Zahl der Infizierten in St. Wolfgang gleich geblieben

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten im Tourismusort St. Wolfgang ist mit 62 gleich geblieben. Das teilte der Krisenstab des Landes Oberösterreich nach der zuletzt noch ausständigen Auswertung von 38 von 1.183 Tests am Dienstag mit. Das Land Salzburg beginnt unterdessen damit, Tourismuspraktikanten in St. Gilgen und Strobl auf der Salzburger Seite des Wolfgangsee zu testen.

Die Landessanitätsdirektion hat dazu bereits am Montag die Betriebe in St. Gilgen und Strobl kontaktiert – mit der Bitte, die betroffenen Mitarbeiter zu melden. “Die Maßnahme dient als Vorsorge, um eine mögliche weitere Ausbreitung einzudämmen”, sagte ein Sprecher von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) zur APA. “Je nachdem, wie viele Praktikanten betroffen sind, wird eine eigene Teststraße eingerichtet oder betriebsweise getestet.” Zugleich werde auch abgeklärt, wie viele der Praktikanten bereits durch die Tourismusscreenings des Bundes getestet wurden, die in der Region gerade stattfinden.

Bereits am Montag hatte die zuständige Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung eine Verordnung erlassen, die alle Mitarbeiter im Tourismus mit Kontakt zu Gästen zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet. Vom Cluster in St. Wolfgang waren im Bundesland Salzburg zuletzt ein Gasthaus und ein Badeplatz in der Ortschaft Ried (Gemeinde St. Gilgen) und ein Gasthof in Strobl betroffen. Von den Infizierten im Cluster hatten zumindest fünf ihren Wohnsitz in Salzburg.

Unter den positiven Fällen in St. Wolfgang befinden sich 56 Mitarbeiter, drei Gäste eines Hauses im Ort und drei Jugendliche aus der Umgebung. Die für St. Wolfgang zuständige Bezirkshauptmannschaft Gmunden informiert alle Bezirksverwaltungsbehörden österreichweit, in denen die betroffenen Personen ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. So befinden sich unter den Erkrankten nach den jüngsten Zahlen 16 aus Niederösterreich, um zwei mehr als zunächst angenommen.

Wer in St. Wolfgang ein Hotelzimmer gebucht hat, hat keinen Anspruch auf ein kostenloses Storno – das sagte ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner im ORF-Morgenjournal. Die abendliche Sperrstunde in Sankt Wolfgang ist zwar vorverlegt, aber der Ort steht nicht unter Quarantäne, somit gebe es vorerst kein generelles Gratis-Storno, so die Juristin. Viele Hotels oder Internetplattformen würden jedoch die Möglichkeit anbieten, dass man bis 24 oder 48 Stunden vorher kostenfrei stornieren kann. Im Zweifelsfall empfiehlt die Juristin, das Hotel zu kontaktieren und auf Kulanz zu hoffen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) verteidigte am Dienstag die Vorgangsweise der Behörden beim Corona-Cluster in St. Wolfgang. Das Kontaktpersonenmanagement habe funktioniert, deshalb sieht der Minister auch kein Problem darin, dass es keine Hotelschließungen gibt.

Ursprung des Clusters ist ein Nachtlokal, in dem Praktikanten gefeiert haben – wahrscheinlich nicht nur einmal, sondern öfter, erklärte Daniela Schmid, Infektionsepidemiologin von der AGES. Abgesehen von dieser Gruppe habe es nur einzelne Folgefälle gegeben. In den Hotels, in denen die Praktikanten gearbeitet haben, sei das gesamte Personal getestet worden. Die Betroffenen selbst seien entweder in Oberösterreich in Isolation oder mit Maske nach Hause in andere Bundesländer gereist und seien jetzt in Heimisolation. Die Entwicklung werde freilich weiter intensiv beobachtet.

Beim Freikirchen-Cluster in Oberösterreich vor einigen Wochen war es zu umfassenden Schulschließungen gekommen, die Hotels in St. Wolfgang bleiben aber weiterhin offen. Entscheidend für die Maßnahmen sei, dass das Kontaktpersonenmanagement funktioniere, sagte Anschober. In St. Wolfgang wisse man, wer die Betroffenen sind und könne anders vorgehen. Das Land Oberösterreich sei hier “nicht mit zweierlei Maß vorgegangen”, befand Anschober.

Auch Schmid erklärte, in St. Wolfgang werde das gesamte Hotelpersonal auch weiter beobachtet, das minimiere das Risiko. Zur Frage, ob man denn nicht auch gesamte Schulen wiederholt testen könnte, meinte Schmid, dies möge beispielsweise eine Strategie für den Herbst sein. Das Prozedere werde in der Ferienzeit erarbeitet.

Dass immer mehr junge Menschen vom Virus betroffen seien, führte Schmid auf altersspezifisches Risikoverhalten zurück – sprich: die Jungen sind eben in den Sommermonaten vermehrt am Feiern. Das Risikobewusstsein habe sich in Teilen der Bevölkerung verschlechtert, merkte Anschober an.

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