„Schade, wenn Moritz und Bibi eine Beziehung eingehen müssten“

Publikumsliebling Adele Neuhauser gibt im ORF noch einmal die wilde Julie und weiter die coole „Tatort“-Ermittlerin

Schauspielerin Adele Neuhauser
Schauspielerin Adele Neuhauser © t&t

Derzeit ist sie als Julie Zirbner in „Vier Frauen und ein Todesfall“ zu sehen, am 24. November bestreitet sie als Major Bibi Fellner ihren 21. „Tatort“-Fall. Adele Neuhauser (60) gehört zu den absoluten Publikumslieblingen und hat mit dem VOLKSBLATT übers Rauchen, klassische Krimis, Moritz Eisner und Soziale Medien geplaudert.

VOLKSBLATT: Haben Sie lieber eine Glock in der Hand oder ein Gewehr?

NEUHAUSER: Wenn ich noch eine Raucherin wäre, die ich jetzt seit über einem Monat nicht mehr bin, hätte ich gesagt, eine Zigarette. Wenn Sie die Rollen — Bibi Fellner und Julie Zirbner —, die dahinterstecken, meinen, dann lieber ein Gewehr!

Aktuell läuft die achte Staffel von „Vier Frauen und ein Todesfall“ auf ORF. Gedreht wurde aber bereits 2015. Was ist Ihnen denn von der Traunseeregion in Erinnerung geblieben? Es schaut ja recht kalt aus …

Das ist die erste Erinnerung, die kommt. Es war arschkalt. Wir haben uns im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch abgefroren. Manche Kollegen noch mehr als wir Frauen. Die meisten Männer mussten wirklich ins Wasser. Aber ich bin ganz sentimental. Wir haben zwar gewusst, es geht dem Ende entgegen. Die letzte Staffel kommt ja noch. Wenn ich jetzt noch mal drüber nachdenke: Das war schon was ganz ganz Besonderes. So was kommt eigentlich nicht noch mal. Geschichten so zu erzählen, so drüber, so verrückt, so tragisch, so lustig, so grausam, so herrlich. Die Julie Zirbner war schon eine ganz besondere Figur. Ich habe sie sehr vermisst. Dieser Humor geht mir auch so ab, dieses Schiachsein. Die Serie hat schon einen Kultcharakter.

Apropos Kultcharakter. Den haben ja auch die ORF- „Vorstadtweiber“. Können Sie sich vorstellen, die Damen zu ergänzen?

Nein! Ich wurde auch damals, als die „Vier Frauen“ noch nicht ausgestrahlt worden sind, gefragt, ob ich da nicht mitspielen will. Aber ich hab mir gedacht, erst müssen die „Vier Frauen“ ausgestrahlt werden. Mir würde da eine völlig andere Geschichte schon mehr zusagen, was wirklich ganz Neues.

Seit 2011 ermitteln Sie als Bibi Fellner im „Tatort“. Eine lange Zeit. Sind Ihnen Szenen, Begegnungen … besonders im Kopf geblieben?

Ich merke mir außergewöhnliche Situationen nicht. Ich mache auch ganz schlechte Fotos, weil in dem Moment, wo ich wahrnehme, wie toll dieser Augenblick ist, zücke ich die Kamera schon zu spät — wenn ich überhaupt daran denke. So ist es auch mit Erinnerungen. Es gibt sehr viele, aber ich kann Ihnen keine einzige schildern.

Kürzlich habe ich eine Wiederholung der Folge „Angezählt“ gesehen, in der Sie ja ganz brutal zusammengeschlagen werden …

Das war schon arg. Da kann ich mich noch daran erinnern, dass der Murathan Muslu, so ein bezaubernder Bösewicht, gesagt hat, dass es ihm so schwerfalle, diese Rolle zu spielen, weil es seiner Erziehung und seiner Lebenshaltung dermaßen widerspreche, eine Frau zu schlagen, dass er selbst Schwierigkeiten habe, nur so zu tun, als ob. Der Arme hat wirklich größte moralische Bedenken gehabt bei den Dreharbeiten. Jetzt habe ich Ihnen ja doch noch eine Erinnerung erzählen können.

Ein Leben ohne Moritz Eisner — ist das für Sie noch vorstellbar?

Um Gottes Willen, wie kommt man denn auf die Idee, diese Frage zu stellen? Nein, es geht gar nicht, ein Leben ohne Moritz Eisner. Warum auch? Moritz Eisner und Bibi Fellner sind so ein gutes Gespann. Nein, das mag ich mir gar nicht vorstellen.

In „Der Baum fällt“ sind die beiden ja wie ein altes Ehepaar, wo der eine die Schwächen des anderen ausgleicht. Würden Sie sich von den Drehbuchautoren wünschen, dass die beiden doch noch einmal ein richtiges Liebespaar werden?

Nein, ich glaube, es ist eine sehr innige Freundschaft und ein sehr verantwortungsvolles Miteinanderumgehen mit einer ganz großen Aufmerksamkeit und Wachheit, den anderen zu begleiten. Ich finde die Freundschaft so stark und so großartig, dass ich es sehr schade fände, wenn wir eine Liebesbeziehung eingehen müssten. Dann wäre es vorbei, glaube ich. Dann heißt die Frage: Ist ein Leben ohne Bibi und Moritz vorstellbar?

