Rückkehr zum Unterricht verlief ohne Probleme

Bildungsminister geht von normalem Schulbetrieb im Herbst aus und appelliert an Hausverstand

Die neue Schulnormalität ist mit „Einlassmanagement“ und viel Händewaschen verbunden. © APA/Fohringer

Seit Montag kehrt für rund 700.000 Schüler an den Volksschulen, AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen (NMS) und Sonderschulen wieder ein Stück weit Normalität in ihren Alltag ein. Die Einhaltung der neuen Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfte ohne größere Probleme funktionieren. Befürchtete Staus bei der Ankunft, Probleme beim Maskentragen oder Händewaschen waren zumindest am ersten Tag der Schulöffnung kein Thema — das zeigte zumindest ein bundesweiter Lokalaugenschein der APA.

Auch bei den rund 121.000 Schülern in Oberösterreich klappte der Schulbeginn. Das Einlassprozedere habe im Großen und Ganzen sehr gut funktioniert, lobt Stefan Pirc, Leiter der Volksschule 8 Goetheschule in Linz, seine Schüler. Im Unterricht werde man alles auch noch einmal direkt mit den Kindern besprechen, dann sollten kleinere Anfangsschwierigkeiten noch ausgebügelt werden. „Wo es sich spießt, ist aber die Betreuung.“ Denn es seien zwar in etwa so viele Kinder erschienen wie angemeldet, „aber andere als erwartet“. Hier hoffe er, dass sich die Anmeldedisziplin der Eltern noch etwas verbessert.

Dieses Problem hatte Sandra Mayerhofer, Direktorin der NMS3 Stelzhamerschule in Linz, nicht, denn es gibt bei ihr nur eine Handvoll Betreuungskinder. Die größte Herausforderung dort war die Überpünktlichkeit der Schüler. Trotz der gestaffelten Einlasszeiten seien viele schon deutlich früher da gewesen und „wir haben ein bisschen einen Auflauf gehabt“. Allerdings hätten die Kinder auch vor der Schule großteils Masken getragen und Abstände eingehalten. Insgesamt habe alles gut funktioniert, „wir haben sogar zu viel Zeit eingeplant gehabt“ für die Maßnahmen.

Auch vor dem BRG Hamerling- straße, ebenfalls in Linz, warteten bereits eine halbe Stunde vor Schulöffnung mehrere Schüler vor dem Gebäude, „weil die Eltern die Kinder so bald abliefern“, schilderte Direktor Michael Schneider. Insgesamt zeigte er sich zufrieden mit dem Ablauf, das Maskentragen sowie Desinfizieren klappe gut und „wir beginnen die erste Stunde mit Händewaschen“. Allerdings: Das Abstandhalten funktioniere nicht, weil es eben Kinder sind.

Schule im Schichtbetrieb

Das Gros der Klassen wird nun vorerst zweigeteilt unterrichtet. Häufigstes Modell: Die eine Gruppe hat von Montag bis Mittwoch Unterricht, die andere am Donnerstag und Freitag. In der Woche darauf ist es umgekehrt.

Ziel des Schichtbetriebes ist es, durch die geringere Anzahl an Schülern die Kontaktdichte an den Bildungsstätten zu reduzieren. Weiters seien die Hygienemaßnahmen wichtig. Wobei Bildungsminister Heinz Faßmann hinzufügt: „Ich bin auch ganz realistisch: In Schulen wie dieser, einer Volksschule, da wird vielleicht alles nicht ganz so 100 Prozent stattfinden. Aber das, glaube ich, kann man akzeptieren, denn das, was man dafür bekommt, ist sehr viel mehr wert.“

Hausverstand nötig

Was das Ausmaß der Maskenpflicht der Schüler in den Bildungsstätten anbelangt — manche Schulen schreiben vor, dass die Masken im Schulhof getragen werden —, meinte Faßmann: Bei den Unter-Zehnjährigen „kann man hier toleranter vorgehen, insbesondere dann, wenn man sich in einer Schule befindet, mit einer großen Fläche, mit einer geringen Dichte pro Flächeneinheit.“ Er glaube, notwendig sei dies, wo „wir eine wirklich enge räumliche Situation haben“. Er erinnerte an seinen Aufruf, „all diese Dinge mit einem gewissen Hausverstand anzuwenden“: „Dort, wo die Kontaktdichte hoch ist, versuchen, die Kontaktdichte zu mindern oder eben über das Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes die Gefahren einer Virenübertragung zu miniminieren.“

Noch keine Zahlen gibt es, wie viele Schüler und Lehrer entschuldigt seien: „Das können wir noch nicht ganz genau sagen, weil der Tag erst beginnt.“ Laut Minister gab es die Überlegung, alle Lehrpersonen vor Schulbeginn zu testen, aber: „Wir wissen alle: Das bringt eigentlich nichts, es kann sich die Ansteckungssituation von einem Tag auf den anderen ändern.“ Über mögliche Lockerungen der Regelungen in der nächsten Zeit, falls die Infektionszahlen gering bleiben, — Stichwort: das Tragen von Masken in den Pausen — will der Minister derzeit nicht öffentlich nachdenken. Für die letzten zwei Augustwochen ist eine Art Sommerschule angedacht — was einen weiteren Ausbau der Betreuung in den Ferien anbelangt, unterstrich Faßmann, dass dies letztlich nicht die Schule übernehmen könne: „Da ist die Zusammenarbeit des Bundes mit Gemeinden und Ländern angesagt, um Erleichterung zu erzielen.“

Für den Schulstart im Herbst geht Faßmann von einem normalen Schulbetrieb aus. Allerdings müsse man bei einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen oder bei lokalen Infektionen darauf reagieren, so der Minister. Das könne dann entweder durch eine erneute Reduktion der Schülerzahl vor Ort oder Distanzunterricht geschehen.

Rechtslage wird geprüft

Weiterhin für Diskussionen sorgt die Ungleichbehandlung der Lehrer über 60: Während die Bundeslehrer sich selbst als Risikopatient einschätzen dürfen und dann nicht zum Präsenzunterricht verpflichtet werden, brauchen die Landeslehrer auch in OÖ — wie berichtet — eine Bestätigung des Arztes, um als Risikopatient zu gelten. Der oberste Lehrergewerkschafter Pul Kimberger erklärt auf Facebook, dass man derzeit die Rechtslage prüfe, „weitere rechtliche Schritte sind natürlich nicht ausgeschlossen, beispielsweise in bezug auf völlig ungeklärte Haftungsfragen oder die ungleiche Fürsorgepflicht des Dienstgebers“.

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