Russische Truppen wollen Lyssytschansk einkesseln

Ukrainische Truppen leisten enormen Widerstand © APA/AFP/ANATOLII STEPANOV

Im Osten der Ukraine versuchen russische Truppen weiterhin, die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk einzukesseln. Das sei eine der Hauptanstrengungen des Feindes, teilte der ukrainische Generalstab am Mittwoch in seinem Lagebericht mit. Russische Truppen stehen bereits am Südrand der Stadt. Der britische Geheimdienst teilte unterdessen mit, dass der russische Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk mit mindestens 20 Toten ein Versehen gewesen sein könnte.

Es sei durchaus realistisch, dass die Attacke am Montag ein nahe gelegenes Infrastrukturziel habe treffen sollen, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Update des britischen Verteidigungsministeriums. Moskaus Angriffe mit Langstreckenraketen seien auch schon in der Vergangenheit ungenau gewesen, was zu einer hohen Zahl an zivilen Opfern geführt habe – etwa beim Beschuss des Bahnhofs in der Stadt Kramatorsk im April, hieß es weiter. Moskau sei bereit, „hohe Kollateralschäden“ in Kauf zu nehmen. Da Russland einen Mangel an moderneren Präzisionswaffen und deutliche Schwächen bei der Planung seiner Ziele habe, müsse man durch weitere Angriffe mit weiteren zivilen Opfern rechnen.

Üblicherweise teilt London mit scharfen Worten gegen Russland aus. Diesmal steht die Einschätzung der Briten im Kontrast zu der des ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj. Dieser warf Russland in seiner täglichen Videobotschaft Terror vor und betonte, der Angriff gegen das Einkaufszentrum sei gezielt gewesen, um möglichst viele Menschen zu töten.

Derweil gehen die Kämpfe im Osten des Landes weiter. Angriffe Russlands gebe es außerdem in Richtung der westlich von Lyssytschansk gelegenen Stadt Bachmut, so der ukrainische Generalstab. Um das Tempo aufrechtzuerhalten, hätten die Besatzer ihre Bataillonsgruppe verstärkt. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Beim russischen Vormarsch auf den Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk gibt es hingegen wenig Bewegung. Dort konzentriere sich der Feind darauf, Bedingungen für weitere Angriffe zu schaffen.

Bei Kämpfen im Süden von Lyssytschansk haben ukrainische Truppen nach Darstellung Moskaus deutliche Verluste erlitten. Von den 350 Mann einer Gebirgsjägerbrigade seien lediglich noch 30 Soldaten am Leben geblieben, teilte das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch in Moskau mit und bezog sich dabei auf Kämpfe an einer Ölraffinerie. Das lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Das russische Verteidigungsministerium teilte zudem mit, bei Angriffen in der Nähe von Pytomnyk im Charkiwer Gebiet im Osten seien 100 Kämpfer getötet und Militärtechnik vernichtet worden. Auch in anderen Gebieten seien Kämpfer auf der Seite der ukrainischen Armee getötet worden. Über größere Geländegewinne wurde nichts mitgeteilt.

Die ukrainischen Behörden meldeten indes zwei Tote nach einem Angriff auf die ostukrainische Großstadt Dnipro. Mittwoch früh seien von Rettern die Leichen eines Mannes und einer Frau unter den Trümmern eines von einer feindlichen Rakete zerstörten Unternehmens gefunden worden, wie der Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, im Nachrichtendienst Telegram schrieb.

Zudem hat es nach ukrainischen Angaben mindestens vier Tote bei einem russischen Angriff Mittwoch früh auf die Stadt Mykolajiw im Süden der Ukraine gegeben. Eine Rakete habe ein Hochhaus getroffen, schrieb Militärgouverneur Witali Kim. Die lokalen Behörden riefen die Menschen auf, während des Luftalarms an einem sicheren Ort zu bleiben und keine Bilder vom Ort des Angriffs zu veröffentlichen. Aus Russland hieß es, man habe eine Ausbildungsbasis für ausländische Söldner in der Nähe Mykolajiws sowie vier Kommandoposten zerstört.

Auf der anderen Seite machten prorussische Separatisten im Gebiet Luhansk die ukrainische Armee für den Tod von sechs Arbeitern verantwortlich. Sie seien während Reparaturarbeiten unter Beschuss geraten, teilte die Generalstaatsanwaltschaft der international nicht anerkannten Region mit. Vier Mitarbeiter seien verletzt worden, eine Person werde noch vermisst.

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