San Sebastian: Dänischer Film Favorit auf “Goldene Muschel”

Am Samstag wird auf dem 68. Internationalen Filmfestival von San Sebastian die “Goldene Muschel” vergeben. Einer der Topfavoriten ist heuer “Druk/Another Round” des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg. Ein witziger und gleichzeitig hochdramatischer Film, bei dem vier Lehrer an einer Schule beweisen wollen, dass Menschen bei einem permanentem Alkoholpegel bessere Leistungen auf allen Ebenen des Lebens bringen können.

Dänemarks Hollywoodstar Mads Mikkelsen, James Bond Bösewicht aus “Jamen Bond 007: Casino Royale”, dürfte auch als ein heißer Anwärter für die “Silberne Muschel” als bester Schauspieler gelten, obwohl das ganze Ensemble der vier Hauptdarsteller den Preis erhalten sollte.

Doch auch Francois Ozons “Summer 85” über die tragische Jugendliebe zweier Burschen und der von Johnny Depp produzierte “Crock of Gold”, eine raffinierte Musikdoku von Julien Temple über den The-Pogues-Sänger Shane MacGowan, sind gut im Rennen.

Noch chancenreichere Anwärter auf die “Goldene Muschel” sind heuer allerdings auch das hochemotionale Adoptionsdrama “True Mothers” der japanischen Filmemacherin Naomi Kawase und das packende georgische Sozialdrama “Beginning” der jungen Filmemacherin Dea Kulumbegashvili, die man in Zukunft mit Sicherheit auch in Cannes sehen wird. Ein Film, der mit seiner extrem radikalen Inszenierung niemanden kalt lässt. Die Hauptdarstellerinnen dieser beiden Festivalbeiträge, die Japanerin Aju Makita und die georgische Darstellerin La Sukhitashvilli, sind auch im Gespräch für die Auszeichnung als beste Schauspielerin.

Wie “Druk” und “Summer 85” sollten eigentlich auch “True Mothers” und “Beginning” im offiziellen Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes laufen, das aufgrund der Covidlage aber abgesagt wurde. Insgesamt sieben der 13 Wettbewerbsfilme konnte San Sebastian von Cannes, dem weltweit wichtigsten Filmfestival überhaupt, übernehmen. Für Festivaldirektor Jose Luis Rebordinos ein Segen: “Ohne diese Filme hätten wir in produktionsschwachen Zeiten wie diesen mit Sicherheit nicht diese enorm hohe Qualität an Filmen im Wettbewerb gehabt”, gibt Rebordinos offen im Gespräch mit der APA zu.

Was er jedoch bedauert: “San Sebastian ist ein Brückenfestival zwischen Europa und Lateinamerika und die Coronakrise ließ kaum Dreharbeiten in Lateinamerika zu, weshalb wir leider nur eine einzige Produktion aus dieser Region im offiziellen Wettbewerb haben.” Dennoch zeigt er sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Festivals. Bereits der Start mit dem Woody Allens und Christoph Waltz’ “Rifkin’s Festival” zeigte, dass die Sicherheitsprotokolle gut einzuhalten und das Festival sicher sind, so der Festivaldirektor von San Sebastian.

Dabei war bis kurz vor Festivalbeginn gar nicht sicher, ob es überhaupt stattfinden würde. “Hätte die rasante Entwicklung der Covid-Neuinfektionen in Spanien das Zuschauerforum auf unter 50 Prozent gedrückt, hätten wir es wahrscheinlich abgesagt”. Ein Festival ganz ohne Publikum wäre für ihn ausgeschlossen gewesen. “Der Kinosaal ist der beste Orte, einen Film zu sehen. Und Festivals sind Orte des Zusammenkommens für die Filmszene. Besonders jetzt in diesen Zeiten”, so Rebordinos.

Wegen der Coronakrise musste das Festival allerdings auf zahlreiche Stars verzichten, die in letzter Minute absagten. Der österreichische Oscarpreisträger Christoph Waltz und US-Regisseur Woody Allen kamen nicht. Auch Colin Firth und Stanley Tucci aus Harry Macqueens Schwulen-Demenzdrama “Supernova” blieben dem Festival fern. Dennoch gab es einige Highlights auf dem Roten Teppich vor dem Kursaal von San Sebastian. Johnny Depp und Gina Gershon gaben sich die Ehre. Hollywoodstar Matt Dillon stellte seine Doku “The Great Fellove” über den kubanischen Musiker Francisco Fellove höchstpersönlich in San Sebastian vor.

“Festivals brauchen ein Gleichgewicht zwischen guten Filmen, Publikum und natürlich auch Glamour, was international für mediale Aufmerksamkeit sorgt. Deshalb waren gerade auch Weltpremieren von Hollywoodgrößen wie Johnny Depp und Matt Dillon besonders wichtig für uns”, erklärt Rebordinos.

Natürlich nicht zu vergessen Viggo Mortensen. Der 61-jährige Hollywoodstar nahm am Donnerstagabend den “Donostia”-Ehrenpreis für seine Schauspielkarriere entgegen. Mortensen bedankte sich bei einer Gala in der nordspanischen Küstenstadt bei “all jenen Menschen, die weiterhin ins Kino gehen”. Sie ermöglichen den Filmemachern, auch in Zukunft weiterhin Geschichten erzählen können, betonte er. Mortensen, bekannt aus Filmen wie “Herr der Ringe” oder “Greenbook”, stellte in San Sebastian mit “Falling” sein Regiedebüt vor, ein bewegendes Drama über Demenz und Familie. Er schrieb auch das Drehbuch und spielte neben einem grandiosen Lance Henriksen auch die Hauptrolle.

In San Sebastian, das neben Cannes, Berlin und Venedig zu den weltweit wichtigsten Filmfestivals gehört, wurde auch der Film “The Trouble with being born” der österreichischen Nachwuchsregisseurin Sandra Wollner gezeigt, der bereits auf der Diagonale triumphierte und auf der 70. Berlinale mit dem Spezialpreis der Jury in der Sektion “Encounters” ausgezeichnet wurde.

(S E R V I C E – )

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