Sammlerin Elisabeth Leopold feiert 95. Geburtstag

„Sie sind viel mehr als die Frau von Rudolf Leopold“ – Dieses Kompliment machte Ex-Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) Elisabeth Leopold, als sie 2017 in Wien geehrt wurde. Tatsächlich hat die Kunstliebhaberin an der Seite ihres 2010 verstorbenen Ehemanns eine der bedeutendsten Sammlungen der Wiener Moderne aufgebaut, die seit 2001 im Leopold Museum bestaunt werden kann. Am heutigen Mittwoch feiert die Grande Dame des heimischen Kunstbetriebs ihren 95. Geburtstag.

Trotz ihres beachtlichen Alters ist Leopold alles andere als im Ruhestand. Erst gegen Ende des Vorjahres freute sie sich über den Abschluss eines jahrzehntelangen Mammutprojekts: Das 1972 von Rudolf Leopold herausgegebene und bald vergriffene Standardwerk „Egon Schiele. Gemälde – Aquarelle – Zeichnungen“ konnte kürzlich als aktualisierte und erweiterte Neuauflage neu aufgelegt werden.

Angesichts der Beschäftigung für den letztendlich 5,3 Kilo schwer gewordenen Schiele-Wälzer zeigte sich die Jubilarin, obwohl von Alters wegen unbestritten zur Hochrisikogruppe gehörend, auch von der Coronapandemie einigermaßen unbeeindruckt. „Wenn man einen geistigen Inhalt hat im Leben – und den hatte ich nicht zuletzt durch die Arbeit an diesem Werk – hat man mit Corona nichts zu tun“, meinte sie erst kürzlich in einem Interview mit der APA.

Geboren am 3. März 1926 in Wien, lernte die spätere Augenärztin noch während ihrer Zeit an der Medizinischen Universität ihren künftigen Mann Rudolf kennen, den sie 1953 heiratete. Sie begleitete ihn auf seinen Kunstreisen und unterstützte ihn in seiner Sammeltätigkeit. Die ab den 1950er-Jahren mehr als 5.000 zusammengetragenen Kunstwerke, die neben dem weltgrößten Bestand an Schiele-Werken etwa auch Bilder von Klimt, Kokoschka oder Egger-Lienz umfassen, wurden 1994 in eine Stiftung eingebracht. Teile davon sind seit 2001 dank des Leopold Museums im Wiener Museumsquartier der Öffentlichkeit zugänglich.

Dabei mussten sich die Leopolds am Anfang ihrer Sammlerleidenschaft wegen ihrer Vorlieben so manches anhören. „Ein Professor hat einmal gesagt: ‚Sie sammeln den Schiele? Da haben S‘ aber schon einen Pecker’“, erinnerte sich die Kunstliebhaberin vor einigen Jahren. Schiele habe damals eben nichts gegolten.

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Um Werke dieses nunmehrigen Malergiganten drehten sich – Stichwort „Bildnis Wally“ oder „Häuser am Meer“ – auch einige Restitutionscausen, die das Sammlerehepaar über Jahre hinweg beschäftigten. Um den Vergleichszahlungen nachkommen zu können, musste das Museum andere Werke Schieles verkaufen.

Seit dem Tod ihres Mannes ist Elisabeth Leopold, die 2017 sowohl mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse als auch dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien bedacht wurde, auf Lebenszeit Vorstandsmitglied der Leopold Museum-Privatstiftung. Im Ausstellungshaus selbst fungierte sie immer wieder als Co-Kuratorin – etwa für die Ausstellung „Nackte Männer“ (2012), die für Furore und Aufregung inklusive überklebter Penisse am Plakatsujet sorgte. Leopold selbst demonstrierte damals ein gehöriges Maß an Abgeklärtheit. „Als Ärztin und alte Ehefrau kann ich an einem männlichen Geschlecht nichts Absonderliches finden. Ich finde eigentlich, dass der Penis nicht so ein wahnsinnig schöner Körperteil ist“, sagte sie der APA.

Für die Zukunft des Museums wünscht sich Elisabeth Leopold, dass man Gegenwartskunst im Spiel mit der Moderne zeigt. Dies müsse allerdings „organisch“ geschehen, „nicht krampfhaft“, wie sie in einem APA-Gespräch Ende 2020 beschied. Im Mittelpunkt solle aber stets „Schiele und seine Zeit“ stehen. Sie persönlich wünsche sich eine Ausstellung, die den zweiten Teil der Sammlung Leopold in den Mittelpunkt rückt, die verdeutliche, „welche künstlerische Kraft nach dem Zusammenbruch Österreichs nach dem Ersten Weltkrieg im neuen, kleinen Österreich steckte“. Hier nannte sie Künstler wie Hans Böhler, Gerhart Frankl oder Herbert Boeckl: „Eine Ausstellung mit den großen Farbmalern, das wäre noch ein Wunsch von mir.“

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