Rückblick in eine „wildere Stahlstadt“

Ab heute geöffnet: MAERZ-Ausstellung „Helmuth Gsöllpointner – variable Objekte“

Helmuth Gsöllpointners berühmte Plastiken aus den 1970ern sind derzeit in der Galerie MAERZ zu bewundern.
Helmuth Gsöllpointners berühmte Plastiken aus den 1970ern sind derzeit in der Galerie MAERZ zu bewundern. © Gregor Graf

Brachiale, harte, martialische Strukturen strecken sich momentan in der Linzer Galerie MAERZ nach der Decke. Helmuth Gsöllpointners klare, schwarze Gebilde schreien einem förmlich ins Gesicht. Diese wirken dabei merkwürdig futuristisch … oder besser gesagt: so, wie man sich in den 60er und 70er Jahren einst die Zukunft vorgestellt hat. Denn genau in jener Zeit sind die eindringlichen Kunstobjekte auch entstanden.

In Anwesenheit des Künstlers selbst lud man gestern zum Pressegespräch anlässlich der Ausstellungseröffnung von „Helmuth Gsöllpointner – variable Objekte“. Was man wissen muss: Gsöllpointner war in den Jahren 1971 bis 1976 Präsident der Künstlervereinigung MAERZ. Diese zählte damals, gemeinsam mit der Secession Wien und dem Forum Stadtpark in Graz, wohl zu den wichtigsten Künstlervereinigungen Österreichs. Die Ausstellung – die ab heute bis 29. November geöffnet ist – rückt dabei seine Präsidentschaft und seine zu dieser Zeit geschaffenen „variablen Objekte“ in den Fokus.

Plastiken der 70er nun wieder zusammengeführt

Diese Plastiken der 70er Jahre – eine im Besitz der Nationalbank, eine vom Nordico Stadtmuseum (aus dem Alten Rathaus), eine aus dem Lentos und eine im Eigentum der Raiffeisenlandesbank OÖ – sind nun wieder in einem Raum zusammengeführt. Kleinere Plastiken, Modelle sowie Studien kommen aus dem Privatbesitz des Künstlers, finden sich in Vitrinen und an den Wänden wieder. Im zweiten Schauraum gibt es neben einer imposanten Fotogalerie, die den Künstler mit namhaften (politischen) Persönlichkeiten zeigen, auch zahlreiche Plakate zu verschiedensten Ausstellungen, Kooperationen und Symposien aus den 60ern und 70ern zu sehen.

In einer Ecke läuft ein zusammengestelltes Filmporträt, welches das Gesamtbild Gsöllpointners abrunden soll, erklärt MAERZ-Chef Peter Sommerauer. Ausstellungsarchitekt und -gestalter Stefan Brandtmayr arrangierte das „Biotop“ des Ausnahmekünstlers mit einer „stark zurückgenommenen“ Ästhetik, wie er selbst ausführt. Der heute 86-jährige Gsöllpointner erinnert sich immer wieder und gern zurück – auch an seine Zeit als Lehrer und Leiter der Meisterklasse Metall an der Linzer Kunsthochschule, wo er gleich mehrere Generationen von Studierenden prägte. „Es war damals schon eine wildere Stahlstadt“, so Gsöllpointner, der auch von einer „mystischen Atmosphäre“ in den Werkstatthallen der Voest erzählte, in denen mit Studenten an Plastiken gearbeitet wurde.

Die vom VOLKSBLATT besuchte Ausstellung im MAERZ ist dabei nur ein Aspekt eines größeren Gedankens: Eine institutionsübergreifende Kooperation mit der Landesgalerie Linz, der Kunstuniversität Linz (ab 14. November) und dem Kunst- und Aktionsraum LINkZ (ab 17. November) würdigt mit unterschiedlichen Schwerpunkten die zahlreichen Facetten des Wirkens Gsöllpointners als Gestalter, Künstler, Netzwerker, Vermittler und Lehrer.

Landesgalerie widmet sich Metall-Meisterklasse

Erwähnt werden soll dabei noch die kommende Ausstellung „Metall und mehr. Helmuth Gsöllpointners Meisterklasse“ in der Landesgalerie Linz, welche am 13. November eröffnet wird. Landesgalerie-Leiterin Gabriele Spindler: „Wir beleuchten Gsöllpointner nicht nur als bildenden Künstler, sondern auch als Gestalter, der die Kulturentwicklung in Linz maßgeblich mitgeprägt hat.“ Die Ausstellung zeigt teils dokumentarisch, teils in Originalen Werke aus der Studienzeit und Diplomarbeiten der Künstler und soll dabei die „Atmosphäre der Meisterklasse wieder aufleben lassen“, so Spindler.

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