses am Ring sein. Schließlich spiele der gesamte musikalische Bereich eine große Rolle bei der Sicherung der Qualität des Staatsoper, unterstrich Roscic und verwies darauf, dass der 45-jährige Schweizer über die Hälfte der Saison in Wien verbringen werde.

“Es wird über alles gesprochen. Das letzte Wort liegt natürlich beim Staatsoperndirektor”, skizzierte der aus Paris zugeschaltete Jordan die künftige Arbeitsteilung. Ein zentraler Anker sei für ihn unter anderem die Mozart-Pflege, gehöre der Komponist doch zur DNA des Hauses: “Wir wollen damit auch ein neues Mozart-Ensemble aufbauen, mit dem wir uns über die Jahre entwickeln können.” Eine weitere Ensembleentscheidung ist die Gründung des Opernstudios für junge Sänger, für das zwölf Sänger aus über 1.000 Bewerbungen ausgewählt wurden.

Eine persönliche Premiere steht für Roscic dann kommendes Jahr an, wird er doch erstmals einen Opernball besuchen. “Als leidenschaftlicher Nichttänzer hält das Leben solche schönen Premieren und Debüts für einen bereit”, amüsierte sich der 56-Jährige. Er stehe jedenfalls zum Opernball: “Ich sehe das als eine Produktion der Wiener Staatsoper. Und eine solche hat immer eines zu sein: erstklassig.” Um das zu erreichen, hatte Roscic schon zuvor gegenüber der “Kronen Zeitung” angedeutet, dass er sich sowohl ein Ende für die Funktion der “Opernball-Lady” als auch der Ära von Richard Lugner als Opernballzampano vorstellen könne.

Auf audiovisuelle Übertragungen frei Haus von der Bühne der Wiener Staatsoper können sich Freunde des Musiktheaters in der Ära Roscic übrigens einstellen. So hatte der künftige Direktor bereits in Zeitungsinterviews angekündigt, das Streaming der Produktionen in Österreich künftig gratis anzubieten.

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