Schaurig schön trügt der Schein

Auch in den USA fördert die Krise den wahren Kern der Nation zutage

Die ganze Welt ist Bühne, das gilt normalerweise insbesondere am legendären New Yorker Broadway.
Die ganze Welt ist Bühne, das gilt normalerweise insbesondere am legendären New Yorker Broadway. © AFP/Getty/Parker

Donald Trump bezeichnet „seine“ USA gerne als das „großartigste Land“ der Welt. Wie immer ergibt Trumps Sicht der Dinge nur ein Zerrbild der Realität.

Zugegeben, die USA verfügen über Top-Unternehmen, weltweit führende Universitäten, imposante militärische Schlagkraft, großartige Landschaften und freundliche, fleißige Menschen. Doch wo viel Licht, da ist oft noch mehr Schatten. Insbesondere im Gesundheitsbereich sind die USA kein Vorbild.

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Überteuertes System

Ein großer Teil der US-Amerikaner ist nicht krankenversichert, knapp 28 Millionen Menschen hatten 2018 keine Krankenversicherung. Nun kommen noch viele der fast 17 Millionen jüngst arbeitslos gewordenen Amis dazu. Zudem leben in den USA rund 12 Millionen „Illegale“, nicht registrierte Einwanderer, welche die US-Wirtschaft, etwa im Agrarsektor, am Laufen halten. Auch diese haben natürlich keine Versicherung und große Angst, zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen, weil ihnen die Abschiebung droht.

Zudem sind Behandlungen in den USA teuer. Einfache Arztbesuche kosten Hunderte Dollar, Krankenhausaufenthalte, womöglich noch auf einer Intensivstation, verschlingen ein Vermögen.

Ein Beispiel: Eine Bekannte aus Tampa, Florida, wurde wegen eines Schlaganfalles ins Spital eingeliefert und verließ dieses bettelarm. Der mehrwöchige Aufenthalt hatte sie eine Million (!) Dollar gekostet.

US-Spitäler sind meist privatisiert, sie arbeiten also gewinnorientiert. Somit wird bei Ausstattung und Personal gerne gespart, in pandemischen Zeiten ein Eigentor.

Leben ohne Reserven

Die USA sind zwar Heimat unermesslich reicher Familien, aber beherbergen auch viele armutsgefährdete Personen. Gut 40 Prozent der Amis könnten eine unerwartete Ausgabe von 400 Dollar (knapp 360 Euro) nicht stemmen, bei einer kaputten Waschmaschine oder einem Schaden am Auto drohen massive Probleme. Hier fehlen auch Ersparnisse, um eine Krise zu überstehen.

Viele Menschen können es sich einfach nicht leisten, daheim zu bleiben. Bei Krankheit wird vielen nämlich kein Gehalt bezahlt. Auch das Arbeitslosengeld reicht da kaum zum Überleben. Viele Menschen sind auf „Food Stamps“, also Essensgutscheine, angewiesen, Kinder auf die Schulausspeisung. Die müssen nun hungern, weil die Schulen geschlossen sind. Auch diese Krise erwischt die Ärmsten mit aller Härte. Unter den Corona-Toten sind überproportional viele Afro-Amerikaner. Übergewicht und die Folgen, Diabetes oder Herz-/Kreislaufprobleme, sind bei diesen häufiger, Virus-Erkrankungen fallen damit schwerer aus. AHA

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