In „Baum fällt“ geht es für die Ermittler nach Kärnten. Mögen Sie solche „Ausflüge“ raus aus Wien?

Ich liebe das! Und der Harry genauso. Wie sind beide sehr gerne am Land unterwegs. Da ist es irgendwie anders. Ich mag es auch, dass das ganze Team da gemeinsam ist, es ist so konzentriert auf einen Fleck, man ist mehr draußen, weil man mehr vom Umfeld zeigen will. Es macht Spaß, es ist wie Räuber und Gendarm spielen. Das erinnert mich ein bisschen mehr an „Vier Frauen und ein Todesfall“.

„Baum fällt“ ist ein klassischer Krimi, aber in der „Tatort“-Reihe gibt es ja durchaus auch Experimentelles. Was ist Ihnen denn lieber?

Sehr experimentell ist das, was Ulrich Tukur macht, das gab es ja bei uns noch nicht so extrem. Ich weiß nicht, ob der „Tatort“ das in der Form wirklich so braucht. Das ist irgendwie ein anderes Genre. Ich mag eigentlich diese klassischen Geschichten, früher diese Agententhriller, Kalter Krieg und so. Ich mag das Dunkle, das der Krimi hat, die psychologische Ebene. Das ist ja eigentlich das Spannende, die Tiefen einer menschlichen Seele. Was lässt einen Menschen soweit gehen, einen anderen zu töten?

Sitzen Sie Sonntagabend auch vor dem Fernseher und schauen „Tatort“?

Na, ich bin keine so explizite „Tatort“-Schauerin. Komischerweise habe ich da dann das Gefühl, ich muss arbeiten. Ich arbeite gerne, aber da fühle ich mich irgendwie verpflichtet … das ist eigenartig. Aber ab und an schaue ich auch einen „Tatort“, Krimis schaue ich auch generell gerne.

Ein Thema, das „Baum fällt“ streift, ist Umweltschutz. Nehmen Sie den persönlich auch wichtig?

Klar. Ich denke darüber nach, wie viel ich mit dem Auto fahre, wie viel kann man mit der Bahn machen, brauche ich für jeden Apfel ein Plastiksackerl … ich denke schon sehr viel darüber nach und versuche, umweltbewusst zu agieren.

Ein Satz, der im neuen „Tatort“ auch auftaucht, ist „Was bleibt von uns?“. Eine Frage, die Sie sich auch stellen?

In der Form eigentlich nicht. Viel wichtiger ist mir, die Frage „Wie lebe ich?“ Und mir ist es wichtig, ein guter Mensch zu sein. Da frage ich mich nicht, was bleibt von mir, sondern ich will ein aufmerksamer Mensch sein.

Sie haben mit Ihrer Autobiografie „Ich war mein größter Feind“ private Einblicke in Ihr Leben gegeben und damit auch medial große Aufmerksamkeit erregt. Sie gehen mit Ihren Texten auch auf die Bühne. Was bewegt Sie dazu?

Wenn ich das in Buchform veröffentliche, kann ich damit auch auf die Bühne gehen. Ich habe auch nicht gedacht, dass das so weite Kreise ziehen wird. Ich habe das Buch veröffentlicht, bin von Buchhandlung zu Buchhandlung. Dann wurde das immer größer und ich bin mit meinem Sohn und der Band losgezogen. Irgendwann ist es jetzt dann auch gut. Jetzt rede ich seit Jahren über mich, jetzt reicht es dann auch und ich mag auch nicht mehr alleine mit dem Buch auftreten, mit den Jungs fällt es mir leichter. Es sind Themen in dem Buch, die sind gar nicht das Intimste, sondern es geht um mangelndes Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbsthass bis hin zu Suizidversuchen. Das ist, glaube ich, ein sehr verbreitetes Thema. Und da gebe ich nur etwas preis, weil ich den Menschen zeigen möchte, dass man aus diesem scheußlichen, depperten, grauslichen Loch wieder herauskommen kann. Und dass es darum geht, dass man die Maske ablegt, die man sich aufgesetzt hat. Wir werden so erzogen, dass wir so perfekt, toll und erfolgreich und schön und lustig sind und uns keine Schwächen leisten können. Wenn wir zugeben, dass wir mit manchen Dingen selbst Schwierigkeiten haben, sind wir auch nicht so in Gefahr, von irgendwelchen Blendern verführt zu werden und einem populistischen Scheißdreck folgen.

Wo einige Ihrer Kollegen sehr intime Einblicke geben, sind Soziale Netzwerke. Adele Neuhauser und Soziale Netzwerke: Geht da was?

Da geht gar nichts. Da ist total tote Hose. Ich bin nicht auf Facebook, nicht bei Instagram, ich habe das alles nicht und ich habe schon genug zu verwalten, das ist mir zu viel. Nein, für mich gibt es das nicht.

Interview: Mariella Moshammer

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