Schallende Ohrfeigen für US-Präsidenten

Donald Trump sieht sich nach dem Gipfeltreffen mit Wladimir Putin harscher Kritik auch aus den eigenen Reihen ausgesetzt

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Gut lachen hat Russlands Präsident Putin (r.) nach dem Gipfel mit US-Präsident Trump: Dieser wird für sein Russland-freundliches Auftreten gescholten.
Gut lachen hat Russlands Präsident Putin (r.) nach dem Gipfel mit US-Präsident Trump: Dieser wird für sein Russland-freundliches Auftreten gescholten. © AFP/Kadobnov

„Großartig. Besser als großartig.“ So kommentierte der russische Außenminister Sergej Lawrow den Gipfel zwischen seinem Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump in Helsinki. Damit stimmt er in den Reigen russischer Politiker und Medien ein, die das Gipfeltreffen als Sieg für Putin sehen.

Putin präsentierte sich auf Augenhöhe mit USA

Denn dieser habe sich, so der allgemeine Tenor, auf Augenhöhe mit Trump präsentiert und damit sein Land als Weltmacht präsentiert. Das tut der russischen Seele gut, nachdem etwa Trumps Vorgänger Barack Obama von Russland als Regionalmacht gesprochen hatte.

Hauptkritik: Trump glaubt Putin mehr als CIA

In den USA bewertet man das Treffen ganz ähnlich. Wenig überraschend ist man dort allerdings ganz und gar nicht zufrieden damit. „Beschämend“, „schändlich“, „verräterisch“, „gefährlich“ oder „schwach“ waren einige der Attribute, mit denen Vertreter sowohl der Demokraten als auch der Republikaner Trumps Auftreten beim Gipfel bedachten. Die Hauptkritik bezieht sich darauf, dass Trump dem russischen Präsidenten unumwunden glaubt, dass es keine russischen Einmischungen in den US-Präsidentschaftswahlkampf gegeben hat — obwohl der US-Geheimdienst das ganz anders sieht.

„Er hat das Wort des KGB über die Männer und Frauen der CIA gestellt“, wetterte etwa der Oppositionsführer im US-Senat, Chuck Schumer. Und der Republikaner John McCain legte nach: Die Pressekonferenz in Helsinki „war eine der schändlichsten Vorstellungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken.“ Für den früheren Direktor des US-Geheimdienstes CIA, John Brennan, grenzt das Verhalten Trumps an „Hochverrat“ und sei idiotisch: „Er ist vollständig in der Tasche Putins.“

Der Nationale Geheimdienstdirektor der USA, Dan Coats, distanzierte sich von seinem Chef und verteidigte die Erkenntnisse der ihm unterstellten Behörden zu den mutmaßlichen russischen Cyberangriffen im US-Wahlkampf 2016 gegen die von Trump vorgebrachten Zweifel. Daran habe sich nichts geändert, so Coats.

Und Trump selbst? Der verteidigte sein Verhalten bereits auf dem Heimflug von Helsinki via Twitter: „Ich habe RIESIGES Vertrauen in MEINE Geheimdienstleute.“ Der Gipfel sei noch besser gewesen als das Nato-Treffen.