Sammlung Chobot in der Albertina zu sehen

Zu Beginn fällt der Blick auf das Sammlerpaar: Zwar stehen Dagmar und Manfred Chobot am Freitagvormittag tatsächlich in der Galerie der Basteihalle der Albertina, hinter ihnen hängt jedoch ein großformatiges Werk der bulgarischen Künstlerin Sevda Chkoutova, die die beiden 2007 verewigt hat. Es begrüßt die Besucher der neuen Schau, in der ein Teil der Chobot-Schenkung an die Albertina gezeigt wird.

800 Werke aus ihrer umfangreichen Kunstsammlung haben die Galeristin Dagmar Chobot und ihr Mann, der Schriftsteller Manfred Chobot, der Albertina kürzlich geschenkt, 650 davon befinden sich bereits im Haus, der Rest folgt nach Ableben der beiden. “Wir sammeln aber schon weiter”, lachte die 73-jährige Wienerin zu Beginn der Pressebesichtigung. Ob es ihnen nicht schwer gefallen sei, sich von den Werken, die zu einem großen Teil bis vor kurzem in ihrer Wohnung nahe dem Yppenplatz in Wien-Ottakring gehangen sind, wegzugeben? “Ja schon, aber man kann die Bilder ja einmal – egal ob in den Himmel oder die Hölle – nicht mitnehmen. Also wollten wir sie an einen Ort geben, an dem die Sammlung zusammenbleibt und anderen Freude macht”, so der 72-jährige Manfred Chobot.

In einer ersten, kleinen Präsentation gibt Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder nun Einblick in jenes Konvolut, das er gemeinsam mit der Kuratorin Elisabeth Dutz selbst zusammengestellt hat. “Wir durften uns die Werke, die wir übernehmen, selbst aussuchen”, freute er sich. “Diese Schenkung ist nicht nur aufgrund ihres Umfangs außergewöhnlich, sondern vor allem, weil sie tatsächlich Lücken in unserer Sammlung schließt.” Somit sei der Nachlass von Karl Anton Fleck (1928-1983) laut Schröder ein neuer Pfeiler der Sammlung, auch die zahlreichen Werke von Gugginger Künstlern wie August Walla, Johann Hauser oder Oswald Tschirtner würden definitiv eine Lücke der Albertina-Sammlung schließen. Die Gugging-Arbeiten finden sich in der Ausstellung, die 60 Werke von 14 Künstlern zeigt, in dicht gehängten Kleinformaten.

Aber auch Arbeiten von anderen renommierten Künstlern wie Alfred Hrdlicka, Bruno Gironcoli oder Erwin Wurm seien ein ganz besonderer Neuzugang, da die Chobots die genannten Künstler bereits früh gekannt haben und dementsprechend viele frühe Werke einbringen. So sei die “Samson”-Skulptur Hrdlickas aus den Jahren 1960/61 bis vor Kurzem noch in der Bibliothek in der Chobot-Wohnung gestanden, von Erwin Wurm gibt es frühe Skizzen sowie Foto-Abzüge der “One Minute Sculptures” aus den 1990er-Jahren. “Die beiden haben sich schon früh spezialisiert. Einerseits auf Skulptur, andererseits auf Künstler, wo andere sich nicht herangewagt haben”, freute sich Schröder, der sich bei dem Paar auch für die “unkomplizierte Zusammenarbeit” bedankte.

Dagmar Chobot unterstrich in ihrer kurzen Rede, dass sie sich schon früh darüber geeinigt hätten, ihre Sammlung dereinst der Albertina zu schenken und gab Einblick in ihre Sammler-Anfänge, als sie das Ersparte für einen Kühlschrank in Kunstankäufe steckten und Neuerwerbungen vor den kritischen Eltern hinter einem Kasten versteckten. Später habe man dann an den Club-Abenden in der Secession teilgenommen und so Kontakte zu Künstlern geknüpft, von denen sie Werke teils via Ratenzahlung ankauften.

Zu den nun gezeigten Arbeiten zählen neben den bereits genannten unter anderem Arbeiten von Florentina Pakosta, Adolf Frohner, Franz Ringel, Robert Zeppel-Sperl oder Erhard Stöbe, der das Publikum im Eingangsbereich der Galerie mit einem Kaffeehaus-Aquarell und ebenso farbenprächtigen wie monströsen Porträts empfängt. Einen weiteren Einblick in die Sammlung Chobot wird es dann ab März in der Eröffnungsausstellung “The Beginning. Kunst in Wien 1945 bis 1980” geben.

(S E R V I C E – “Sammlung Dagmar und Manfred Chobot. Eine Schenkung an die Albertina”, Galerie der Basteihalle in der Albertina, 13. Dezember 2019 bis 23. Februar 2020. Infos unter )

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