S10-Trasse: Kritiker
fordern Neuaufrollung

Bei UVP-Verhandlung für Umfahrung Rainbach in der kommenden Woche zeichnen sich Einwände ab – Weitere Verzögerung droht

Entscheidende Tage für die Verlängerung der Mühlviertler Schnellstraße.

Nach wie vor für großen Ärger sorgt die zeitliche Verzögerung beim Weiterbau der S10 Mühlviertler Schnellstraße/Umfahrung Rainbach bei den unter dem Verkehr leidenden Bewohnern.

Wie exklusiv berichtet, muss die Asfinag zuerst Ersatzflächen für Fledermäuse und Schmetterlinge schaffen. Wer gemeint hat, dass sich die Kritiker der 7,2 Kilometer langen Trasse von Freistadt Nord bis Kerschbaum mit diesem Teilerfolg zufriedengeben würden, der irrt.

Die Trassengegner fordern nun sogar eine Neuaufrollung des Auswahlverfahrens und werden ihre Einwände bei der UVP-Verhandlung, die vom 17. bis 19. November wegen der Corona-Pandemie online über die Bühne geht, zu Protokoll geben.

„Aus dem UVP-Teilgutachten von Wolfgang Suske geht klar hervor, dass die bisherigen Erhebungen von Pflanzen und Tieren der Asfinag unvollständig sind. Die Trassenauswahl wurde aber mit diesen unvollständigen und nicht bekannten Vorkommen speziell geschützter Tiere begründet. Da diese Pflanzen und Tiervorkommen nicht in diesem Maße bekannt waren, hat man die Trasse voreilig als geeignet ausgewählt“, erläutert der Wiener Rechtsanwalt Wolfgang List gegenüber dem VOLKSBLATT, warum er die Trasse aus naturschutzrechtlichen Gründen für nicht genehmigungsfähig hält.

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Sollte diese dennoch abgesegnet werden, will er seinen Mandanten den Gang zum Bundesverwaltungs- gericht empfehlen.

Einwände der Kritiker überzeugten Gutachter

List wurde von der im Gemeinderat vertretenen „Bürgerbewegung für Rainbach“ engagiert, die sich u. a. auch gegen den Bau des Handlos-Sägewerks im Ortsteil Summerau stark gemacht hat.

Die Einwendungen ihres Rechtsvertreters sowie jene der OÖ Umweltanwaltschaft sind vom Gutachter Suske in mehreren Belangen als begründet angesehen worden, weshalb die Asfinag Auflagen für die Schaffung von Ersatzflächen vorgeschrieben bekam.

Dadurch, so Projektleiter Leopold Lechner, verzögert sich der Beginn der Hauptbauarbeiten von Ende 2021/Anfang 2022 auf das Jahr 2023 – vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren Auflagen im Zuge der UVP-Verhandlung oder sogar zu einem Neustart bei der Tassenauswahl.

Letzteres wäre mit einem Super-GAU für die Bewohner gleichzusetzen, die bereits seit vielen Jahren auf eine Verkehrsentlastung durch den Weiterbau der S10 samt Fertigstellung bis zur Staatsgrenze nach Wullowitz warten.

Während der Gutachter mit Verweis auf das laufende Verfahren nichts zum Tier-Vorkommen sagen wollte, bezeichnet Mario Pöstinger von der Umweltanwaltschaft auf VOLKSBLATT-Anfrage die Schaffung von 11,5 ha Ausgleichsfläche für die nachgewiesenen 14 Fledermausarten als angemessen. Zudem seien drei von 45 hier lebenden Schmetterlingsarten geschützt.

Von Heinz Wernitznig

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