Meinung

von Manfred Maurer

Russlands Bürde

Kommentar zu Putins-Krieg.

Putin ist nicht Russland. Nur wenige Russen haben aber den — angesichts der drohenden Repressalien bewundernswerten — Mut zur offenen Opposition gegen das als „Sonderoperation“ euphemisierte Gemetzel in der Ukraine.

Ob es in Russland eine schweigende Mehrheit gegen Putins Angriffskrieg gibt, wissen wir nicht. Unbestreitbar verfügt der Kriegsherr aber über beträchtlichen Rückhalt, weil er zumindest die Illusion von imperialer Größe schafft.

Das dabei verursachte Leid hat jedoch eine Dimension erreicht, deren weitreichende Konsequenzen jedem Russen allmählich bewusst werden müssen. Mit Putin kann es kein Zurück zur Normalität mehr geben. Das ist klar. Aber die ukrainische Tragödie wird auch in eine Post-Putin-Ära nachwirken.

Daher wäre eine Art Moskauer Deklaration angebracht, welche die Österreicher 1943 darauf hinwies, dass bei der endgültigen Abrechnung nach dem Krieg darauf Bedacht genommen werde, wieviel sie selbst zu ihrer Befreiung beigetragen haben werden. Gehirnwäsche, Unwissenheit und Angst ließ man Österreichern wie Deutschen jedenfalls nicht als Ausreden durchgehen.

Auch wenn es keine Kollektivschuld gibt, muss allen Russen klar sein: Putin bürdet künftigen Generationen gerade eine historische Verantwortung auf. Die anstehenden Gedenkfeiern zum Weltkriegsende böten sich an, klar auszusprechen: Das russische Militär ist kein Befreier, sondern Täter in einem Raubmordfeldzug.

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