Russland droht schwerster Konjunktureinbruch seit 1994

Die russische Regierung erwartet wegen der westlichen Sanktionen nach der russischen Invasion der Ukraine den stärksten Konjunkturabsturz seit 1994. „Die offizielle Prognose dürfte eine Schrumpfung um mehr als zehn Prozent vorsehen“, sagte Rechnungshofchef Alexej Kudrin am Dienstag nach Angaben der Nachrichtenagentur RIA.

Das werde aus den neuen Prognosen des Wirtschafts- und Finanzministeriums hervorgehen, sagte Kudrin, der von 2000 bis 2011 unter Präsident Wladimir Putin selbst das Finanzressort leitete.

Ein Regierungsinsider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 10 und 15 Prozent zu rechnen sei. Ein zweistelliges Minus hatte es nach Daten von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) zuletzt 1994 im Gefolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion gegeben. Ursprünglich hat Moskau für 2022 mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent geplant, nach 4,7 Prozent im vergangenen Jahr.

Stark steigen dürften hingegen die Verbraucherpreise. Analysten rechnen mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von fast 24 Prozent im laufenden Jahr. Das wäre die stärkste Teuerung seit 1999. Offiziellen Daten zufolge sind die Verbraucherpreise im März um fast 17 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen, nach 9,15 Prozent im Februar. Zucker kostete um 44 Prozent mehr als einen Monat zuvor, Zwiebeln und Waschmaschinen jeweils um rund die Hälfte mehr. Eigentlich strebt die russische Zentralbank eine Inflationsrate von vier Prozent an.

Russland ist am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert. Die westlichen Verbündeten haben daraufhin Sanktionen geschnürt, die seither mehrfach verschärft wurden. So wurde Russland weitgehend vom internationalen Zahlungssystem Swift abgeklemmt, der Handel etwa mit Hochtechnologie stark eingeschränkt.

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